In Sachen Umwelt meinen es Frauen aus Bremen-Hastedt ernst – auch am Weltgebetstag

Weniger Plastik, mehr Stoff

Solidarisch sein und Verantwortung übernehmen, weltweit und vor der eigenen Haustür – darum geht es am ökumenisch gestalteten Weltgebetstag. Frauen aus Bremen zeigen, wie sie das umsetzen.

 

Stoffbeutel oder Plastiktüte? Zum Schutz der Umwelt ist Stoff die bessere Wahl. Foto: Anja Sabel

Ein Stück Regenwald in Guyana kaufen: Auf so eine Idee muss man erst mal kommen. „Wir wollten deutlich machen, dass wir es wirklich ernst meinen in Sachen Umweltschutz“, sagt Gabriele Bredow. Sie erinnert sich noch lebhaft daran, dass diese Aktion katholischer Frauen vor einigen Jahren über Bremen hinaus für Gesprächsstoff sorgte. Das Echtheitszertifikat, das es für zehn Quadratmeter Grund und Boden gab, war ein symbolischer Anteilschein an Naturschutzprojekten. Jeder Euro wurde in den Regenwaldschutz investiert.

Auch in diesem Jahr soll der Weltgebetstag (WGT) in Hastedt, der dort ebenso ökumenisch gefeiert wird wie in anderen Stadtteilen, eine besondere Note bekommen: Frauen werden darüber nachdenken, wie sich Plastikmüll in Form von Einkaufstaschen und Mikroplastik in Kosmetikprodukten vermeiden lässt. „Wenn wir schon mal einen Gottesdienst gestalten, lassen wir das Thema Umwelt und Schöpfung nicht unbeachtet“, sagt Bredow, die gleich mehrere Ämter bekleidet: Sie ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft katholischer Frauen, Delegierte im Bremer Frauenausschuss, und sie mischt mit in Vorbereitungsgruppen des Weltgebetstages.

Mit Umweltexpertin über Platikmüll diskutieren

Das Verbot von Plastikeinkaufstaschen und Plastikkügelchen in Kosmetikprodukten forderte Bredow im Namen der katholischen Frauen bereits in einem Antrag, den sie im vergangenen Jahr in den Frauenausschuss einbrachte. Der Plastikverbrauch, erklärt sie, müsse weniger werden, denn die Langlebigkeit von Kunststoffen werde immer mehr zu einem Umweltproblem. „Überall findet man Reste von Plastik, teils zersetzt in Mikroplastik, was dann von Vögeln und Fischen gefressen wird und irgendwann in unseren Nahrungsmitteln landet.“ Gabriele Bredow freut sich, dass Umweltexpertin Mareile Timm vom BUND Bremen zu einem Vorbereitungstreffen kommt und umweltfreundliche Stofftaschen mitbringt, die im Weltgebetstagsgottesdienst verteilt werden.
 

Titelbild des Weltgebetstages 2016

Natürlich beschäftigen sich auch die Bremer Weltgebetstagsfrauen mit dem Beispielland Kuba und dem Themenschwerpunkt „Zusammenleben der Generationen“. Kuba – ein kommunistisches Land im Umbruch, ein Land, das ergraut. Denn der demografische Wandel stellt die Gesellschaft vor gewaltige Probleme. Die Alten bleiben, viele Junge wandern aus, es werden weniger Kinder geboren. In wenigen Jahren wird es mehr Rentner als Kinder auf der Insel geben. Folgen: Die sozialen Netzwerke werden brüchig, und auch die gegenseitige Hilfe in Großfamilien bröckelt. Auch in Deutschland, sagt Gabriele Bredow, gehöre der demografische Wandel zu den wichtigen Zukunftsfragen. „Insofern berührt uns das Thema.“

Hausarbeit, Krankenpflege, Enkelkinder hüten und stundenlang für Lebensmittel Schlange stehen: Auf Kuba gehört all das zu den Pflichten älterer und alter Frauen. Dass diese sogenannte Sorgearbeit keine rein weibliche, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist – diese Einsicht beginnt sich erst langsam durchzusetzen. Und auch Christen, deren Engagement sich weitgehend auf die innerkirchliche Pastoral- und Sozialarbeit beschränkte, bekommen „Aufwind“: Sie nutzen nach jahrzehntelanger „Eiszeit“ zwischen Staat und Kirche neue gesellschaftliche Spielräume.

Anja Sabel

Der WGT-Gottesdienst in Hastedt findet am Freitag, 4. März, um 18.30 Uhr in der St.-Elisabeth-Kirche, Suhrfeldstraße, statt.