08.03.2018

„Dinner in the dark"

Wie schmeckt es, wenn alles dunkel ist?

Pizza Margherita und Vanillepudding mit roten Beeren – das klingt lecker! Aber wie schmeckt das Essen, wenn alles dunkel ist und man gar nichts davon sieht? Bei einem „Dinner in the Dark“ im Lohner Pfarrzentrum konnten Jugendliche und junge Erwachsene ihre anderen Sinne testen.

Das wird lecker: Annika Bramkamp (v.l.), Elisa Tegeder und Ann-Kathrin Hoffmann bereiten die Pizza vor. Foto: Petra Diek-Münchow

„Augen zu und dann geht es los“, sagt Elisa Tegeder. Vom Flur führt sie Emma vorsichtig in den Raum neben der Küche, zieht einen Stuhl für sie heran und holt dann nacheinander die nächsten Mädchen. Die sollen erst mal nicht gucken, was vor ihnen auf dem Tisch steht, denn noch fällt durch die geöffnete Tür zu viel Licht in den Saal. Aber einige schnuppern schon mal, was da heute beim Abendessen auf sie wartet.

Elisa Tegeder, die seit September vergangenen Jahres ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Kirchengemeinde St. Antonius Abt in Lohne macht, hat dieses „Dinner in the Dark“ mit ihren Freundinnen Annika Bramkamp und Elisa Lübbers vorbereitet. Zwölf Kinder, Jugendliche und auch einige junge Erwachsene sind gekommen. Als Vorspeise gibt es für sie Tomatenviertel, Paprikaschnitze, Gurkenstreifen und Möhrenstückchen. Als Hauptgericht Pizza und zum Dessert Vanillepudding mit roter Grütze – aber alles im Dunkeln. Die jungen Frauen haben mit Gemeindereferentin Ann-Kathrin Hoffmann dafür alle Fenster mit Papier und Pappe zugeklebt. Nur durch einige schmale Ritzen schimmert noch ein kleiner Rest an Tageslicht durch. „Alle sollen einmal erleben, wie man sich auf seine Sinne verlassen oder eben nicht verlassen kann“, sagt die FSJlerin. Über die Sinne erfährt der Mensch sich selbst. Und die Sinne sind auch ein Weg zum Glauben und zu Gott.

Möhren knacken und Paprika quietschen

Solche Orientierung gibt zu Beginn das Tischgebet in großer Runde. Danach dürfen die Mädchen zugreifen. Vorsichtig tasten sie auf der Tischplatte umher, einige landen mit ihren Händen prompt im Wasserglas. „Ich habe geplörrt“, ruft die eine. „Ich weiß, was ich esse“, die andere. Möhren knacken, Paprika quietschen – nur verraten dürfen die Jugendlichen noch nichts. Das Kichern und Giggeln aber verrät schon, dass es ihnen gut gefällt.

Essen in Gemeinschaft, das Spaß macht:   Das war eins der Motive, warum sich Elisa Tegeder dieses Projekt ausgedacht hat. Selbst aktiv in der Emsbürener Jugendarbeit groß geworden, weiß die 19-Jährige, wie wichtig positive Erfahrungen für Jugendliche in der Gemeinde sind. „Das prägt ihr Bild von Kirche“, sagt sie. „Und Kirche kann eben auch mehr, als Gottesdienst feiern.“ In Lohne findet sie dafür beste Voraussetzungen. Fast 300 Kinder fahren jedes Jahr mit ins Zeltlager, 40 Jungen- und Mädchengruppen treffen sich regelmäßig im Pfarrzentrum. „Bei uns funktioniert die Jugendarbeit noch sehr gut“, sagt Ann-Kathrin Hoffmann.

Für die Fastenzeit hat Elisa Tegeder mit ihren Freundinnen eine ganze Veranstaltungsreihe zum Thema Sinne organisiert. Nach dem „Diner in the Dark“ steht der Film „Blinddate mit dem Leben“ auf dem Programm: eine Tragikomödie über einen nahezu blinden jungen Mann, der eine Hotelfachausbildung absolviert. Und kurz vor Ostern lädt das Projektteam zu einer besonderen Schnitzeljagd quer durch Lohne ein.

Dabei ist der Orientierungssinn gefragt, beim Abendessen im Dunkeln geht es eher um Riechen, Fühlen, Schmecken. Und da erleben die Jugendlichen Überraschungen. Nach dem Gemüse und vor dem Nachtisch steht Pizza mit Tomatensauce und Käse auf der Speisekarte – rein vegetarisch. Trotzdem glaubt mancher Salami zu entdecken, wo keine ist. Und guckt erstaunt, als das Licht wieder angeht. „Das hat besser geschmeckt als im Hellen“, sagt Milena. Vielleicht mal eine Idee für zu Hause?

Petra Diek-Münchow