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Fantastische Stimmung

Die Telgter Wallfahrt wird vor allem bei jungen Leuten immer beliebter

Von Markus Wellmann


Am vergangenen Wochenende fand zum 156. Mal die Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte statt. Bei bestem Pilgerwetter zogen am Samstag rund 9500 Menschen in Telgte ein.
Das Leitwort des 97. Deutschen Katholikentags gewinnt bei der diesjährigen Osnabrücker-Telgter Wallfahrt noch einmal an Bedeutung. „Du führst uns hinaus ins Weite“ lautet das Motto der Wallfahrt – ein Sinnbild für den Pilgerzug, der zu den größten in Deutschland gehört.
„Die Stimmung ist wirklich fantastisch. Gerade bei jungen Pilgern wird die Wallfahrt immer beliebter, über die Hälfte der Pilger ist jünger als 30 Jahre“, freut sich Wallfahrtsleiter Karlheinz Schomaker. Rund 800 Pilger machen sich in der Nacht von Freitag auf Samstag um 3 Uhr vom Osnabrücker Johannisfriedhof auf den rund 43 Kilometer langen Weg nach Telgte. Nach einer kleinen Rast an der Iburger Klause kommen die Wallfahrer um 8 Uhr in Glandorf an.

Viele Jahre den Pilgerzug nur beobachtet

Mit dabei ist auch eine Gruppe aus Ostbevern. Die 20 Wallfahrer sind mit dem Bus nach Osnabrück gereist, um den Weg gen Heimat im Pilgerzug zu gehen. „Viele Jahre lang haben wir zugeschaut, wie die Wallfahrer durch unseren Ort Ostbevern gegangen sind. Seit dem vergangenen Jahr laufen wir nun selber mit“, sagt Hubert Wördemann. Im Altenpflegeheim „Haus Glandorf“ sind die Ostbeverner eingekehrt, um gemeinsam zu frühstücken.

„Die Füße laufen den Weg schon alleine“

„Das Treffen zum Austausch untereinander ist das Schönste“, erklärt Wördemann, der in diesem Jahr im Vorfeld der Wallfahrt zu einem Informationstreffen eingeladen hatte, um Neueinsteiger anzuwerben. Im Fall von Monika Winter ist das gelungen. „Ich hatte schon immer vor, mal dabei zu sein. In einer solchen Gruppe fällt es leichter“, sagt die 51-Jährige. Das weiß auch ihr Pilgerkollege Manfred Stiller: „Ich bin zum zweiten Mal dabei. Und mittlerweile laufen die Füße den Weg schon von alleine“, sagt er. Nachdem die Wallfahrer ihr Frühstück beendet haben, führt sie der Weg über Oedingberge zum Ort der Mittagsrast – nach Ostbevern. Die Pause nutzen viele für einen Mittagsschlaf, denn eine kurze Nacht macht sich trotz großer Euphorie angesichts des nahen Ziels bemerkbar. „Man wird von der Gemeinschaft regelrecht getragen und wächst über seine Leistungsbereitschaft hinaus“, sagt Organisator Karlheinz Schomaker. Unterwegs sorgen Lieder und Gebete dafür, dass der Fußweg zu einem Glaubenserlebnis wird und die vielen Kilometer in den Hintergrund treten. So macht sich die Pilgerschar um 14.15 Uhr auf die letzte Etappe nach Telgte.
Kurz vor dem Ziel sind, wie in jedem Jahr, die Straßen geschmückt. Am Straßenrand stehen unzählige Menschen. Teils sind sie nur neugierig, teils sind sie gespannt darauf, Freunde und Bekannte wiederzutreffen. Der 71-jährige Helmut Apelbaum aus Osnabrück kennt dieses Bild seit langem. Er ist in diesem Jahr zum 60. Mal bei der Telgter Wallfahrt. „Während des Zweiten Weltkriegs war es schwierig, die Wallfahrt am Leben zu erhalten, aber ausgestorben ist sie nie“, sagt der Sutthauser, der den Begleitwagen Nummer zwölf fährt.  „Die Plane und das Eisengerüst des Wagens sind noch aus dem Jahr 1959“, sagt Apelbaum. Mittlerweile sind alle seine Kinder und Enkelkinder auf dem Weg von Osnabrück nach Telgte dabei. „Nach all den Jahren muss ich sagen, dass ich noch nie umsonst in Telgte war. Die Wallfahrt ist für mich eine Kombination aus Glaube, Überzeugung und Tradition”, sagt Apelbaum.

Regenguss während der Andacht am Freiluftalter

In Telgte werden die Pilger von Propst Heinz Erdenbürger in Empfang genommen. Das Einzige, was an diesem Tag nahezu ins Wasser fällt, ist die Andacht am Freiluftaltar hinter der Wallfahrtskirche St. Clemens. Karlheinz Schomaker nimmt‘s mit Humor: „Zum Glück haben wir gerade ,Maria breit den Mantel aus‘ gesungen, als der Regen einsetzte.“
Am Sonntag starten die Pilger nach einer Messe wieder Richtung Osnabrück. Weihbischof Theodor Kettmann, der die Wallfahrt begleitet, ermutigt die Pilger in seiner Predigt, „selbstbewusst und bescheiden zugleich als Christen zu leben und den Weg des Glaubens mit Zuversicht weiterzugehen“.



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