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Neue Gruppe für allein lebende Frauen in Nordhorn
Viele Frauen leben allein. Das ist nicht immer einfach – gerade an den Abenden, Wochenenden, Feiertagen. Die katholische Frauengemeinschaft (kfd) in der Region Grafschaft Bentheim hat für sie eine neue Gruppe gegründet.
Angela W. schlägt ihr Adressbuch auf. „Lasst uns doch unsere Telefonnummern aufschreiben“, sagt die 64-Jährige und zückt den Kuli. Lange muss sie nicht warten. Die Frauen rechts und links von ihr tauschen eifrig Zahlen, Straßen, E-Mail-Anschriften aus. „Dann klingelt vielleicht mal sonntags mein Telefon“, sagt sie pragmatisch.
Man könnte auch ein wenig Bitterkeit heraushören. Genau wie die anderen Frauen zwischen 40 und 70 Jahren lebt die Nordhornerin seit einigen Jahren allein. An diesem Abend sind sie das nicht, haben sich in großer Runde in der katholischen Familienbildungsstätte (Fabi) getroffen. Die Stühle reichen kaum aus. „Damit hatten wir gar nicht gerechnet“, sagt Anne Minnich (auf dem Foto links) erstaunt.
Sie gehört dem kfd-Regionalvorstand in der Grafschaft an und hat die neue Gruppe gemeinsam mit Helga Tegeder (auf dem Foto rechts) initiiert. „EinzigARTtig“ heißt das bundesweit laufende kfd-Projekt – weil allein lebende Frauen einzigartig stark sein müssen und sind. Die drei Großbuchstaben „ART“ stehen für Kunst und Kultur. Und sollen die Absicht der Gruppe verdeutlichen. „„Wir wollen nicht einfach nur klönen und Kaffee trinken“, sagt Anne Minnich. „Die Frauen möchten zusammen ins Kino gehen, gemeinsam Konzerte anhören oder Ausstellungen besuchen.“
Wie schwer genau das manchmal für allein lebende Frauen ist, weiß Helga Tegeder aus eigener Erfahrung. Vor gut drei Jahren ist ihr Mann gestorben. „Wir haben alles zusammen gemacht“, sagt sie. Von Einsamkeit spricht sie aber nicht. Von montags bis freitags arbeitet sie, macht Sport, hat viele Kontakte. „Aber die Wochenenden, die sind manchmal schwer. Am Sonntagnachmittag allein spazieren gehen, das ist wie ein Spießrutenlauf“, sagt sie ganz offen. Deshalb freut sich die kaufmännische Angestellte sehr, dass die kfd diese Zielgruppe endlich mehr in den Blick nimmt. Zur Vorbereitung auf die Grafschafter Initiative hat sie an einer entsprechenden kfd-Fortbildung für das Modellprojekt „EinzigARTig stark – Kunst, Kultur, Kulinarisches & mehr...“ teilgenommen. Der Bundesverband will damit neue Wege in der kfd für allein lebende Frauen erproben.
Bei den Frauen kommt das Projekt außerordentlich gut an. Einmal im Monat treffen sie sich in der Nordhorner Fabi – aber nicht, um sich gegenseitig ihr Leid zu klagen. „Wir wollen hier keine Seelenmassage betreiben“, sagt eine Teilnehmerin resolut. Viel lieber erzählen sie sich, was sie schon unternommen haben, welcher Film gut ist und wo das nächste tolle Konzert stattfindet. Tipps dazu bringen Helga Tegeder und Anne Minnich jedes Mal auf Neue mit. „Wenn man zusammen ins Theater geht, ist das doch viel schöner. Dann steht man in der Pause nicht so alleine rum“, sagt eine der Frauen.
Bei den monatlichen Terminen bleibt es inzwischen nicht mehr: Anne Minnich weiß, dass die Frauen zwischendurch auch selbstständig Treffen abmachen. Die Adressbücher sind mittlerweile gut gefüllt.
Weitere Infos zu der Gruppe bei Anne Minnich, Telefon 0 59 21/7 52 92.
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