Familie

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Fernsehen für Kinder

Es waren die katholische und die evangelische Kirche, die 1995 Fernsehmacher und Medienfachleute zusammentrommelten, um über Qualitätsfernsehen für Kinder zu diskutieren. Heute gibt es so viel Kinderfernsehen wie nie. Aber ist das Angebot auch sehenswert?

NICK liefert angeblich ein Programm „aus dem Besten, was internationales Kinderfernsehen zu bieten hat“. Marktführer Super RTL verspricht, „Kinder im sinnvollen Umgang mit Medien zu schulen“. Und KI.KA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, leistet nach eigener Einschätzung „einen Beitrag, um Kinder auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten“. Schöne Worte.
Als die Kirchen 1995 zum „Runden Tisch Qualitätsfernsehen für Kinder“ luden, waren speziell für Kinder produzierte Sendungen noch vergleichsweise rar. Locker 75 Prozent der TV-Sendungen, die Kinder damals schauten, waren gar nicht für sie gemacht.

KikaninchenNoch 1995 startete dann der private Kindersender Super RTL, zwei Jahre später der öffentlich-rechtliche KI.KA (hier läuft zum Beispiel das „Kikananinchen", siehe Bild links), 2005 schließlich der Privatsender NICK. Diese drei plus das umfängliche Kinderprogramm der privaten Sender RTL 2 und Tele 5 plus das Angebot von ARD, ZDF und Dritten – summa summarum haben Kinder heute wöchentlich weit über 400 Stunden Kinderprogramm zur Auswahl. Im frei empfangbaren Fernsehen. Digitalsender, die teils extra bezahlt werden müssen, liefern insgesamt weitere 2500 Stunden pro Woche.
Und die Kinder nehmen das Angebot an: Zwar schauen sie auch heute, wenn sie dürfen,  „Tatort“ oder „Deutschland sucht den Superstar“, doch deutlich mehr als 50 Prozent dessen, was Kinder heute gucken, ist eigens für sie gemacht. Tendenz nach wie vor steigend.

Birgit Guth, zuständig für die Bereiche Medienforschung und Qualitätsmanagement bei Super RTL, sieht in dieser Entwicklung „auf jeden Fall einen Riesenfortschritt“, denn „die Kinder werden dort abgeholt, wo sie sind“. KI.KA-Chef Steffen Kottkamp sieht den Vorteil: „Es gibt verlässliche Sender für Kinder.“ Und Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), stellt außerdem fest: „Im internationalen Vergleich haben wir in Deutschland ein qualitativ recht gutes Programm.“
Hanna MontanaDoch sie sieht schon Unterschiede. Die öffentlich-rechtlichen Anbieter versuchten, „das möglichst Beste für die Kinder zu tun“ und ein Programm zu machen, „das attraktiv ist, Kinder aber auch fördert“. Die Privaten seien stärker „marktgetrieben“. Große Anbieter internationaler Netzwerke – vor allem aus den USA – setzten die Trends.
Das habe zuweilen dazu geführt, dass an die 90 Prozent des Programms einiger Sender aus Zeichentrick bestand. Seit die Serie „Hannah Montana“ (siehe Bild rechts) zum großen Erfolg wurde, gelten plötzlich die Teenies als Zielgruppe, mit der besonders viel Geld zu machen ist – entsprechend liefern die Produzenten nun vermehrt Serien für junge Jugendliche.

Klar, für einen Privatsender wie Super RTL sind Einschaltquoten sehr wichtig, räumt Birgit Guth ein: „Natürlich wollen unsere Werbekunden, dass wir ihnen Zuschauer zuführen.“ Das verhindere aber nicht die Bemühung um ein vielfältiges Programm. Der Sender achte zudem darauf, das Vertrauen der Mütter und Väter zu erlangen und zu behalten; schon deshalb dürfe das Kinderprogramm auf keinen Fall aus dem Ruder laufen.
Auch Wertevermittlung sei ein Thema für Super RTL, betont Guth. Es gebe Sendungen über gesunde Ernährung oder auch Spots, die Kindern empfehlen, auch mal etwas anderes zu machen, als Medien zu nutzen.

Zwar habe der KI.KA Neutralität zu wahren, so Steffen Kottkamp; er orientiere sich aber am christlichen Menschenbild und versuche, Werte wie Nächstenliebe, Familie oder soziale Kompetenz zu vermitteln. Als „leuchtendes Beispiel“ bezeichnet er die Zeichentrickserie „Chi Rho –  Das Geheimnis“, die am Jahresende ins Programm kommt. Biblische Geschichte als Abenteuerserie – für Kottkamp ein „vielversprechendes Experiment“.



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