30.08.2017

Eva-Maria berichtet über ihren Freiwilligendienst in den USA 2017/18

Neues aus Rochester

Rochester, einst aufstrebende Industriestadt im Bundesstaat New York, hat viele soziale Probleme. Dort wird Eva-Maria Enking ihren Freiwilligendienst leisten. Die 22 Jahre alte studierte Sozialarbeiterin aus Emsbüren lebt und arbeitet ein Jahr lang im Bethany House, einer katholischen Einrichtung für obdachlose Frauen, auch mit Kindern. Das Projekt läuft über IN VIA, Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Köln e.V.

Januar
Nächtliche Wohnungslosenzählung und Veränderungen im Bethany House

Eva-Maria Enking mit Bischof Matthew Clark

Im Gegensatz zum terminreichen Dezember schien der Januar um einiges ruhiger zu werden. Dennoch lief im Bethany House Tag für Tag die mir mittlerweile sehr vertraute Routine ab. Einen sehr wichtigen Teil nimmt dabei die wöchentliche „Community-Andacht“ in unserer eigenen kleinen Kapelle ein. Neben den aktuellen Gästen unseres Hauses, sind auch Nachbarn, ehemalige Gäste, ehemalige Arbeitskollegen und Interessierte eingeladen.

Ob man einer Religion oder welcher Religion man angehört, spielt in unseren Andachten keine Rolle. Gestaltet wird die Andacht jede Woche durch einen Priester, Diakon oder Referenten. Eine besondere Ehre war für uns der Besuch von Bischof Matthew Clark, mittlerweile im Ruhestand. Er ist bei allen sehr beliebt und sorgt für ein volles Haus. Nach der Lesung und ein paar kurzen Gedanken  gibt es die Möglichkeit, sich auszutauschen. Geschichten können erzählt und (kritische) Gedanken ausgesprochen und diskutiert werden.

Ein weiter Bestandteil stellt das Beten dar, insbesondere für die auf den Straßen Rochesters umgebrachten Menschen. Den Namen der Betroffenen schreiben wir dazu immer auf unser Jahresbanner, das in der Kapelle hängt. Auf diese Weise geraten die Verstorbenen nicht so schnell in Vergessenheit und werden immer wieder ins Gebet eingeschlossen. Auch persönliche Anliegen und Probleme können ins Gebet aufgenommen werden. Nach der Andacht sind dann alle zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Dies wird jede Woche von einer anderen Kirche oder Freiwilligen vorbereitet und serviert.

Dieses Banner erinnert an all die Menschen, die auf
den Straßen Rochesters ermordet wurden.
Das Küchenteam nach der Andacht

 

Ein besonderes Ereignis im Januar war auf jeden Fall die jährliche, nächtliche Wohnungslosenzählung. Daran beteiligen sich mehrere hundert Freiwillige, die sich auch beruflich mit wohnungslosen Menschen beschäftigen. Aufgeteilt wurden wir in unterschiedliche Schichten, wobei ich, gemeinsam mit meiner Kollegin, in die Schicht von zwei bis acht Uhr morgens eingeteilt wurde. Nach einer etwa einstündigen Einführung in den Fragebogen, einigen Hinweisen zum Ablauf und Selbstschutz während des Projekts und einem kleinen Austausch mit den anderen Freiwilligen, wurden wir in Gruppen von je drei Freiwilligen aufgeteilt und dann in verschiedene Stadtteile geschickt. Mit dabei hatten wir einen vollen Kofferraum mit Snacks, Hygieneartikel und Informationen über verschiedene Hilfsorganisationen in Rochester.

An die Wohnungslosen wurde Beutel mit Snacks, Hygieneartikeln und Informationen verteilt.

