Bistum Osnabrück
Gute Beziehungen aufbauen
Was ist zu beachten, wenn eine Kirchengemeinde eine Kinderkrippe einrichtet?Von Matthias Petersen
Lingen. Die Zahl der Kinderkrippen nimmt zu. Rund 100 Gruppen wurden im Bistum Osnabrück bereits eingerichtet oder sind in Planung. Worauf muss eine Kirchengemeinde achten, wenn sie eine Krippe eröffnet?
260 Erzieherinnen wollten die Antwort auf diese und weitere Fachfragen wissen und kamen zum Kongress ins Ludwig-Windthorst-Haus. Die Kirchengemeinde als Träger einer Kinderkrippe müsse für die Rahmenbedingungen sorgen, so Bärbel Grote, Referentin für Kindertagesstättenpastoral im Bistum Osnabrück. „Wie ist die Ausstattung der Einrichtung, welches Personal haben wir, sind Eltern und Kinder im Blick?“, fragte sie in einem von sieben Workshops.
„Die Erzieherinnen sollen in der Kinderkrippe christliche Werte vermitteln, dafür brauchen sie Freiraum und Begleitung“, sagte sie. Das Seelsorgeteam der Gemeinde müsse die Erzieherinnen spirituell unterstützen. „Schließlich sollen sich die Erzieherinnen bewusst sein, was sie vermitteln – dass jedes Kind einmalig ist und dass es wachsen und sich entwickeln darf.“
Bärbel Grote fragte auch nach dem Stellenwert von Familien in den Pfarreien. „Durch die Krippe entsteht meist Kontakt zu Eltern, die sonst erst später in der Gemeinde auftauchen.“ Das könne Konsequenzen haben für die Taufvorbereitung. „Und es ist zu fragen, ob es Gottesdienste und andere Angebote für diese Zielgruppe gibt.“ Auf diese Weise könnten gute Beziehungen entstehen: zwischen Kirchengemeinde und Eltern, zwischen Erzieherinnen und Kindern.
„Jedem Kind eine persönliche Erzieherin“
Auf die Bedeutung der Beziehungsentwicklung hatte eingangs Karin Grossmann, Bindungsforscherin aus Regensburg, hingewiesen. Ähnlich wie Sportler auf einen „persönlichen Trainer“ vertrauten, brauchten auch Kinder eine stärkere und weisere Bindungsperson. „Wenn es zeitweilig nicht die Mutter oder der Vater ist, dann braucht es in dieser Zeit eine persönliche Betreuerin“, sagte Grossmann und warb dafür, jedem Kind eine „persönliche Erzieherin“ an die Seite zu stellen. Bei guter Beziehung zu den Eltern wirke sich eine begrenzte Tagesbetreuung ab dem zweiten Lebensjahr positiv aus.
„Kindertagesstätten bzw. Häuser für Kinder und Familien sind ein starkes Stück Zukunft“, sagte Daniela Engelhard, Leiterin des Osnabrücker Seelsorgeamts. Die Erzieherinnen trügen mit ihrem Engagement dazu bei, dass diese Zukunft wachsen könne. Die Einrichtung von Krippen solle die Familie nicht ersetzen, betonte sie. Rund 200 Kindertagesstätten existieren in katholischer Trägerschaft im Nordwesten Niedersachsens. In den vergangenen zwei Jahren sind im Bistum Osnabrück etwa 30 neue Krippengruppen entstanden. Weitere 70 Gruppen sind in Planung oder im Bau.
„Neben der Quantität auch die Qualität beachten“
Franz Loth, Direktor des Diözesan-Caritasverbands, forderte, neben der Quantität auch die Qualität zu beachten. Dieser Weg werde im Bistum bereits bestritten, denn der Caritasverband habe als Fachberatung für die Kindertagesstätten schon früh erkannt, dass das Personal gestärkt werden müsse. Bei der Frage, ab wann ein Kleinkind in die Betreuung gegeben werden kann, habe sich die Caritas bisher nicht auf ideologische Debatten eingelassen. Loth: „Entscheidend ist die Frage, was gut für die Kinder und ihre Familien ist, und nicht, was in erster Linie gut ist für die Interessen der Wirtschaft.“
Fünf Bedingungen, die einen Krippenbesuch sinnvoll machen:
- Wenig Personalwechsel, denn Babys brauchen eine feste Bindungsperson
- Kleine Gruppen mit einem entsprechenden Betreuungsspiegel
- Profis in der Betreuung, dann profitieren die Krippenkinder
- Maximal acht Stunden Fremdbetreuung
- Eine sanfte Eingewöhnung, am besten erst ab dem 18. Lebensmonat
Franz Loth, Diözesan-Caritasdirektor
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