20.04.2017

Theaterstück mit Laiendarstellern

Welche Religion hat den besten Himmel?

Was passiert nach dem Tod? Komme ich an einen seltsamen Ort? Welche Religion hat den besten Himmel? Solche Fragen behandelt das Theaterstück „Der beste Gott“, das mit Laiendarstellern verschiedenen Glaubens einstudiert wird. Ein Probenbesuch beim Musiktheater Lupe.

Was ist los? Die Darsteller finden sich auf einem Hochhausdach wieder und begreifen: Sie sind gestorben. Fotos: Katharina Westphal

Drei Jugendliche sitzen auf einer Bank. Ein paar junge Leute hocken auf großen Klötzen. Eine junge Frau, offenkundig Muslima, steht in der Mitte. „Es gibt Regeln, an die man sich halten muss. Aber auch einen gewissen Spielraum“, sagt sie. „Es kommt auf die richtige Ernährung an. Nicht so sehr darauf, viel Sport zu treiben.“ Ein Junge springt auf. „Und was ist, wenn Gott eine Schildkröte ist?“

Die Darsteller erstarren, Musik setzt ein, die beiden beginnen einen seltsam ungelenken Tanz. Die Jugendlichen proben mit dem Musiktheater Lupe für das Stück „Der beste Gott“.

Eda, das Mädchen, das die Muslimin spielt, erklärt, dass im Stück persönliche Erfahrungen in die Geschichte verwoben werden. Es geht um Religionen, ihre Vorstellungen vom Tod, um Vorurteile und Klischees. Eda beschäftigt sich tatsächlich mit gesunder Ernährung und zieht eine Verbindung zu religiösen Regeln.

Das Theaterstück „Der beste Gott“ sei ein Experiment, sagt Ralf Siebenand, Theaterpädagoge. Er und Katrin Orth vom Musiktheater Lupe aus Osnabrück inszenieren das Stück mit 15 Laienschauspielern. Es sind Schüler, Studenten und ein Rentner. Aber alle haben Theatererfahrung. Einige spielen schon lange beim Musiktheater Lupe mit. Das Projekt „Der beste Gott“ wurde anlässlich des Reformationsjubiläums vom Osnabrücker Büro für Friedenskultur initiiert. Text und Ablauf standen vor den Proben nicht fest.

Nur die Ausgangssituation ist vorgegeben: Die jungen Leute befinden sich auf einem Hochhausdach, ohne zu wissen, wie sie dorthin kamen. Dass sie tot sind, erfahren sie erst später. Was für ein Ort ist das? Was glaube ich, passiert nach dem Tod? Diese Fragen diskutiert das Stück aus verschiedenen Perspektiven. „Es ist ein undefinierbarer Ort. Jede Religion projiziert ihre Vorstellung darauf“, meint Ralf Siebenand. Die Schauspieler bringen eigene Erfahrungen ein. Anfang Februar besuchten sie zur Vorbereitung eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee. Die Teilnehmer sind christlich, muslimisch, atheistisch.  

„Uns verbindet mehr als uns trennt"

Ob Muslima oder Atheistin – Jenseitsvorstellungen spielen
oft eine große Rolle.

Lena nennt sich Atheistin. „Man hat Vorurteile. Wenn man dann mit Eda spricht, sieht man, dass es ganz anders ist“, gibt sie zu. „Man beschäftigt sich sonst nur mit dem eigenen Glauben“, sagt sie. Das führe zu den typischen Bildern: die Muslima, die gezwungen werde, ein Kopftuch zu tragen. Der Gläubige, der ein Leben nach strengen Regeln führe. „Dann merkt man, dass ein junger gläubiger Mensch anders lebt –- auch locker sein kann.“ Es zeige sich, „dass da mehr dahintersteckt“, sagt Lisa. „Ich werde jetzt anders an solche Themen herangehen“. „Wir wollen zeigen: Uns verbindet mehr als uns trennt“, fasst Ralf Siebenand zusammen. „Wir suchen nicht die Wahrheit. Jedes Lebenskonzept ist eine eigene Wahrheit.“

Das Stück verbindet Schauspielerei,  Tänze und Gesang mit Video- und Fotoarbeiten des Künstlers Thorsten Alich. Es wurde innerhalb der Osterferien erarbeitet. Lisa und Lena haben bisher mit Textbuch Theater gespielt. Diese Proben sind anders. Es sei chaotisch, sagt Lisa, aber auch „sehr harmonisch, weil alle motiviert sind“. Eda sieht die Improvisation als Bereicherung. „Wir können selber entscheiden. Das bringt einen großen Spielraum“, sagt die Studentin der IslamischenTheologie.

Ralf Siebenand und Karin Orth geben Anregungen. In der ersten Szene stellen die Darsteller fest, dass sie sich unerklärlicherweise an einem fremden Ort befinden. „Da wollt ihr zeigen: Ich bin aus dem Gleichgewicht. Ihr nehmt keinen Kontakt auf“, erklärt Siebenand ihnen. Nach jeder Szene wird diskutiert, was verändert werden kann.

Das gemeinsame Erarbeiten der Rollen funktioniert gut, bestätigen alle, die schon des Öfteren beim Musiktheater Lupe mitgewirkt haben. So wie Heinz Niemann, 70. Er arbeitete als Steuerberater, ist seit kurzem Rentner. Seit über drei Jahren spielt er im Theater Lupe mit. Die Arbeit mit den jungen Leuten liebe er, sagt er, „es ist Leben“. Religion sei ein wichtiges Thema und „sehr polarisierend“, sagt Ralf Siebenand über das Stück. Die Bilanz der Aufführung werde aber sein: „Es gibt keinen besten Gott“, so Heinz Niemann.

Katharina Westphal


 

Vorstellungen auch für Schulklassen

Das Musiktheater Lupe inszeniert eigene Produktionen und erarbeitet Stücke mit Gruppen, von Jugendlichen bis zu Senioren. Oft werden gesellschaftlich wichtige und schwierige Themen bearbeitet. So gab es zum Beispiel eine Inszenierung zum Thema Zwangsarbeit mit dem Titel „Untertaucher“ in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen-Ohrbeck, die mit deutschen und niederländischen Jugendlichen erarbeitet wurde.

Um religiösen Dialog geht es in „Der beste Gott“. Premiere ist am Sonntag, 23. April, um 19 Uhr im Haus der Jugend in Osnabrück, Große Gildewart 6-9. Eine zweite Aufführung beginnt am Mittwoch, 3. Mai, um 19 Uhr im Haus der Jugend. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6.

Aufführungen für Schulen (Eintritt 3 Euro), jeweils 9 und 11.30 Uhr: Montag, 24. April, Dienstag, 25. April, Mittwoch, 3. Mai, Donnerstag, 4. Mai. Anmeldung im Büro für Friedenskultur, E-Mail: grewe.c@osnabrueck.de, Telefon 05 41/3 23 22 87