Ebenso verteilten wir Gutscheine für verschiedene Fast-Food-Ketten der Stadt. Einige Gruppen wurden von einem Fernsehteam begleitet. Etwas aufgeregt und motiviert haben wir uns also auf den Weg in unser Stadtgebiet gemacht, um uns nach Wohnungslosen umzuschauen. Wir haben verschiedene Parkplätze angefahren, haben den Stadtpark durchsucht und uns auf verlassenen Grundstücken umgeschaut. Besonders achteten wir auf Konserven oder alte Autos, die verlassen in einer Ecke standen. Wir schienen keinen Erfolg zu haben, bis wir auf ein Auto aufmerksam wurden, das bei unserer ersten Suche noch nicht auf dem Parkplatz gestanden haben konnte. Tatsächlich befand sich in dem alten Auto eine schlafende Person. Da wir sie jedoch nicht wecken wollten, beschrieben wir lediglich den Standort, das Auto und das Aussehen der im Auto liegenden Person. So konnten wir sicherstellen, dass sie in die Zählung mit aufgenommen wird und gegebenenfalls von Leuten der nächsten Schicht nochmals aufgesucht werden kann.

Wir hinterließen eine der in unserem Kofferraum befindlichen Taschen mit Snacks und Hygieneartikel und machten uns dann auf den Rückweg. Insgesamt wurden um 60 bis 70 wohnungslose Menschen gefunden. Da sie sich im Winter eher in Wohnungsloseneinrichtungen begeben oder bei Freunden unterkommen, wird die Wohnungslosenzählung ganz bewusst jedes Jahr im Winter durchgeführt – wie ich dann nach der Zählung erfahren habe. Auch wenn ich damit gerechnet habe, mehr Wohnungslose zu finden und interviewen zu können, war es doch eine spannende Erfahrung.

Ganz liebe Grüße aus Rochester, Eva

 

Dezember
Unsere Weihnachtsfeier und die L'Arche-Community

Weihnachtsabend mit vielen Geschenken
Weihnachtsparty

 

Und schon sind wir im neuen Jahr. Wie eigentlich jedes Jahr, ist der Dezember aufgrund seiner Festtagsvorbereitungen verflogen, und jetzt sind wir schon in 2018 angekommen. Die wohl größte Herausforderung des Monats war die Organisation der großen Weihnachtsfeier. Auch wenn diese schon seit Jahren veranstaltet wird und der genaue Ablauf der Feier durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre bereits feststand, setzt sie dennoch viel Vorbereitung und Arbeit voraus. Insgesamt haben sich 54 Frauen mit ihren Kindern angemeldet. Voraussetzung war, dass sie seit der Eröffnung 1977 mindestens einmal Gast unseres Hauses gewesen sein mussten. Die Feier bietet den Frauen die Möglichkeit, sich wiederzutreffen, auszutauschen und gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Auch Weihnachtsfotos konnten geschossen werden. Selbstverständlich kam, nach dem Vorlesen der Weihnachtsgeschichte für die Kinder, auch der Weihnachtsmann mit Geschenken vorbei. Diese sind dank unterschiedlicher Kirchen der Stadt, die einzelne Familien „adoptiert“ haben, auch nicht klein ausgefallen. Für jede Familie gab es einen großen Sack mit Geschenken, zu denen zuvor auch Wünsche geäußert werden durften. Besonders für die Kinder schien dies eine große Freude gewesen zu sein.

Einer der kleinen Gäste im Bethany House

Nach der Weihnachtsfeier hieß es dann vor der Weihnachtsfeier, und wir starteten die Planung des Weihnachtstages. Hier in den USA wird lediglich ein Weihnachtstag gefeiert und der Heiligabend hat auch nur in wenigen Familien eine Bedeutung. In meinem Fall bestand der 24. Dezember aus Vorbereitungen für den nächsten Tag. Aus den übriggebliebenen Geschenken der Weihnachtsfeier, Geschenken des Vorjahres und weiteren Geschenkspenden wurde für jeden unserer Gäste eine große Geschenktüte zusammengestellt.

Die Bescherung gab es dann aber erst, ganz üblich für die US-amerikanische Tradition, am Morgen des Weihnachtstages. Gegen halb acht haben wir unsere Bewohner zur Bescherung und einem gemeinsamen Frühstück, bestehend aus einem Auflauf mit Ei, Brot und Käse, geweckt. Auch die am Abend zuvor rausgestellte Milch für Santa war, zur Freude der Kinder ausgetrunken und mit einer kleinen Dankesnotiz versehen. Nach dem Frühstück ist die eine Hälfte der Frauen zu ihren eigenen Familien gefahren, um mit ihnen den Weihnachtstag zu verbringen. Die andere Hälfte ist im Bethany House geblieben und hat den Nachmittag mit Gesellschaftsspielen und dem Schauen von American Football oder der Weihnachtsparade verbracht. Eine unserer Frauen lud ihre Familie zu uns ins Haus ein. Zusätzlich hatten wir das Glück, dass sich ein bereits mit dem Bethany House vertrautes Ehepaar bereit erklärte, für uns ein festliches Weihnachtsessen zuzubereiten.

