08.05.2017

Kölner Dom jetzt auch per 3D-Brille begehbar

Weltkulturerbe im Hightech-Format

„Mer losse d'r Dom en Kölle“. Der Refrain des alten Karnevallieds gilt im Internetzeitalter schon lange nicht mehr. Der Dom ist virtuell längst überall. Jetzt hat der Westdeutsche Rundfunk das Weltkulturerbe als beindruckendes 360 Grad Projekt ins Netz gestellt.

„Tiefe Nacht, der Dom ist menschenleer. Der Kapellmeister – keine zwei Schritte entfernt – stimmt das Ave Maria von Franz Biebl an. Der Blick nach links und rechts bestätigt es: Man ist mittendrin im privaten Chorkonzert, die Sänger sind zum Greifen nah.“ Mit diesen Worten beschrieb jüngst Henriette Westphal in der Kölnischen Rundschau das neue Projekt „360 Grad Kölner Dom“ des Westdeutschen Rundfunks. Für das beindruckende Vorhaben, das ab sofort auch als App für Android-Handys und iPhones erhältlich ist, hat der WDR „begehbare“ Rund-um-Videos mit Hilfe modernster Technik erstellt. Mit einer Virtual-Reality-Brille, kurz VR-Brille, und Kopfhörern bekommt man schnell das Gefühl, egal wo man sich gerade aufhält, mitten im Kölner Dom zu stehen. „Das ist fast noch besser als die Realität“, schwärmte WDR-Intendant Tom Buhrow bei der Vorstellung der Domtour.

Blick in den Altarraum des Kölner Doms aus der Vogelperspektive (Alle Fotos sind Screenhots von "dom360.wdr.de")

Doch auch mit einem ganz gewöhnlichen Internetbrowser und einer halbwegs flotten Datenleitung macht „360 Grad Kölner Dom“ schon Spaß. Denn mit den Filmschnipseln, die sich jederzeit per Maus oder Fingerwischen perspektivisch – rauf und runter, nach links oder rechts - steuern lassen, bekommt man Einblicke in das zweithöchste Kirchengebäude Europas, den man auch bei einer gewöhnlichen Köln-Reise niemals bekommen würde. Ein Highlight ist sicherlich ein nächtliches Konzert des Dom-Chores mit nur einem Zuschauer, der dann auch noch selbst mittendrin steht im sakralen Geschehen. Auf ähnliche Weise kann man auch Zeuge werden wie  Domorganist Prof. Winfried Bönig das Finale der 8.Symphonie von Charles-Marie Widor spielt. Hierbei kann der Betrachter per VR-Brille sogar in der Vogelperspektive durch das monumentale Kirchenschiff fliegen.

Sechs Millionen Besucher pro Jahr!

Toll ist auch die Zeitreise durch die Geschichte und Vorgeschichte des Bauwerks, das jährlich rund sechs Millionen Touristen (20.000 pro Tag) aus aller Welt anzieht. Hier katapultiert eine Computersimulation den Besucher unweigerlich zurück ins Mittelalter. Man wird Zeuge wie der Dom gebaut wird. In einer anderen Szene wird der Betrachter in den Zweiten Weltkrieg hinein versetzt. Man sieht das erhabene Bauwerk wie es inmitten einer Trümmerlandschaft steht. Denn der Dom war seinerzeit fast das einzige Bauwerk Kölns, das die Alliierten bei ihren unbarmherzigen Bombardements verschont hatten.

WDR-Intendant Tom Buhrow: "Eine ganz neue Art des Erlebens"

Atemberaubende Effekte durch Spezialkameras, die an Seilen befestigt, durch den Dom rauschen...

„Das alles ist eine ganz neue Art des Erlebens“, sagt WDR-Intendant Tom Buhrow. Auch Dompropst Gerd Bachner zeigte sich nach dem ersten Ausprobieren der neuen Technik begeistert. „Man ist richtig in der Zeit drin, das hat man nicht, wenn man sich nur Bilder davon anschaut.“ Von dem neuen Angebot erhofft sich die Kirche und das Erzbistum, so berichtete jüngst die Katholische Nachrichtenagentur KNA, die Kathedrale auch jüngeren Menschen zu erschließen. „Ich möchte ihnen die Türen des Doms öffnen und sie für ihn begeistern“, sagt Bachner. So wie das Gotteshaus eigentlich nie fertig gestellt ist, weil es immer etwas nachzuarbeiten oder zu restaurieren gibt, so lasse sich der Dom jeden Tag und jede Nacht irgendwie erschließen. Dem Internet und dem WDR sei Dank gibt es den Dom nur auch von einer ganze anderen, zum Teil bisher geheimen Seite zu entdecken.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser