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In Schüttorf ist der Karneval katholisch
Kirche und Karneval – passt das zusammen? Aber sicher, sagen die Narren des KKV in Schüttorf. KKV: das heißt „Katholischer Karnevalsverein Schüttorf“, und dieser ist Teil der Pfarrgemeinde Mariä Verkündigung. In diesen Tagen feiern Präsident, Prinz und Elferrat mit den Grafschaftern ihre Prunksitzungen.
Dafür holt Matthias Franke seine Präsidenten-Kluft aus dem Kleiderschrank. Die ist verblüffend einfach – schwarzer Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte. „Blau-weiß, das sind unsere Farben“, sagt er stolz. Seine Brust ist reich geschmückt mit allerlei blitzenden Karnevalsorden und bunten Pins. Da steckt die KKV-Flagge neben der Prinzennadel. Da klemmt ein gelber „Smiley“ neben dem „Till Eulenspiegel“. Und seine Narrenkappe, die ist ganz und gar nicht schlicht: glitzernde Strasssteine funkeln auf blauem Satin neben silbernem Brokat.
„Na ja, als Präsident darf er sich aus unserem Elferrat ein bisschen abheben“, sagt Karsten Albering schmunzelnd. Der Pressemann des KKV sitzt an diesem Abend mit Aktivensprecherin Steffi Dust und Matthias Franke in dessen Esszimmer zusammen. Alle drei erzählen mit karnevalistisch-ansteckender Begeisterung von ihrem Verein. Der ist immerhin schon über 60 Jahre alt. 1947 hatten ihn einige Schüttorfer nach einer spontanen Karnevalsfeier der katholischen Jugend in der Gemeinde Mariä Verkündigung gegründet. „Das war damals sicher nicht ganz einfach“, sagt Franke, „direkt nach dem Krieg in einer reformiert geprägten Gegend so einen Verein ins Leben zu rufen.“ Zuerst gehörten nur katholische Männer dazu. Heute zählt der KKV 60 (eingeschriebene) Mitglieder, ein Vielfaches an aktiven Mitstreitern – und er ist „ganz klar“ offen für alle Frauen und Männer, egal welcher Konfession oder Herkunft.
„Das „K“ steht für „Katholisch“
„Unsere Wurzeln liegen da und das gilt noch immer. Wir fühlen uns als Teil der Pfarrgemeinde“, sagt Karsten Albering. Natürlich spielt die Konfession keine Rolle mehr, wenn jemand beim KKV mitmachen will. Aber Albering schätzt, dass trotzdem die meisten Mitglieder und Besucher der Prunksitzungen katholisch sind: „bestimmt 90 Prozent“. Da verwundert es kaum, dass die Karnevalssession erst so richtig mit einer Messe in der Schüttorfer Kirche losgeht. „Für unsere Verstorbenen, darauf legen wir Wert“, erklärt Matthias Franke ernst. Der Präsident ist im Übrigen das beste Beispiel dafür, dass KKV-Aktive auch in der Kirche aktiv sind: Franke ist Vorsitzender des Kolping-Gebiets- und Bezirksverbandes. Umgekehrt steigt Pfarrer Hubertus Schnakenberg wie viele andere Priester vor ihm selbstverständlich für den KKV in die Bütt. Alle sind auf seine Heinz-Rühmann-Parodie gespannt.
Was den Schüttorfer Verein auszeichnet, ist laut seiner Führung familiäre Atmosphäre und ehrenamtliches Engagement. „Wir machen alles selbst, wir kaufen keinen ein. Sogar die Narrenkappen des Elferrates sind selbst genäht“, bringt Franke das mitunter viereinhalb Stunden dauernde Programm der Prunksitzungen auf den Punkt. Im Schnelldurchlauf zeigt er Fotos. Sie beweisen, was für ein närrisches Feuerwerk die vereins eigenen Gruppen abbrennen. Zum Beispiel die Frauen namens „Sammeltassen“. Steffi Dust gehört dazu. „Dieses Jahr gehen wir als Zwerge in Holzschuhen. Das müssen wir üben“, erzählt sie strahlend. Und freut sich offenbar auf die Proben genauso wie auf ihren Auftritt.
Das geht auch Karsten Albering und Matthias Franke so. Letzterer schnippt noch ein Stäubchen von seinem schwarzen Anzug. Und überlegt sorgsam eine Antwort. Warum er jedes Jahr die ganze Arbeit auf sich nimmt? „Weil wir damit uns und anderen Freude schenken“. Helau!
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