06.04.2018

Geschichte der Fronleichnamsprozession in Kloster Oesede

Mitgehen war selbstverständlich

Anlieger und Nachbarn kümmern sich an den Stationen um den Aufbau der Altäre. Über Fronleichnamsprozessionen in Kloster Oesede spricht Friedel Nolte in der Klosterpforte des Heimatvereins.

Fronleichnamsprozessionen sind auch ein Stück Heimatbrauchtum, finden Friedel und Elisabeth Nolte (links) sowie Gertrud Sielschott und Günter Rolwes, hier mit dem Altar der dritten Station vom Laubbrink. | Foto: Andrea Kolhoff

Frühmorgens ging es los, erst zur Messe und dann zu Fuß mit der Prozession, eine ziemlich lange Strecke, besonders anstrengend für die Kinder. Wie weit genau, das kann Elisabeth Nolte nicht sagen, aber als Schülerin kam ihr das ziemlich weit vor. Damals war Fronleichnam auch in Niedersachsen noch ein Feiertag. Und die Schar der Erstkommunionkinder, die im weißen Kleid und mit dunklem Anzug dabei waren, war weitaus größer als heute.

Daran können sich auch noch Günter Rolwes, Vorsitzender des Heimatvereins, und Gertrud Sielschott erinnern: Die Beteiligung an Fronleichnamsprozessionen war gut. Rolwes hat das als Kind im Emsland erlebt, Gertrud Sielschott nahm als Gemeindemitglied in St. Peter und Paul Oesede teil und erzählt ebenfalls von einem recht langen Weg. Die Gemeinde aus St. Peter und Paul holte nach dem Bau der Kirche Heilig Geist die dortigen Gläubigen zum Weiterpilgern ab.

Welchen Weg die Fronleichnamsprozession in Kloster Osede im Laufe der Jahre genommen hat, hat Friedel Nolte jetzt für einen Vortrag zusammengetragen, den er während einer Veranstaltung des Heimatvereins in der Klosterpforte halten wird. Er stellt den Verlauf der Fronleichnamsprozessionen in Kloster Oesede von 1950 bis 2015 dar. Die Zuhörer werden viele Fotos und einige Filmausschnitte zu sehen bekommen. Mancher wird sich darauf wiedererkennen.

Nolte stellt die Zeit ab 1950 vor, als die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges noch zu spüren waren. Direkt nach dem Krieg waren in der Kirche St. Johann noch die großen Schäden zu sehen, die durch den Bombentreffer 1944 entstanden waren. 1946 trafen die Vertriebenen aus Niederschwedeldorf in Kloster Oesede ein.

Kinder kletterten oft in die Hohlkonstruktion des Altars

Die Fronleichnamsprozession begann an der Kirche und nahm ihren Weg zum Friedhof, führte über den Laubbrink und endete am Edith-Stein-Haus. Nachdem die Waldbühne errichtet worden war, gab es aber keine Station auf dem Friedhof mehr. Stattdessen wurde der Altar für die zweite Station auf der Waldbühne errichtet. Die Ehrenamtlichen, die sich um diesen Altar kümmerten, versuchten, ihn an das Bühnenbild des jeweiligen Stückes der Saison anzupassen.

Ein weiterer Altar stand auf der Straße an der Siedlung Laubbrink, ein großes Konstrukt aus Holz, das mit Grün geschmückt wurde. Innen war diese Konstruktion hohl, was die Kinder dazu verleitete, hineinzuklettern und darin zu spielen. Pech nur, wenn man nicht schnell genug herauskam, bevor Priester und Gläubige die Station erreichten. Die vierte und letzte Station befand sich am Edith-Stein-Haus. Nach der Prozession wurde im Klostergarten gegrillt.

Seit 2015 findet die Prozession für die gesamte Pfarreiengemeinschaft Georgsmarienhütte-Ost in Kloster Oesede statt. Dritte Station ist nun nicht mehr der Laubbrink, sondern die evangelische Auferstehungskirche.

Andrea Kolhoff

Vortrag über Fronleichnamprozessionen in Kloster Oesede am Montag, 16. April, nach dem Frühstück, das um 9 Uhr in der Klosterpforte beginnt. Am Mittwoch, 18. April, 19 Uhr,  Vortrag in der Remise (Durchgang durch Klosterpforte).