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Jesuiten stellt sich Missbrauchs-Vorwürfen
Jesuitenpatres haben zugegeben, über Jahre hinweg Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Verantwortliche in Ordens- und Kirchenleitung haben offenbar nicht richtig reagiert. Jetzt sollen die Fälle aber lückenlos aufgeklärt werden.In einem Brief an mehrere Hundert ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs machte dessen Leiter, der Jesuitenpater Klaus Mertes, den sexuellen Missbrauch öffentlich. „Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen“, schrieb Mertes über die Taten seiner Mitbrüder und ermutigte Opfer, das Schweigen zu brechen.
Das brachte den Stein ins Rollen: Mittlerweile gibt es an allen Orten, wo die Jesuiten Peter R. (69) und Wolfgang S. (65) in den 70er und 80er Jahren arbeiteten, Hinweise auf sexuellen Missbrauch. Anfang der Woche waren 25 Opfer bekannt – im Canisius-Kolleg, in der Hamburger St.-Ansgar-Schule und im Internat St. Blasien im Schwarzwald. Alle drei Schulen wurden damals vom Jesuitenorden getragen. Peter R. war nach der Zeit am Canisius-Kolleg Seelsorger im Bistum Hildesheim, auch in der Jugendarbeit. Auch hier soll es zu Übergriffen gekommen sein. Wolfgang S. hat Missbrauch und Misshandlungen zugegeben. Wie Peter R. zu den Vorwürfen steht, ist bislang nicht bekannt.
Der Provinzial der Jesuiten, Pater Stefan Dartmann, bat die Opfer um Entschuldigung und kündigte umfassende Aufklärung an. Seine Entschuldigung bezog sich nicht nur auf den Missbrauch, sondern auch darauf, dass Verantwortliche des Ordens nicht richtig reagiert haben. Es stelle sich „die bohrende Frage, warum die Vorfälle damals nicht ans Licht gekommen sind“. Offensichtlich hätten die Vorgesetzten der beiden Verdächtigen damals keine Meldepflicht gesehen. „Es wäre richtig gewesen, die Fälle an eine Strafverfolgungs-
behörde zu übergeben.“ Unstrittig ist mittlerweile, dass es Hinweise auf die Taten mehrfach und an verschiedenen Stellen gegeben hat, diese aber nicht weiter verfolgt wurden.
Inzwischen gibt es offenkundig noch einen dritten Pater, der sich an seinen Schülern vergangen haben soll. Laut Domradio sagte der Provinzial Dartmann, dass ein weiterer Geistlicher sich inzwischen selbst angezeigt habe und umgehend suspendiert worden sei.
Der Priester habe in den siebziger und achtziger Jahren unter anderem am Berliner Canisius-Kolleg, in Hannover und in Hamburg gearbeitet. Schon 2002 habe es eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Mann gegeben, so Dartmann, woraufhin dieser aus der Projektleitung eines "anerkannten Hilfswerks" entfernt worden sei.
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