Kommentar

Einträge: 33
Seiten:    1-20  21-33   »


03.09.2010

Heilloses Gebräu

Der Aufruhr um Thilo Sarrazins Buch, seine mit viel PR umhergeschleuderten Thesen, können ratlos machen. Auf der einen Seite gibt es eine parteiübergreifende Fraktion der Entrüsteten, der sich Personen im öffentlichen Raum kaum entziehen können. Auf der anderen Seite halböffentliche Internetforen-und-Blogger-Stammtische, Pausengespräche und Leserbriefe, die Sarrazin mehrheitlich Beifall zollen. Auf welche Seite schlägt man sich?

27.08.2010

Staatsreligion Atheismus

Es ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit: In der SPD wollen sich Parteimitglieder zu einem Arbeitskreis der Laizisten zusammenschließen. Ihr Ziel ist, die Religion aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Religion ja, aber bitteschön nur als reine Privatsache. In den Positionen der Initiatoren des Arbeitskreises finden sich viele altbekannte Forderungen: Weg mit der Kirchensteuer, keine Kreuze in Klassenzimmern oder Gerichtssälen, keine Militärseelsorge, kein konfessioneller Religionsunterricht.

20.08.2010

Segen oder Ausbeutung?

Ist es Ausbeutung, wenn eine Frau für knapp 1000 Euro netto 24 Stunden am Tag für einen anderen Menschen verfügbar ist? Auch wenn die Frau dadurch dreimal so viel Geld verdient, wie es in ihrer Heimat möglich wäre? Oder ist es ein Segen, weil mit der osteuropäischen Haushalts- und Pflegehilfe endlich jemand im Hause ist, der einem pflegebedürftigen Menschen beim Gang auf die Toilette, beim Waschen und Anziehen hilft und so dafür sorgt, dass dieser Mensch möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben kann? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

13.08.2010

Sollen Milliardäre spenden?

Pro: Superreiche spenden große Teile ihres Vermögens für wohltätige Zwecke. Und wir Deutschen fangen sofort wieder an, das Haar in der Suppe zu suchen. Natürlich müssen Bill Gates und Warren Buffet jetzt nicht in eine Ein-Zimmer-Wohnung mit WC im Hausflur einziehen. Arm sind sie auch nach der Milliardengabe nicht. Dennoch: Sie geben aus freien Stücken große Summen. Ein Vorbild, das auch bei uns Schule machen sollte.

06.08.2010

Gesundes Misstrauen

Mit seiner Ballade „Was in der Zeitung steht“ hat der Liedermacher Reinhard Mey einst für kritischen Medienkonsum plädiert. Ihm ging es um das gedruckte Wort. Auf das Internet lässt sich die Warnung mühelos übertragen: Glaube nicht alles, was dort steht! Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel Wittenberg. Ein gesundes Misstrauen im Netz ist unabdingbar.

30.07.2010

Utopia und Frieden

Es ist nur ein kleiner Schritt im weltweiten Bemühen um Abrüstung, aber dennoch eine wichtige Zäsur. Am 1. August dieses Jahres tritt die UN-Konvention gegen Streumunition in Kraft. Geächtet werden jene Waffen, die noch töten, selbst wenn schon Frieden herrscht. Als Blindgänger stellen sie eine latente Gefahr für Leib und Leben dar.

23.07.2010

Glaubwürdig bleiben

Mit dem Rücktritt von Bischöfin Maria Jepsen, der weltweit ersten lutherischen Bischöfin, verliert die evangelische Kirche nach Margot Käßmann eine weitere Leitfigur. Beide standen für eine kommunikative, medienbewusste Kirche. Und sie standen für das Ende der Männerdominanz. Ihr Rücktritt im Abstand von sechs Monaten reißt ein Loch. Und viele fragen sich: Mussten sie gehen?

16.07.2010

Dämme errichten

Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt menschliches Leben. Von Anfang an ist es schützenswert, von Anfang an kommt ihm Menschenwürde zu. Die katholische Kirche und viele Christen anderer Konfessionen sagen: Der Lebensschutz des Embryos ist nahezu absolut. Das ist eine klare Haltung, auch gut begründbar. Nur ihre Konsequenzen sind oft schwer vermittelbar.

09.07.2010

Union macht Druck

Vordergründig könnte man unken, es sei ein Papiertiger – diese Aufforderung des Bundestages an die Regierung, sich entschlossener für die Religionsfreiheit einzusetzen. Doch wenn man sich anschaut, mit wie viel Engagement sich Unionsfraktionschef Volker Kauder seit Monaten für verfolgte Christen starkmacht, ist klar: Das ist mehr als ein Lippenbekenntnis.

