27.04.2018

Diözesanversammlung in Leichter Sprache

„Leichte Sprache ist total schwer"

Keine langen Sätze, keine Fremdwörter: Die Christliche Arbeiter-Jugend im Bistum Osnabrück hat versucht, ihre Diözesanversammlung nach den Regeln der Leichten Sprache abzuhalten. Warum das wichtig, aber gar nicht so einfach ist, erklärt Diözesansekretärin Inka Borgmann.

Dinge einfach und verständlich auszudrücken, ist oft gar nicht so einfach. | Foto: fotolia

Was steckt hinter der Idee, eine Versammlung in Leichter Sprache abzuhalten?

Die Christliche Arbeiter-Jugend (CAJ) wendet sich mit ihren Angeboten ja auch an junge Menschen, die benachteiligt sind, die eine Behinderung oder eine Erkrankung haben oder die in der Schule nicht so gut mitkommen. Auch sie wollen wir mit unserer Arbeit erreichen und so ein Wort von Joseph Cardijn, unserem Gründer, umsetzen, der gesagt hat: „Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold der Erde.“

Wie haben Sie die Versammlung vorbereitet?

Wir beschäftigen uns schon seit mehreren Jahren mit dem Thema und sind froh, dass die anderen Jugendverbände in unserem Bistum den gleichen Weg gehen wollen. Deshalb wissen wir, dass wir oft lange Sätze haben und Fremdwörter benutzen, die nicht jeder versteht. Dazu kommen dann innerkirchliche Fachausdrücke, das fängt nicht erst bei „Diözesanversammlung“ an und hört auch nicht bei „Bistum“ auf. Wir haben also zunächst mal auf einfache Sprache geachtet.

Was haben Sie konkret gemacht?

Wir haben zum Beispiel vorher große Erklärplakate gestaltet. Leichte Sprache lebt auch davon, dass viele Bilder verwendet werden. Auf diese Weise haben wir unsere Ämter erklärt und sind darauf eingegangen, was die Diözesanversammlung ist, was die Diözesanleitung macht, wer die Regionalleiter sind. Wir haben die Texte für den Gottesdienst vereinfacht. Und auch die Tagesordnung haben wir mit Bildern erklärt.

Mit welchem Ergebnis?

Dass wahrscheinlich noch nie so viele Teilnehmer gerade die Tagesordnung intensiv zur Kenntnis genommen haben (lacht). Immer wieder haben sie vor den Plakaten gestanden und gelesen, was sonst wohl nur im Vorbeigehen wahrgenommen wird. Das zeigt, dass Leichte Sprache nicht nur für diejenigen wichtig ist, für die sie in erster Linie gedacht ist.

Inka Borgmann ist Diözesansekretärin
bei der CAJ. | Foto: Matthias Petersen

Und Sie haben sich während der Versammlung auch inhaltlich damit beschäftigt …

Ja, wir haben daraus unseren Arbeitsschwerpunkt gemacht. Manche Teilnehmer hatten noch nie etwas von Leichter Sprache gehört, andere zum Beispiel schon einmal im beruflichen Kontext. Wir haben Kleingruppen gebildet, die sich mit der Übersetzung unserer Beitrittserklärung befasst haben. Mitarbeiter eines Büros für Leichte Sprache haben uns dabei unterstützt. Die Ergebnisse waren sehr ernüchternd: Die meisten Gruppen sind nicht mal über den dritten Satz hinausgekommen. Da haben wir gemerkt, dass Leichte Sprache total schwer ist. Es gibt viele Spezialbegriffe, die man nicht so leicht übersetzen kann. Dafür haben dann auch die beiden eingeladenen Fachleute oft viel Zeit gebraucht.

Wie gehen Sie in Ihrem Verband jetzt weiter mit dem Thema um?

Wir bleiben auf jeden Fall dran, sehen aber auch Grenzen. Erst mal sind wir jetzt sensibel geworden für die Bedürfnisse benachteiligter Menschen, und das halte ich für eine gute Voraussetzung. Wenn wir zum Beispiel ständig die Wichtigkeit einer Diözesanversammlung betonen, sorgen wir dafür, dass sich mancher eine Wortmeldung gar nicht traut, um nur nichts Falsches zu sagen. Dann wollen wir auf jeden Fall unseren Flyer überarbeiten, in dem wir erklären, wer wir sind. Wir haben aber auch gemerkt, wie umfangreich die Beschäftigung mit Leichter Sprache sein kann. Der Rechenschaftsbericht für die Diözesanversammlung müsste zeitaufwendig übersetzt werden. Das müssten Fachleute machen und das würde dann auch Geld kosten. Ich fürchte, das werden wir wohl nicht schaffen.

Interview: Matthias Petersen


Leichte Sprache

Viele Menschen können Leichte Sprache besser verstehen. Sie hilft ihnen, selbst zu entscheiden und zu bestimmen. Denn Leichte Sprache kommt ohne Fremd- und Fachwörter aus und verzichtet auf lange Sätze. Sie enthält einfache und bekannte Wörter, beschreibt genau und enthält keine Abkürzungen. Lange Wörter sollten mit einem Bindestrich getrennt werden, Verben sind wichtig, ebenso eine positive und direkte Sprache.

Weitere Informationen beim Netzwerk Leichte Sprache: www.leichtesprache.org