Auf den Straßen von Rochester am Weihnachtsabend

Nachdem am Abend schließlich alle Frauen wieder im Bethany House angekommen und die zu Besuch gekommenen Familienmitglieder wieder abgereist waren, kam es unvorhergesehen noch zu einem kleinen Zwischenfall. Gegen 21.30 Uhr meldeten einige Frauen Gasgeruch in ihren Zimmern. Nachdem wir selbst keine Erklärung dafür finden konnten, riefen wir schließlich die Feuerwehr, die uns aufforderte, sofort das Haus zu verlassen. Glücklicherweise stellte sich der Gasgeruch dann jedoch als harmloser, kleiner Defekt unseres Herdes heraus, so dass wir schon nach wenigen Minuten zurück ins Haus gehen konnten. Für große Aufregung hatte diese Aktion dennoch gesorgt.

Ausflug an die Ostküste

Den Abschluss des Jahres 2017 durfte ich dankbar in Haverhill (Massachutes) verbringen. Dort befindet sich eine L’Arche Community, in der zwei deutsche Freiwillige von In-Via Köln ihren Freiwilligendienst absolvieren. Die Arche besteht aus mehreren kleinen Häusern, in denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenleben. Weltweit, auch in Deutschland, lässt sich diese Community (entstanden durch Jean Vanier) finden und stellt meiner Meinung nach ein sehr schönes Konzept dar.

Plum Island, Strand
Es ist so kalt, dass sogar die Niagarafälle eingefroren sind.

Gemeinsam mit einer weiteren Freiwilligen habe ich einen Einblick in den Alltag des Hauses bekommen und konnten die Umgebung entlang der unheimlich schönen Ostküste erkunden. Geplant war zum Abschluss meines Besuches und des Jahres die Fahrt nach Boston, um dort gemeinsam Silvester zu verbringen und die Eisskulpturen sowie das Feuerwerk zu betrachten. Das private Zünden von Feuerwerkskörpern ist im gesamten Bundesstaat nämlich nicht erlaubt und darf daher nur von wenigen Städten ausgeführt werden. Aufgrund der sehr kalten Temperaturen von um die -20 Grad Celsius wurden jedoch leider sämtliche Feuerwerke in Boston abgesagt. Glücklicherweise haben wir dies früh genug erfahren und konnten noch eine alternative, private Feier mit selbstgekochtem Essen und Spielen organisieren.

Aktuell sind es hier in Rochester um die -17 Grad (aufgrund des Windes gefühlt -26 Grad) Celsius. Laut meinen Kollegen einer der kältesten Winter der vermutlich letzten 20 Jahre und selbst Teile der Niagarafälle scheinen eingefroren zu sein. Während in Deutschland jedoch schon viel eher die Schule ausfallen würde, scheint die Stadt ziemlich gut auf die Kälte und die Schneemassen vorbereitet zu sein. Ich bin gespannt, ob sich das Wetter wirklich bis Ende Februar so hält.

Bis dahin, Eva

 

November
Mein erstes Thanksgiving

Time Square, New York
Laut, teuer, aber beeindruckend: New York

Mein dritter Monat in den Vereinigten Staaten ist direkt mit einem kleinen, aber aufregenden Ausflug nach New York City gestartet. Über Nacht bin ich am Mittwochabend in den ausgebuchten Bus Richtung NYC gestiegen, um für drei Tage einen ersten Eindruck der Stadt zu bekommen. Fehlen durften dabei natürlich nicht der Time Square, der Central Park oder die Pools als Erinnerung an den 11. September 2001. Zufällig fand zeitgleich auch das „New York Comedy Festival“ statt, so dass auch die Abende mit tollen Erinnerungen gefüllt wurden. Ich hoffe, dass es nicht bei einem Besuch bleibt. Auch wenn die Stadt unheimlich laut und teuer ist, bleibt sie mir dennoch sehr beeindruckend in Erinnerung.

