13.02.2019

Kinder suchtkranker Eltern

„Niemand fühlt sich richtig zuständig"

Kinder mit suchtkranken Eltern sind stark gefährdet, einmal selbst abhängig zu werden. Der Caritasverband Osnabrück meint: Es muss dringend etwas passieren – vor allem von Seiten der Politik.

Mitarbeiter des Caritasverbands Osnabrück haben den Bundestagsabgeordneten Matthias Seestern-Pauly (Mitte) auf Handlungsbedarf beim Thema Suchterkrankungen hingewiesen. Foto: Sandra Röseler

Für Kinder, deren Eltern suchtkrank sind, muss es bessere Hilfsangebote geben. Darauf hat der Caritasverband Osnabrück anlässlich der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien hingewiesen. Bei diesem Thema gebe es allerdings – ähnlich wie bei Missbrauch oder psychischen Erkrankungen – eine deutliche Hemmschwelle, sagt Conrad Tönsing, Leiter des Bereichs Suchtprävention und Rehablilitation der Caritas Osnabrück. „Scham ist ein großes Thema.“

Dabei sind die Statistiken erschreckend: In einer Schulklasse mit 25 Kindern kommen durchschnittlich drei aus einer Familie, in der ein Elternteil suchtkrank ist. Das Risiko, eine Sucht zu entwickeln, ist für Kinder aus diesen Familien sehr hoch. 30 Prozent werden selbst chronisch oder psychisch krank. In diesem Zusammenhang schlägt der Caritasverband Osnabrück vor, dass alle Beteiligten wie Schulen, Sozialpädagogen, Jugendämter und Selbsthilfegruppen an einem Strang ziehen. Dafür fehlten bislang jedoch die notwendigen finanziellen Mittel sowie klare gesetzliche Regelungen.

Die Zuständigkeiten sind ein Trauerspiel

„Niemand fühlt sich richtig zuständig“, sagt auch der Bundestagsabgeordnete Matthias See­stern-Pauly (FDP), den der Caritasverband zu dem Gespräch eingeladen hatte. Das Familienministerium und das Gesundheitsministerium stritten bislang darüber, wer für Kinder aus sogenannten Suchtfamilien verantwortlich sei. „Es ist ein Trauerspiel.“

Seestern-Pauly, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, kann sich unter anderem vorstellen, die Krankenkassen in die Pflicht zu nehmen. „Wenn die Kinder später einmal selbst suchtkrank werden, entstehen auch hohe gesamtgesellschaftliche Kosten“, erklärt der aus Bad Iburg stammende Politiker.

Dem Caritasverband Osnabrück geht es indes auch darum, die Hemmschwelle für Familien, die Probleme mit Suchterkrankungen haben, zu senken. „Es kommt leider oft vor, dass diese verheimlicht werden“, sagt Conrad Tönsing. „Das hindert Familien daran, Hilfe anzunehmen.“

Sandra Röseler