18.01.2019

Studientag in Haus Ohrbeck

„Das Christentum taugt nicht als Waffe"

„Wer fromm ist, muss politisch sein“ – so lautet der Titel eines Studientags in Haus Ohrbeck am 26. Januar. Referent ist der Würzburger Studierendenpfarrer Burkhard Hose, der für sein Engagement für Flüchtlinge mit dem Würzburger Friedenspreis ausgezeichnet worden ist. Im Interview spricht er darüber, warum sich Christen stärker politisch engagieren sollten.

Referent in Haus Ohrbeck: der Würzburger Studierendenpfarrer Burkhard Hose. Foto: Stefan Weigand

Herr Hose, kann politisches Engagement wirkungsvoll sein, wenn es nicht aus Überzeugung, sondern aus Pflichtgefühl heraus entsteht?

Glaube, der aus reinem Pflichtgefühl heraus entsteht, ist nicht besonders wirkungsvoll, weil er nicht in die Tiefe geht. Dass man politisch sein „muss“, ist insofern weniger ein moralischer Anspruch, sondern betont die Verbindung von Glaube und Politik. Das Auftreten Jesu, wie ihn uns die Evangelien schildern, war von Anfang an politisch. Für mich gibt es deshalb eigentlich kein Christentum, das unpolitisch ist.

Ist es nicht gefährlich, wenn die Grenzen zwischen Glaube und Politik verwischt werden? Die AfD instrumentalisiert das Christentum beispielsweise, um ihre  fremdenfeindliche Politik zu rechtfertigen.

Es gibt auch in der zurückliegenden Geschichte haufenweise Beispiele für gefährliche Verbindungen von Glaube und Politik. Wir erleben aber gerade in den letzten Jahren, dass der Glaube zum öffentlichen Thema wird. Die Diskussion darüber geschieht allerdings zunehmend ohne uns Christen. In der AfD treten Leute auf, die schlichtweg keine Ahnung und auch keine innere Verbundenheit zum Christentum haben, es aber als Waffe gegen andere Menschen verwenden. Dafür taugt es nicht. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns stärker einschalten.

Warum geben Christen  nicht stärker kontra?

Ich glaube, das hängt ein bisschen mit einem Missverständnis zusammen. In der Kirche ist man lange davon ausgegangen, dass Politik ein schmutziges Geschäft ist, von dem man lieber die Finger lassen sollte. Dagegen muss man ein Stück weit anreden. Als Christen haben wir eine Botschaft in Händen, die von Anfang an politisch war. Wenn wir nicht vollständig an Relevanz und den Anschluss an die Gesellschaft verlieren wollen, müssen wir das wiederentdecken.

Menschen, die sich einmischen, werden hingegen oft angefeindet. Hat dieser Gegenwind das politische Engagement unattraktiv gemacht?

Ich glaube nicht, dass das der Grund dafür ist, dass sich Leute in den Kirchen so wenig politisch äußern. Vielmehr gibt es das Missverständnis, dass man sich aus der Politik rauszuhalten hat. Es gibt ja diesen vielzitierten Satz, der auf Bismarck zurückgehen soll: „Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen.“ Das ist so nicht richtig.

Auch heute sprechen sich einige Politiker immer wieder gegen die Einmischung der Kirchen aus.

Ja, und das haben wir ihnen auch immer wieder vorgehalten. Die Kennzeichen einer christlichen Politik unterscheiden sich gerade in der Flüchtlingspolitik von dem, was wir seitens der christlichen Parteien erleben. Christlich verantwortete Politik ist nicht unbedingt konservative Politik. Das Evangelium ist eben in manchen Punkten gerade nicht konservativ.

In welchen Punkten?

Wenn es um das Eintreten für die Würde von Menschen geht. Und wenn es darum geht, nicht den Wohlstand zu verteidigen, sondern auch zu teilen.

Sollten Politiker ihr Verständnis vom Christentum überdenken?

Ja und ich glaube, es ist es besonders wichtig, gut zu argumentieren und sich auf biblische Quellen zu berufen, wenn man sich in diese Auseinandersetzung begibt. Sonst bekommt man schnell den Vorwurf angehängt, zu den Linken in der Kirche zu gehören. Aber es geht hier nicht um rechts oder links, sondern um die Fundamente der christlichen Botschaft. Das ist nun einmal eine Botschaft, die die Solidarität mit den Menschen, die in Not sind, weit höher ansiedelt, als wir das gerade in den C-Parteien und erst recht bei den selbsternannten Rettern des christlichen Abendlandes am rechten Rand erleben.

Interview: Sandra Röseler

Der Studientag „Wer fromm ist, muss politisch sein“ findet am 26. Januar, von 9 bis 15 Uhr in Haus Ohrbeck, Am Boberg 20, in Georgsmarienhütte statt. Teilnahmegebühr: 39 Euro, Anmeldung: Telefon 0 54 01/ 33 60.