Woher stammt der Begriff "Gründonnerstag"?

Woher rührt denn der Begriff "Gründonnerstag"? F.R.

Der Name „Gründonnerstag“ leitet sich den meisten Erklärungen nach vom mittelhochdeutschen Wort „grînen / greinen“ ab, was so etwas wie „klagen und weinen“ bedeutet. Auch das renommierte Lexikon für Theologie und Kirche bezieht sich darauf. Ebenso leitet dieses Lexikon den Begriff der „Kar“-Woche vom althochdeutschen „kara“ für „Klage“ ab.

Es mag verwundern, dass die beiden Begriffe aus unterschiedlichen Zeiten, dem Alt- und dem Mittelhochdeutschen, hergeleitet werden sollen. Auch ist es fraglich, ob der Gründonnerstag als Tag des Abendmahles („caena domini“) tatsächlich ein „Klagetag“ sein soll. Vielmehr ist er ja ein Festtag und in der kirchlichen Tradition auch ein Tag, an dem den Büßern die Schuld vergeben wurde. Deshalb haben sich heute auch andere Erklärungen für die Begriffsherleitung eingebürgert.

Manche vermuten, dass mit dem „grün“ tatsächlich die Anspielung auf die Farbe gemeint ist – und der „dies viridium“ (wörtlich „Tag der Grünen“) sich auf das frische, grüne Holz bezieht, mit dem an den Neuanfang der Sünder erinnert wird, die nach der Sündenvergebung wie frisches, grünes Holz in der Kirche wachsen sollen. Andere setzen die grüne Farbe mit einer möglichen liturgischen Farbe (heute weiß, früher aber gelegentlich auch grün) an diesem Tag in Zusammenhang.

Und wieder andere sehen in der grünen Farbe den Hinweis auf die Zeit der Aussaat und der beginnenden Fruchtbarkeit, die im Frühjahr beginnt und so auch theologisch auf den Sieg des österlichen Lebens gedeutet werden kann. In den romanischen Sprachen ist der Gründonnerstag dagegen eher der „Heilige Donnerstag“ (z.B. jeudi saint im Französischen), weil er in der „Heiligen Woche“, der Karwoche, liegt. 
Michael Kinnen