Familie
G9-Debatte mit neuem Schwung
Es brodelt. Der Wunsch vieler Eltern nach einem längeren Lernen an Gymnasien und Gesamtschulen bleibt. Das „Volksbegehren für gute Schulen in Niedersachsen“ hat die erste Hürde fast genommen. Dagegen rudert Schloss Salem zurück: Alles bleibt bei G8.Die Forderungen des Volksbegehrens in Niedersachsen sind:
- Gymnasien und Gesamtschulen sollen wieder zur Regelschulzeit von 13 Jahren bis zum Abitur zurückkehren.
- Neue Gesamtschulen dürfen schon mit vier, in Ausnahmefällen auch mit drei Klassen pro Jahrgang gegründet werden.
- Volle Halbtagsschulen – sie haben eine bessere Ausstattung mit Lehrern als normale Grund- und Förderschulen – müssen erhalten bleiben.
Dieter Galas, langjähriger Schulleiter einer Gesamtschule, berichtet von großem Zuspruch. Kinder seien durch G8 sehr belas-tet. Viele wünschten sich mehr Zeit zum Lernen. Der Bildungsforscher Manfred Bönsch von der Universität Hannover habe erklärt, heutige Kinder hätten eine Lebenserwartung von fast 100 Jahren. Daher sei die Verkürzung der Schulzeit mit ihrer Verdichtung des Schulstoffs falsch.
Galas berichtet, seit Einführung des verkürzten Bildungsgangs sei die Zahl der Schüler, die vom Gymnasium auf die Realschule wechseln müssten, um 50 Prozent gestiegen. Dagegen sei die Zahl der Aufsteiger von der Realschule ins Gymnasium um ein Drittel gesunken. Das belege die sinkende Durchlässigkeit des Schulsystems.
Unterdessen hat das Kultusministerium Schleswig-Holstein einen Schulversuch in Barmstedt erlaubt. Bei ihm soll in einem Gymnasium parallel zum achtjährigen ein neunjähriger Bildungsgang erprobt werden.
Das Elitegymnasium Schloss Salem wiederum hat seinen Antrag auf Zulassung eines G9-Kurses zurückgezogen. Die Schule wolle nicht Speerspitze einer Bewegung gegen G8 sein, erklärte Schulleiterin Eva Marie Haberfellner. Vielmehr sei es um eine Flexibilisierung vor allem für Schüler aus dem Ausland gegangen. Ihnen sollte der Wechsel ins deutsche Bildungssystem erleichtert werden.
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