28.12.2018

Sternsingeraktion eröffnet

500 Könige ziehen durch Lengerich

Mitten in den Weihnachtsferien platzt die Aula der Oberschule in Lengerich aus allen Nähten: Wo sonst 360 Schülerinnen und Schüler ihre Pause verbringen, wuseln heute 500 Könige, denn kurz vor dem Jahreswechsel wird hier die Sternsingeraktion für das Bistum eröffnet. Es geht um den Segen – und um ein Land in Südamerika.

 

Zum Sternsingertreffen gehörte auch ein Tanz-Workshop in der Turnhalle. Foto: Matthias Petersen

Auch für einen Weihbischof gelten Regeln: Wer die Turnhalle der Oberschule im emsländischen Lengerich betreten will, muss Plastikschuhe überziehen. In Windeseile hat Johannes Wübbe die hellblauen Schützer über seine schwarzen Schuhe gestreift, dann mischt er sich unter die Kinder und Jugendlichen. Auf dem Parkett haben sich schon 250 Sternsinger verteilt und üben eine Folge von Tanzschritten ein. Erst ganz langsam, dann immer schneller – vor und zurück, zur linken Seite, dann wieder nach rechts. Schließlich mit Musik – und angeleitet von einer Lehrerin der örtlichen Tanzschule. Auch der Weihbischof lässt sich von der Begeisterung anstecken.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der die diözesane Eröffnung der Sternsingeraktion ausrichtet, hat nach Lengerich eingeladen. 500 Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Bistum sind gekommen. Die Nummernschilder auf dem Parkplatz verraten die Herkunft – viele sind aus dem Emsland hier, aber man sieht auch Kennzeichen aus weit entfernten Landkreisen. Diepholz zum Beispiel oder Leer. In der Schulaula treffen sich nicht nur Kinder, auch Erwachsene sehen sich nach langer Zeit wieder. Ein junger Mann, ein paar Kinder im Schlepptau, blickt eine Frau mit großen Augen an. Die scheint zu rätseln, schließlich hilft er ihr auf die Sprünge: „Syke“, sagt er nur und sorgt damit für Wiedersehensfreude.

Derweil hat BDKJ-Präses Daniel Brinker auf der Bühne das Kommando übernommen. Mit einer goldenen Krone auf dem Kopf und einem Mikrofon in der Hand lässt er das Sternsingerlied singen, begrüßt neu ankommende Gruppen, fragt die Kinder, wann sie denn losziehen werden. Die meisten Gemeinden haben dafür das Wochenende vom 5. und 6. Januar vorgesehen. Schließlich holt Brinker drei wichtige Männer nach vorne – nicht die Heiligen Drei Könige, aber drei Gastgeber, die schon lange im Vorfeld wesentlich zum Erfolg des Nachmittags beigetragen haben. Schulleiter Günter Uchtmann, Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn und Lengerichs Pfarrer Heiner Mühlhäuser. Ein kräftiges Dankeschön ist den drei Männern sicher. Und der Applaus der versammelten Schar natürlich auch.

Applaus bekommt auch Verena Albers. Die 24-Jährige aus Osnabrück hat ein Jahr als Freiwillige für das Bistum in Peru gelebt. Und Peru ist das Land, um das es bei der Sternsingeraktion 2019 geht. Sie zeigt Fotos von ihrem Einsatz in einem Heim für behinderte Menschen, erzählt von René, den sie dort erlebt hat. So können sich die Sternsinger jetzt besser vorstellen, in welches Land das Geld geht, das sie an den deutschen Haus­türen sammeln werden, wenn sie zugleich den Segen für das neue Jahr bringen.

500 Kinder bei Laune zu halten, ist nicht einfach, deshalb hat der BDKJ zwei Workshoprunden vorbereitet. Eine Hälfte der Kinder zieht in die Sporthalle, die andere Hälfte verteilt sich auf die Klassenräume. Anschließend wird gewechselt. „Gar nicht erst hinsetzen, stellt euch mal in die Mitte“, werden sie im Klassenraum begrüßt. Vier Fragen bekommen sie gestellt und sollen entscheiden, was wahr ist und was falsch. „Peru liegt auf dem Kontinent Asien“ (falsch), „Es werden im Land drei Sprachen gesprochen“ (richtig), „Peru ist das drittgrößte Land Südamerikas (richtig), „In Peru gibt es vier Jahreszeiten“ (falsch). Kurz lassen sich die Kinder noch ein paar Hintergründe erläutern und hören, dass Peru natürlich in Südamerika liegt, dass dort Spanisch gesprochen wird, außerdem die einheimischen Sprachen Quechua und Aymara. Und dass es nur zwei Jahreszeiten gibt: Die Trockenzeit und die Regenzeit.“ Vor allem die Kleineren zieht es jetzt aber zu den Tischen, denn es darf gebastelt werden: Eine Krone oder ein Stern wird mit Nadeln markiert und kann bunt verziert werden.

70 Ehrenamtliche sorgen für den reibungslosen Ablauf

Zwischen den Workshops ist Pause. BDKJ-Sekretär Christian Scholüke geht mit einer Schüssel voller geschnittener Äpfel durch die Reihen, stets gefolgt von seiner kleinen Tochter, die es sichtlich genießt, mit dem Papa unterwegs zu sein. Er erzählt begeistert von den rund 70 Helfern aus der ganzen Pfarrgemeinschaft, die die Workshops leiten, als Parkplatzeinweiser fungieren, Würstchen und Brötchen an die Kinder verteilen oder für das Helfercafé arbeiten und gespendeten Kuchen ausgeben.  Hier wird deutlich: Die Sternsingeraktion funktioniert nicht ohne Erwachsene, die die Kinder unterstützen.

Weihbischof Wübbe ist so etwas wie der Stargast heute, mischt sich unter die Kinder, tanzt in der Sporthalle, hört den kleinen Königen in den Klassenzimmern zu, gibt ein Interview für das Schulradio. Manchmal trifft er auf Könige aus seiner Heimat: „Ach, ihr geht in Handrup zur Schule? Na, da kann man wohl was lernen“, sagt er und lächelt.

Zum Schluss ziehen die 500 Teilnehmer zusammen mit ihren Begleitern zur St.-Benedikt-Kirche, wo sie mit dem Weihbischof einen Wortgottesdienst feiern. Der gibt den Buchstaben des Beispiellandes eine eigene Bedeutung: Peru, sagt er, stehe für einen Plan, mit dem die Kinder und Jugendlichen loszögen, für Energie, zugleich aber auch Respekt. Schließlich für eine gewisse Unruhe, die die Kinder ruhig das ganze Jahr begleiten könne. „Denn“, so der Weihbischof, „Sternsinger seid ihr nicht nur am 6. Januar. Bringt den Menschen immer den Frieden!“

Matthias Petersen

Hier gibt es weitere Informationen zur Sternsingeraktion