Missionar Pater Franklin über Projekte der Indien-Hilfe

Zu Besuch bei Freunden

Pater Franklin besucht wieder Deutschland. Der indische Missionar berichtet darüber, wie seine „Inseln der Hoffnung“ für tausende Kinder dank deutscher Hilfe weiter bestehen können.

 

Pater Franklin präsentiert das Buch von Simone Fischer
über die Indien-Projekte. Fotos: Stefan Buchholz

Als er 1940 in Goa geboren wurde, gehörte die Stadt noch zu Portugal. Pater Franklins Nachname Rodrigues erinnert an die koloniale Vergangenheit Indiens. Goa war bis 1961 noch Hauptstadt von Portugiesisch-Indien. „Allerdings ist meine Familie erst seit fünf Generationen katholisch. Davor waren wir vielleicht Hindus, wer weiß“, sagt Pater Franklin. Und lacht.

Schmunzeln muss er auch, als er erzählt, warum er ein Kirchenmann geworden ist. „Das liegt an meiner Großmutter. Sie hat immer gesagt: ‚Du wirst Priester werden.’“ Das habe er wohl schon früh verinnerlicht, mutmaßt Pater Franklin. „Wenn wir auf der Straße Gottesdienst gespielt haben, sagten die Kinder immer: „Du bist der Priester.“

Und das wurde er dann auch. Er trat dem Orden der „Missionare vom heiligen Franz Xaver“ bei, studierte Theologie und wurde mit 27 Jahren zum Priester geweiht. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits entschlossen, Missionar zu werden.

Seine erste Station war ein Ort, der 200 Kilometer nördlich von Mumbai liegt. Was Pater Franklin dort antraf, war nur eins: bittere Armut. „Es gab kaum Lebensmittel, keine Schulen und nicht die geringste staatliche Unterstützung“, erinnert er sich. Er habe zu Gott gebetet, er möge ihn in seiner Arbeit unterstützen.

Wenig später bekam Pater Franklin Kontakt zu den „Catholic Relief Services“, der internationalen Hilfsorganisation der US-Bischofskonferenz. Man schickte Öl, Weizen und Mehl in die Missionsstation, um den Hunger zu bekämpfen. Nach und nach gelang der Bau eines Waisenhauses, später errichtete man eine Schule. Die finanziellen Mittel und die Kleidung dafür kamen von Personen aus Deutschland.

Die stetige finanzielle Unterstützung aus Deutschland machte guten Unterricht für die Kinder und Jugendlichen möglich. Viele konnten studieren, wurden Ärzte, Lehrer, Ingenieure. „Selbst einen Politiker aus unseren Reihen haben wir mittlerweile im Parlament sitzen“, berichtet Pater Franklin. Sie geben bis heute zurück, was sie bekommen haben: Zehn Prozent ihrer Einkommen überweisen sie an die jeweiligen Missionsstationen.

Es blieb nicht beim Aufbau eines Waisenhauses und einer Schule

Nach 19 Jahren im Westen des Landes schickte ihn sein Orden in die Region von Bhopal. Das war kurz nach der schrecklichen Chemiekatastrophe in dem Ort. Pater Franklin traf dort auf ähnlich bedrückende Realitäten wie in Nagar Havali. „Teilweise gab es noch Leibeigenschaft.“ Zur Verbesserung der Lebensbedingungen kopierte der Pater das Hilfssystem der ersten Missionsstation.

Dank der Unterstützung aus Deutschland blieb es nicht nur beim Aufbau von einem Waisenhaus und einer Schule. An drei Standorten rund um Bhopal konnte Pater Franklin mittlerweile sein Programm zur Überwindung von Armut etablieren. Und es sogar auf die Betreuung von Leprakranken ausdehnen.

Die gewachsene finanzielle Unterstützung aus Deutschland ermöglicht vielen Jugendlichen jetzt eine berufliche Ausbildung.  Wer von den Jungen und Mädchen nicht studieren kann, wird nach deutschen Standards zum Automechatroniker, Elektroniker und Schweißer sowie zur Näherin und Krankenschwester ausgebildet. Jeder finde danach auch eine Anstellung, sagt Pater Franklin.

In Osnabrück berichtete er im Forum am Dom über seine Projekte, spielte Lieder auf der Gitarre und verbreitete Lebensfreude. Wie lange will er noch als Missionar wirken? „So lange Gott das noch möchte. Ich bin nämlich nur ein Werkzeug seiner Hand.“

Stefan Buchholz

Mehr zu den Projekten in Indien und zu Möglichkeiten der Unterstützung der Arbeit von Pater Franklin findet man unter www.indienhilfe-deutschland.de

 

 

Zur Sache

Über die Missionsstationen von Pater Franklin und was sie bei ihrem Besuch dort erlebte hat die Journalistin Simone Fischer gerade ein Buch herausgebracht. Sie engagiert sich für die „Indienhilfe Deutschland e.V.“, die Pater Franklins Arbeit maßgeblich unterstützt. Auf den 200 Seiten ihrer Reisereportage erzählt sie von den Träumen der jungen Menschen, von geheilten Leprakranken und indischer Realität. Trotz der bedrückenden Armut, die sie kennenlernt, verliert Fischer nicht den Humor und schildert auch die heiteren Seiten ihrer Binnensicht auf die Projekte Pater Franklins. Über ihn selbst will sie demnächst eine Biografie schreiben.

Simone Fischer, Tage in Indien, Isensee-Verlag, 14,90 Euro(ISBN: 978-3-7308-1239-6)