Thanksgiving

Ein weiteres Highlight stellt für mich definitiv mein erstes (und hoffentlich nicht letztes) Thanksgiving dar. Die Amerikaner feiern dies jedes Jahr am vierten Donnerstag im November und erinnern damit an Kolonisten, die ausgehungert nach einer langen Schiffsfahrt in der neuen Welt ankamen und dankbar für ihr Überleben und die Nahrungsmittel vor Ort waren. Selbstverständlich wurde dies auch im Bethany House für alle Gäste und Freunde des Hauses gefeiert. Auch spontan wurden noch Frauen eingeladen, die froh zu sein schienen, allein oder mit ihrer Familie ein Teil der Gemeinschaft sein zu dürfen. Viele hätten den Tag sonst alleine oder ohne traditionelles Essen verbringen müssen.

Für die insgesamt 34 Personen gab es zum Mittag traditionell Truthahn mit Kürbis, Süßkartoffeln, Crannberry-Sauce und Apfelmus. Bevor es jedoch zum Buffet ging, sollte jeder erzählen, wofür er im zurückliegenden Jahr besonders dankbar war. Die Antworten vielen sehr unterschiedlich aus, aber eine ist besonders bei mir hängen geblieben: Es waren die Worte einer unserer aktuellen Gäste. Die Frau erzählte kurz von ihrer Heroin- und Gefängnisvergangenheit und erklärte schließlich, wie dankbar sie für die Unvoreingenommenheit des Bethany House war. Sie erzählte, dass sie mit offenen Armen empfangen wurde und sich nicht für ihre Vergangenheit und die Folgen für die noch andauernde Schwangerschaft verurteilt fühlte. Dies habe auch die Beziehung zu ihrer Mutter deutlich verbessert.

In dieses Haus zogen sich die Mitarbeiter des Bethany House
zur Beratung zurück.

Am darauffolgenden Wochenende fand der „Retreat“ statt, für den sich die festen Mitarbeiter des Bethany House für drei Tage zurückgezogen haben und in einen ruhig gelegenen Ort gefahren sind. Besprochen wurden die Strukturen des Hauses und die Veränderungen, die zum neuen Jahr anfallen werden. Unsere Leiterin Donna, die seit über 30 Jahren das Haus leitet und täglich von unseren Gästen angefragt wird, wird nämlich zum Ende des Jahres in Ruhestand gehen. Während des Wochenendes hatten wir die Möglichkeit, Aufgaben neu zu verteilen und uns erneut mit Strukturen oder dem Umgang schwieriger Situationen zu beschäftigen. Auch wenn Donna es sich mit 73 Jahren definitiv verdient hat, bin ich gespannt wie sich die Dymnaik des Hauses zum neuen Jahr verändern wird.

Bis dahin – liebe Grüße aus den USA, Eva

 

Oktober
Halloween und erste Verabschiedungen

Halloween im Supermarkt

Und wieder ist ein Monat vergangen. Langsam, aber sicher habe ich das Gefühl, in Rochester anzukommen. An den Akzent der Amerikaner gewöhnt man sich, mein Englisch wird fließender, und nach und nach lerne ich das US-amerikanische Sozialsystem kennen – das nebenbei viel komplizierter ist als bei uns in Deutschland. Ebenso kompliziert hat sich die Suche nach Wohnungen für unsere Klientinnen in der Stadt Rochester herausgestellt. Glücklicherweise lässt sich jedoch meistens innerhalb der 45 Tagen ein Apartment oder zumindest eine andere Übernachtungsmöglichkeit finden, so dass die Frauen nicht auf der Straße übernachten müssen.

Dies macht die Verabschiedung der Frauen wesentlich leichter. Nicht so leicht fiel mir das Herauswerfen zweier Gäste, die sich nicht an die vorgegebenen Regeln gehalten haben. Die eine hat für ihren Sohn Babykleidung aus unserem Lager gestohlen, während die andere eines Abends nicht zu Hause erschien und auch telefonisch nicht erreichbar war. Zum Schutz der anderen Bewohner verloren sie damit ihr Zimmer im Bethany House und mussten sich innerhalb des nächsten Tages eine neue Unterkunft suchen. In solchen Situationen wird mir bewusst, wie wichtig eine gewisse „emotionale Distanz“ zu den Klienten ist, auch wenn ich hier gemeinsam mit ihnen wohne und wir viel Zeit miteinander verbringen. Während der angebotenen Supervision mit dem gesamten Team und einem außenstehenden, professionellen Supervisor wird einmal monatlich über schwierige Situationen wie diese, aber auch über Konflikte innerhalb des Teams gesprochen.

