05.12.2018

Laie übernimmt Gemeindeleitung

„Wir spüren: Es tut sich was"

Feierliche Messe zur Amtseinführung des Gemeindeleiters: Allerdings geht es hier nicht um einen neuen Pfarrer. Pastoralreferent Michael Göcking wird der erste Laie, der eine Pfarreiengemeinschaft im Bistum Osnabrück leitet.

Schlüsselübergabe: Ferdinand Hartmann (Gesmold) und Kornelia Gehrenbeck (Wellingholzhausen) begrüßen Michael Göcking (im weißen Talar) und die beiden Priester Dominik Kitta und Thomas Parathattel (rechts). Foto: Katharina Westphal

„Ich bin gespannt, ob diese Veränderung von allen, auch den Älteren, gut angenommen wird.“ Peter Käller ist Mitglied des Kirchenvorstands der St.-Bartholomäus-Gemeinde Wellingholzhausen. „Aber der Kirche insgesamt tut das gut“, sagt er. Gerade hat er die Einführung des ersten Pfarrbeauftragten im Bistum Osnabrück erlebt. Michael Göcking ist von Haus aus Pastoralreferent – und zum ersten Mal übernimmt mit ihm ein Laie die Leitung einer Pfarreiengemeinschaft, zu der auch St. Petrus in Gesmold gehört.

Am Schluss des Einführungsgottesdienstes macht Michael Göcking einen Scherz: „Sie haben jetzt sechs Hauptamtliche zur Verfügung, mit einem davon sollten Sie ja etwas anfangen können“, sagt er und lacht. Er ist einer der sechs, und ab heute ist er gleichzeitig Chef der Pfarrei. Als Pfarrbeauftragter erledigt er Verwaltungsaufgaben, ist Mitglied im Pfarrgemeinderat (PGR) und Kirchenvorstand (KV) und Leiter des Seelsorgeteams. Dazu gehören weiterhin Gemeindereferentin Martina Panner, Gemeindeassistentin Sarah Twyrdy und Pastoralreferentin Maria Springwald. Zwei Priester übernehmen in den Gemeinden die Eucharistiefeiern – Pater Dominik Kitta und Pastor Thomas Parathattel. Pater Kitta wird in seiner Hauptaufgabe als Offizial der Bistümer Osnabrück und Hamburg nicht vor Ort wohnen. Damit ist er der sogenannte moderierende Priester. Parathattel wohnt in Gesmold.

„Wichtige Weichen einer pastoralen Zukunft“

Dieser Schritt, den das Bistum in der Pfarreiengemeinschaft geht, stelle „wichtige Weichen einer pastoralen Zukunft“, zitiert Pfarrer Stephan Höne, stellvertretender Dechant, Bischof Franz-Josef Bode. Höne verliest zu Beginn der Feier die Ernennungsurkunden. Sie enthalten Worte des Bischofs, die rechtlichen Grundlagen und Aufgaben der drei neuen Ämter.

Die Amtseinführung unterscheidet sich nur in einigen Details von der Einführungsmesse eines neuen Pfarrers. So spricht das Seelsorgeteam gemeinsam das „Große Glaubensbekenntnis“ – das macht sonst der neue Pfarrer. Den symbolischen Schlüssel, den der Pfarrer nach dem Verlesen der Urkunde erhält, nimmt Göcking entgegen. Er ist es auch, der den Adventskranz segnet. Und er predigt – heute zusammen mit Pater Kitta, der ihm zuvor für die Ansprache den Segen gespendet hat.

Beide sprechen über die Einführung des neuen Lektionars an diesem ersten Advent, das der neuen Einheitsübersetzung folgt – ob sie etwas daraus für die Arbeit in ihrem Team mitnehmen könnten? „Im wahrsten Sinne des Wortes müssen wir immer wieder neu das Wort Gottes in die Gegenwart übersetzen“, so Göcking. Es komme darauf an, „in Gottes Geist zu handeln“, sagt er. „Dabei muss man sinnvoll und angemessen auf die Situation reagieren“, fügt Pater Kitta hinzu. Es gehe um ein Miteinander von Laien und Priestern, darum, neue Chancen zu nutzen – grundsätzlich dabei sei, „miteinander Glaubensfreude zu teilen“, sagt Kitta.

Göcking fasst in drei Sätzen zusammen, was er für die kommende Zusammenarbeit für wichtig hält: „Wir müssen fragen: Wie können wir als Gemeinde gemeinsam den Draht zu Gott verbessern.“ Nicht vergessen dürfe man, dass „Kirche nicht alle gewinnen, aber für alle da sein muss“. Und er verweist darauf, dass sich die Kirche in einem Wandlungsprozess befinde, der auch Verluste und Schwierigkeiten mitbringe. Man dürfe aber nicht den alten Zeiten nachhängen, sondern müsse die Entwicklung positiv angehen. „Eine jammernde Kirche ist eine jämmerliche Kirche“, so Göcking.

Zwei Bronzebilder zeigen die Patrone der Kirchen

Ihm ist die Motivation anzumerken. Das war offenbar schon in der Vorbereitungszeit so: „Danke für die bisherige fruchtbare Zusammenarbeit. Und wir wünschen uns, dass ihr weiterhin mit so viel Freude weiterarbeitet“, sagt Monika Strubberg, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats (PGR) Wellingholzhausen. Sie überreicht den drei Neuen zusammen mit Jörg Arndt, dem Vorsitzenden des PGR Gesmold, zwei Bronzebilder, die die Patrone der beiden Kirchen zeigen.

Jörg Arndt ist zuversichtlich. „Das ist eine Herausforderung und eine Chance, eine moderne Kirche zu sein“, fasst er zusammen. „Wir gehen mit einem tollen Gefühl in die Situation. Man hat gespürt, dass sich was tut.“

Katharina Westphal