19.03.2018

Anfrage

Kann jeder Pilger die Jakobsmuschel tragen?

Bisher habe ich angenommen, dass die Jakobsmuschel ursprünglich das Zeichen ausschließlich für die Pilger auf eben diesem Jakobsweg gewesen ist. Jetzt las ich, dass die Muschel als Zeichen und Erinnerung an eine Pilgerreise nach Jerusalem verliehen wurde. Ist die Jakobsmuschel nunmehr das übergreifende Symbol für das Pilgern an sich und kann sie damit von jedem Pilger, egal, wo er auch immer pilgert, getragen werden? G. S., 24107 Kiel

Die Jakobsmuschel ist das herausragende Symbol für die Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela – aber nicht ausschließlich für diesen Wallfahrtsort. Die Muschel ist im Hoch- und Spätmittelalter zum allgemeinen Zeichen für Wallfahrer geworden und wurde neben Palmwedeln an verschiedenen Orten verkauft. Metallene Pilgerzeichen mit der Darstellung einer Muschel wurden so etwa auch am französischen Ort Mont-Saint-Michel ausgegeben.

Zwar ist erwiesen, dass Pilger schon seit dem vierten Jahrhundert Andenken ihrer Reisen mitbrachten. Das waren aber meist nur Staub, Wasser oder heiliges Öl. Erst im Mittelalter haben sich die Pilgerzeichen ausgebildet: kleine Bilder und Tafeln aus Blei, Zinn oder Silber, auf denen der verehrte Heilige oder das Kultobjekt abgebildet sind. Wallfahrer aus Rom haben etwa Abbildungen der Apostel Petrus und Paulus mitgebracht, Pilger, die in Köln waren, haben ein Bild der Heiligen Drei Könige gekauft. Ab dem 11. Jahrhundert wurde die Jakobsmuschel zum Zeichen der Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Manche dieser Abbildungen wurden beim Guss von Kirchenglocken verwendet. So lassen sich heute die Wege der Pilger nachvollziehen.

Die Pilgerzeichen sind Erkennungs- und Schutzzeichen, die meist an der Kleidung getragen wur-den: an Hüten, Mänteln oder, wie heute üblich, am Rucksack. Das konnte den Pilgern Vorteile wie vielleicht eine kostenlose Unterkunft oder eine Mahlzeit einbringen.

Zum anderen ist das Pilgerzeichen der Beweis für die Daheimgebliebenen: Der Wallfahrer hat sein Ziel tatsächlich erreicht. So gibt es erst seit dem 13. Jahrhundert die bis heute übliche Urkunde in Santiago de Compostela. Vorher galt die Jakobsmuschel als Nachweis.

Von Kerstin Ostendorf