„Haunted Hayrid's": Gruseln garantiert

Die Arbeit unseres Hauses stellt für viele Frauen und Familien seit über 40 Jahren eine wichtige Anlaufstelle dar. Von besonderer Bedeutung ist dabei vor allem unsere Leiterin, Donna Ecker, die seit über 30 Jahren viel Herzblut in diese Arbeit steckt. Die Frauen wissen das zu schätzen und fragen deshalb täglich nach ihr – egal ob am Telefon oder persönlich. Für eine Klientin scheint Donnas Arbeit ausgereicht zu haben, um sie bei dem lokalen Nachrichtensender als außerordentliche Person zu nominieren. Auch der Fernsehsender schien sich für das Bethany House zu interessieren, so dass uns vor wenigen Tagen ein Fernsehteam von „Channel 8“ besuchte und Donna, sowie eine Klientin interviewte. Der Beitrag war direkt am nächsten Tag in den Nachrichten zu finden und kann auch jetzt noch auf der Homepage angesehen werden.

Ein Fernsehteam von „Channel 8" interviewt die Leiterin des
Bethany House.

Auch in meiner Freizeit wird es nie langweilig. Selbstverständlich ist im Moment alles auf Halloween ausgelegt. Überall hängt Oktoberfestdeko, es gibt Kürbiskaffee, -kuchen und -brot, Halloween-Partys, und überall werden verschiedene Horror-Attraktionen angeboten. Das größte Event stellen dabei wohl die „Haunted Hayrid‘s“ dar, bei denen man auf einem Traktoranhänger durch ein Maisfeld und entlang verschiedener gruseliger Stationen fährt. Hat mich an typische Nachtwanderungen aus Deutschland erinnert – nur besser! Das war allerdings so beliebt, dass es unheimlich voll war und die meiste Zeit aus Warten bestand!

Dadurch, dass ich in Schichtdiensten arbeite habe ich zum Glück auch die Möglichkeit, während des Tages Ausflüge zu machen. So bin ich ganz spontan für einen Tag in das etwa 90 Minuten entfernte Buffalo und zu den Nigarafällen gefahren. Das hat mir so gut gefallen, dass ich direkt weitere Ausflüge nach New York City und zu den Finger Lakes geplant habe. Ich werde berichten…

 

Ganz schön nass: Ausflug zu den Niagara-Fällen

Lieben Gruß, Eva

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

September
Nach einem chaotischen Flug endlich in Rochester angekommen!

Außenansicht des Bethany House in Rochester

Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht! Ich weiß noch genau, wie ich versucht habe, Klamotten für ein ganzes Jahr in einen einzigen Koffer zu quetschen, mich von Freunden und der Familie verabschiedet habe und schließlich tierisch nervös nach Frankfurt gefahren bin. In Frankfurt habe ich mich dann mit zwei weiteren Freiwilligen von IN VIA Köln getroffen, und wir sind gemeinsam nach Philadelphia geflogen. Soweit so gut, denn nachdem Darian und ich uns dort von Hanna verabschiedet hatten und motiviert in unseren zweiten Flieger nach Rochester gestiegen waren, fingen die Probleme an: Nachdem wir ganze drei Stunden im Flieger gesessen hatten, ohne dass dieser sich auch nur annähernd bewegte, wurde der Flug aufgrund des Wetters gecancelt und wir durften wieder aussteigen. Zusätzlich gingen dann auch noch unsere Koffer verloren, und wir erfuhren, dass der nächste Flug erst am folgenden Tag gegen 12.30 Uhr startet. 

Glücklicherweise hat American Airlines uns jedoch kostenlos ein Hotelzimmer zur Verfügung gestellt, so dass wir halbwegs ausgeschlafen am nächsten Tag erneut zum Flughafen gefahren sind. Der Flug hatte dann zum Glück „nur“ drei Stunden Verspätung, so dass ich schließlich mit einer Verspätung von 22 Stunden in Rochester, New York, angekommen bin. Endlich!

