Bistum Osnabrück
Osnabrück ist älter als bislang angenommen
Mauerreste und Spatenstiche stammen aus der Zeit vor 774Bei Grabungen im Bereich des Osnabrücker Doms entdeckte Funde sind eine kleine historische Sensation: Eine unscheinbare Grundmauer südlich des Doms und in der Nähe entdeckte Spatenstiche stammen aus der Zeit vor dem Jahr 774. Das beweisen jetzt vorliegende Untersuchungsergebnisse. Bislang war man davon ausgegangen, dass die ersten Bauten und Missionsversuche in Osnabrück ab 780 begannen. Damit ist Osnabrück nach dem derzeitigen Kenntnisstand die älteste der niedersächsischen und westfälischen Bischofsstädte.
Im Zuge mehrjähriger Ausgrabungen im Umfeld der Kathedrale hatten die Archäologinnen Ellinor Fischer und Sara Snowadsky von der Osnabrücker Stadt- und Kreisarchäologie Holzkohlereste im Mörtel mehrerer Mauern und Fundamente geborgen, die bis in die Zeit der Christianisierung reichen. Um die schwarzen Partikel und mit ihnen auch die Bauten zu datieren, wurden sie im Leibniz-Labor für Altersbestimmung an der Universität Kiel untersucht.
Die Archäologinnen deuten das Teilstück einer Wand im Südflügel des Dom-Kreuzganges als Überrest eines karolingischen Klostergebäudes, das die Missionare um den Osnabrücker Gründerbischof Wiho vor 801 errichteten. Im Bereich des heutigen Kreuzganges glauben die Archäologinnen jenes imposante Domkloster lokalisiert zu haben, das zwei Fuldaer Mönche in einem Wunderbericht erstmals für das Jahr 851 erwähnen. Hier lebten die Nachfolger des heiligen Wiho und ihre geistlichen Helfer bis etwa 1100 in klösterlicher Gemeinschaft.
Obwohl seit 814 von Karl dem Großen erlaubt, wurde die Osnabrücker Domburg erst im weiteren Verlauf des 9. oder 10. Jahrhunderts befestigt. „Wir wissen jetzt, dass die wichtigen Gebäude der Osnabrücker Domburg gleich aus Stein errichtet wurden und können damit die Geschichten über provisorische Holzkirchen und -bauten in den Bereich der Legende verweisen“, korrigiert Ellinor Fischer gängige und liebgewonnene örtliche Theorien.

Fischer und Snowadsky dokumentieren ihre Forschungsergebnisse in einer kleinen Ausstellung, die unter dem Titel „Von alten Mauern und verborgenen Türen“ bis zum 5. Mai auf mehreren Stelltafeln im „Forum am Dom“ in Osnabrück zu sehen ist. Dort befindet sich auch ein Abdruck des „ersten Spatenstichs“ aus dem Sachsenland.
In der Reihe „Im Blickpunkt“ des Diözesanmuseums berichten die beiden Archäologinnen am Dienstag, 21. April, um 19.30 Uhr im Forum über ihre Arbeit.
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