05.06.2019

Pfingsten

Der Geist Gottes wirkt - hier und jetzt

An Pfingsten haben die Jünger den Heiligen Geist empfangen – und damit die Kraft gewonnen, den Glauben zu verkünden. Solche begeisterten und begeisternden Christen gibt es auch heute. Sie machen Hoffnung in schwierigen Zeiten.

Fotos: istockphoto/Sami Sert/Arivana Ningsih; Grafik: Dom-Medien GmbH
Es gibt sie an vielen Orten: Menschen, die entflammt sind vom Heiligen Geist. Fotos: istockphoto/Sami Sert/Arivana Ningsih; Grafik: Dom-Medien GmbH


Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche. Nach Tod und Auferstehung Jesu hatten sich die Jünger zurückgezogen. Am Pfingstfest empfingen sie den Heiligen Geist. So gestärkt schwärmten sie aus, verkündeten ihren Glauben, sammelten die Menschen. Und heute? Die Kirche scheint in die Jahre gekommen zu sein. Zukunftssorgen belasten, immer weniger Menschen in unseren Breiten lassen sich von der Frohen Botschaft ansprechen. Gemeinden überaltern, Kirchenaustrittszahlen steigen. 

Dazu kommen heftige inhaltliche Auseinandersetzungen. Im Zuge des Missbrauchsskandals sind viele ungelöste Fragen wieder auf die Tagesordnung gerutscht. Im innersten Kreis der Kirche werden Reformen gefordert. Sexualmoral, Zölibat, die Rolle von Frauen – alles wird diskutiert. Die Amazonas-Synode im Herbst könnte den Weg freimachen für verheiratete Priester. Selbst manche Bischöfe sprechen sich öffentlich für die Priesterweihe für Frauen aus – vor Jahren noch undenkbar. Doch damit steht die Kirche vor einer Zerreißprobe. Vieles, was in Deutschland gefordert wird, kann nicht hier beschlossen werden und hätte in der Weltkirche auch keine Mehrheit. Und auch bei uns stehen längst nicht alle Gläubigen hinter den verschiedenen Reformwünschen. 

Reformer und Bewahrer gehören beide zur Kirche. Die deutschen Bischöfe wollen den Streit in einem synodalen Weg kanalisieren – mit unsicherem Ausgang. Während der eine Bischof klarmacht, dass er von grundsätzlichen Reformen nichts hält, sagt ein anderer, dass der synodale Weg verbindliche Entscheidungen treffen muss. Wie bringt man das zusammen? Wie lässt sich die Einheit bewahren angesichts von Positionen, die unvereinbar erscheinen? Schwierige Zeiten. 
Doch auch in solchen Zeiten machen Menschen hoffnungsvolle Erfahrungen mit der Kirche: Nach wie vor kann man in ihr so vielen beeindruckenden Glaubensvorbildern begegnen. Mutigen, geistbeseelten Menschen, die den liebenden Gott mit ihrem Leben verkünden, die begeistert sind und andere begeistern, die das Feuer des Glaubens weitergeben. In den Gemeinden und Gottesdiensten finden immer noch viele Gläubige Gelegenheiten, Gott zu begegnen, und eine besondere Gemeinschaft. 

Auch junge Menschen setzen sich für den Glauben ein

Zahlreiche Christen engagieren sich für den Glauben, die Kirche und andere Menschen. Im mit Liebe vorbereiteten Familiengottesdienst ist von Spannung und Zukunftssorgen nichts zu spüren. In der 72-Stunden-Aktion zeigen junge Christinnen und Christen, wie man ganz praktisch den Glauben leben und die Welt ein Stück besser machen kann. In Trauergesprächen und bei Beerdigungen stehen Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen in ihren schwersten Stunden bei. Geht man mit offenen Augen durch Gemeinden, findet man auch jüngere Menschen, die sich für die Zukunft des Glaubens einsetzen. Einige stellen wir beispielhaft in der Druckausgabe Ihrer Kirchenzeitung vor. 
Ja, die Kirche schrumpft. Sie steht vor einem fundamentalen Wandel. Vieles wird anders werden, als es in den vergangenen Jahrzehnten war. Aber Pfingsten zeigt, dass wir auf den Heiligen Geist vertrauen dürfen. Es wird weitergehen.

Ulrich Waschki