Blick aus einem Fenster im Bethany House

Meinen zwölfmonatigen Freiwilligendienst werde ich im Bethany House, einer katholischen Einrichtung, die dem „Catholic Worker Movement“ angehört, absolvieren. Dort angekommen, wurde ich herzlich von den vier Mitarbeitern des Hauses empfangen und bekam direkt am nächsten Tag eine Einführung in den Arbeitsalltag. Insgesamt können hier bis zu zehn Frauen übernachten. Sie haben die Möglichkeit, für 45 Tage zu wohnen, bekommen Mahlzeiten und können zum Beispiel Unterstützung in der Suche einer eigenen Wohnung, einer Arbeitsstelle oder medizinischer Hilfen bekommen. 

Zusätzlich besteht die Möglichkeit für weitere Frauen, Foodbags, Pampers oder Babynahrung zu erhalten. All das sind Spenden, die das Haus fast täglich auf unterschiedlichen Wegen erhält. Den größten Anteil hat daran eine Supermarkt-Kette ein, die ihre nicht verkauften Produkte spendet. Es ist der Wahnsinn, was für Massen an Nahrungsmitteln hier täglich rein- und rausgetragen werden, und es ist jedes Mal schön zu sehen, wie dankbar die Frauen für unsere Hilfe sind und uns teilweise weinend vor Freude in die Arme fallen. Auch unsere Gäste, die hier wohnen, beschreiben es immer wieder als gesegnetes Haus und die Gemeinschaft als eine Familie. 

Das Team des Bethany House spiegelt sich in der Scheibe.

Das Bethany House steht als soziale Einrichtung für Wohnungslose jedoch nicht alleine in Rochester da. Auf dem „Homeless Connect“, einer Messe für wohnungslose Menschen, haben sich die verschiedenen Einrichtungen der drittgrößten Stadt New Yorks vorgestellt. Auch das Bethany House war vertreten. Ich war wirklich beeindruckt, dass mehr als 50 Einrichtungen ihr Angebot vorgestellt haben. Auch wenn dies meiner Meinung nach auch notwendig ist, da etwa 33,8 Prozent der Einwohner Rochesters in Armut leben. Es freut mich zu sehen, wie auch viele Freiwillige sich in diesem Bereich engagieren und immer wieder Fortbildungen angeboten werden. Erst gestern war ich als Mitarbeiterin des Bethany House auf ein Symposium zum Thema Wohnungslosigkeit eingeladen, auf dem einige wirklich interessante Diskussionen zum Umgang mit den Bedürftigen entstanden. Weil es zusätzlich im College stattfand, habe ich mich etwas in mein Studium zurückversetzt gefühlt.

Vor den High Falls

Bisher fühle ich mich hier in Rochester superwohl. Ich bin herzlich aufgenommen worden, alle helfen mir, mich hier langsam einzufinden, und die ersten Bekanntschaften habe ich auch schon geknüpft. Die Menschen scheinen hier so offen und herzlich zu sein, dass es nicht schwerfällt, in Kontakt zu kommen. So bin ich auf dem Fringe Festival (irgendwie scheint hier jedes Wochenende ein anderes Festival stattzufinden) nach nur wenigen Minuten ins Gespräch mit einer Gleichaltrigen gekommen und habe schließlich den gesamten Abend mit ihr und ihren Freunden verbracht. Gemeinsam haben wir ein paar lustige Stunden verbracht und gleich Pläne für die kommenden Feiertage wie Halloween oder Thanksgiving geschmiedet. Auch an der Bushaltestelle oder am Strand wird man immer wieder ins Gespräch verwickelt – ganz anders als ich es aus Deutschland gewöhnt bin.

So langsam aber sicher habe ich das Gefühl, dass ich mich hier richtig einlebe und freue mich riesig auf die kommenden Monate. Ich habe noch so viele Ideen und Pläne. Langweilig wird es bestimmt so schnell nicht! 

 

Am Ufer des Ontario-Sees

Ganz liebe Grüße aus dem noch warmen New York,
Eva