02.07.2010

Zerstörerische Razzia

Als in Belgien Bischof Roger Vangheluwe von Brügge Ende April den sexuellen Missbrauch eines Jungen eingestand und zurücktreten musste, hatte der belgische Primas, Erzbischof André-Joseph Léonard von Mechelen-Brüssel, gemutmaßt, dass Belgiens Kirche „am Anfang eines langen Kreuzweges“ stehe.

25.06.2010

Runter auf Augenhöhe

Er ist wieder so ein Glas, das – je nach Standpunkt und Lebenseinstellung – halbvoll oder halbleer ist. Der Trendmonitor „Religiöse Kommunikation“, vergangene Woche vorgestellt, fasst die Trends zusammen, ob und wie Deutschlands Katholiken sich über religiöse Themen informieren und austauschen.

18.06.2010

Mehr Verstand, bitte!

Polemische Kritik an der Bundesregierung können Opposition und Medien derzeit einstellen: Das erledigen die Regierungsparteien gleich selbst. Nennen sich gegenseitig „Gurkentruppe“ oder „Wildsau“. Das lässt tief blicken in den Zustand einer Koalition, die noch immer die Richtung und das eigene Profil sucht.

11.06.2010

Gewalt durch Religion?

Wenn das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) um Professor Christian Pfeiffer Studien vorlegt, sind kontroverse Debatten programmiert – nicht nur an Stammtischen und Gartenzäunen. Der jüngste Bericht über Jugendliche in Deutschland sowie deren Gewalterfahrungen und Integration liefert auf über 300 Seiten einige diskussionswürdige Thesen.

28.05.2010

Bildung hilft Rentnern

Älteren sei es „in zunehmendem Maße gleichgültig“, wie es jungen Familien, Heranwachsenden und Studierenden gehe, schlussfolgert der Politologe Harald Wilkoszewski aus seiner Studie. Es ist ein hartes Urteil, das er fällt. Immerhin stellt er damit die Solidarität der Generationen infrage: Der bisher als verlässlich geltende Zusammenhalt in der Gesellschaft bröckelt.

12.05.2010

Es ist Zeit zur Umkehr

Just vor dem ökumenischen Kirchentag in München hat sich eine katholische Organisation zu Wort gemeldet, die ansonsten wenig Schlagzeilen macht: der deutsche Missionsrat. Er zeichnet verantwortlich für einen „Aufruf für eine prophetische Kirche“ und fordert mit dem Evangelisten Markus: „Kehrt um!“

09.05.2010

Du bist Deutschland

Pünktlich zum 1. Mai haben Gewerkschafter und Kirchenvertreter mehr Solidarität in unserer Gesellschaft gefordert. Same procedure as every year, könnte man meinen. Doch auch wenn das Ritual mit roten Gewerkschaftsfahnen, Würstchen und Bierglas vor der Bühne im Stadtpark vielleicht nicht mehr ganz in unsere Zeit der zerfließenden Millieus passt, die Forderung ist brandaktuell.

05.05.2010

Das Kreuz als Zeichen für Toleranz und Menschenliebe

Das Kreuz als Zeichen für Toleranz und Menschenliebe

In der vergangenen Woche sorgte die Forderung der niedersächsischen Landessozialministerin Aygül Özkan (CDU) für Aufruhr: Sie hatte sich für ein Kruzifixverbot an Schulen ausgesprochen. Prälat Prof. Dr. Felix Bernard, Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, reagierte prompt und versicherte: „In Niedersachse wird kein Kreuz abgehängt!" Warum, das verriet er dem Kirchenboten in einem Kommentar zum Thema.

30.04.2010

Die Verunsicherung ist groß

Man kann es nicht schönreden: Die Kirche in unserem Land steckt in einer tiefen Krise. Die steigende Zahl von Kirchenaustritten zeigt es. Für viele Menschen ist der Missbrauchsskandal Anlass, um sich endgültig von ihrer Kirche zu trennen. Es sind aber nicht die treuen Gemeindemitglieder, die jetzt ihrer Kirche den Rücken kehren.

24.04.2010

Vertrauenskrise

Von einer „verdammten Vertrauenskrise“ der katholischen Kirche sprach unlängst ein profilierter Priester. Die meisten Katholiken würden ihm da sofort zustimmen. Andere ziehen Parallelen zum 16. Jahrhundert, als die katholische Kirche durch die Reformation erschüttert wurde. Reue, Buße und Besserung, die Benedikt XVI. kürzlich von der Kirche verlangte, sind auf jeden Fall angemessen.

16.04.2010

Nachhilfe in Ethik

„Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!“ So lautet die Antwort des Täufers Johannes auf die Frage der Soldaten: „Was sollen wir tun?“ Zum ersten Mal im Neuen Testament kommt hier (Lukas 3,14) das Thema „Ethik in den Streitkräften“ vor. Die Soldaten, die heute in Afghanistan stationiert sind, werden mit der Auskunft des Johannes wenig anfangen können.