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Gebetbücher als spannende Geschichtsbücher
385 Jahre – so alt ist das kleine Gebetbuch von Leo Mönnich. Der Elberger hütet es wie einen Schatz. Aber jetzt dürfen auch andere Menschen hinein schauen: ab 14. März bei einer Ausstellung alter Gebetbücher im Emslandmuseum in Lingen.
Ab Mitte März zeigt das Museum viele alte Gebetbücher aus dieser Region. Der Lingener Heimatverein hatte Ende vergangenen Jahres dazu aufgerufen, solche Exemplare ins Museum zu bringen. Mit Erfolg: In nur zwei Tagen registrierten die Heimatfreunde über 400 Bücher vor allem von Bauernhöfen und Haushalten aus dem Lingener Umland.
Mit zwei großen Tragetaschen kam Leo Mönnich ins Museum. Seine Familie hat zahlreiche alte Gebetbücher aufbewahrt, einige davon sind schon sehr lange in ihrem Besitz. Zum Beispiel ein kleiner Band aus dem Jahr 1625, geschrieben von Pater Friedrich von Spee. Und es lag ganz offensichtlich nicht immer nur unbenutzt in einer Schublade. Die Seiten ein bisschen vergilbt, die Ränder ein wenig zerfleddert, scheint es richtig durchbetet worden zu sein. „Stimmt“, sagt der Elberger. „Meine Mutter hat es immer bei Gewitter geholt. Dann wurde eine Kerze angesteckt, wir haben uns hingekniet und daraus gebetet.“ So bekam das Buch im Hause Mönnich seinen liebevoll-treffenden Namen: „Grummelbook“. Grummeln bedeutet landläufig gewittern.
Handpostillen und Erbauungsbücher
Solche kleinen Geschichten haben Museumsleiter Andreas Eiynck und das Team des Heimatvereins ganz oft gehört. Sie zeigen, wie wichtig den Familien ihre Gebetbücher waren und sind. „Einige kamen mit ganzen Koffern und haben viel erzählt“, sagt er. Und zeigt in seinem Büro an der Burgstraße mehrere Kartons, die bis zum Rand gefüllt sind mit solchen Kostbarkeiten. Viele katholische Haus- und Handpostillen, etliche evangelische Erbauungsbücher und Lutherbibeln sind darunter. Nicht wenige stammen aus Kriegszeiten oder sind liebgewordene Erinnerung an die lange zurückliegende erste Kommunion oder Konfirmation. 200 Beispiele solcher Gebetstradition will das Museum in seinen Vitrinen ausstellen.
Dabei lebt die Tradition weiter – wie auf dem Hof Everinghoff in Schapen. Die Familie hat dem Museum das „Himmlisch Palm-Gärtlein“ für die Ausstellung überlassen – ein Gebetbuch von Pater Wilhelm Nakatenus aus dem Jahr 1772. Metallbeschläge zieren die Ecken der dicken Lederdeckel, zahlreiche Kupferstiche die Seiten. Der Einband trägt noch die Spuren eines kleinen Schlosses – und der Geschichte. Im zweiten Weltkrieg musste diese Silberschließe für die Kriegswirtschaft abgeliefert werden.
Auf dem Schapener Bauernhof, dessen Geschichte sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, ist das „Palm-Gärtlein“ kein Museumsstück. „Wir lesen und beten noch darin“, erzählt Maria Everinghoff. Schwiegertochter Regina und Enkel Leander (4) schauen sich das Buch gern gemeinsam an (Foto). Genau wie die andere 30 alten Gebetbücher, die die Familie hütet. Für Maria Everinghoff sind das Zeugen und Zeugnisse gelebten Glaubens. „Ohne Glauben wären wir doch alle arm dran.“
Grotten und Wegekreuze
Mit den alten Gebetbüchern zeigt das Emslandmuseum eine Ausstellung über Klusen, Mariengrotten und Wegekreuze im südlichen Emsland. Besucher sehen 30 große Tafeln mit Fotos, den religiösen Hintergründen und Motiven für ihren Bau. Außerdem sind einige alte Kruzifixe und Skulpturen aus Bildstöcken im Original zu sehen.
Die Ausstellung ist als Zusammenarbeit zwischen dem Museum und der „Lokalen Aktionsgruppe Südliches Emsland“ im Rahmen des europäischen „Leader“-Programms entstanden. Durch „Leader“ soll der ländliche Raum gefördert werden. Die Aktionsgruppen setzen Projekte vor Ort um. Drei Teams fotografierten für eine gründliche Bestandsaufnahme in Emsbüren, Freren, Lengerich, Lingen, Salzbergen und Spelle über 1000 Grotten und Wegekreuze.
Die Ausstellung wird am Sonntag, 14. März, um 16.30 Uhr im Emslandmuseum in Lingen an der Burgstraße 28 b eröffnet. Sie ist dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr bis zum 30. Mai zu sehen; Eintritt für Erwachsene drei Euro.
Führungen können unter Telefon 05 91/4 76 01 vereinbart werden.
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