15.08.2018

Debatte um Schreiben von Benedikt XVI.

Dialog mit Juden wird nicht angezweifelt

"Im jüdisch-christlichen Dialog wird nichts zurückgenommen": Kardinal Kurt Koch äußert sich zum umstrittenen Schreiben von Benedikt XVI. 

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Kardinal Kurt Koch ist der Präsident der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum. Foto: kna


In die Debatte über einen Aufsatz des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum Verhältnis von Christen und Juden hat sich jetzt der Präsident der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum, Kardinal Kurt Koch, eingeschaltet. In einem Beitrag für den Fachdienst "Ökumenische Information" der Katholischen Nachrichten-Agentur weist er die von katholischen und jüdischen Theologen geäußerte Kritik an Benedikt XVI. deutlich zurück. Es gehe dem emeritierten Papst keineswegs um eine Infragestellung, sondern um eine Vertiefung des jüdisch-katholischen Dialogs.

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland (ARK) kritisierte die aktuellen Äußerungen Kochs am Dienstag. Der Kardinal erhelle "die Positionen des emeritierten Papstes nicht, sondern überschatten vielmehr das katholisch-jüdische Verhältnis", erklärt der ARK-Präsident, Landesrabbiner Henry G. Brandt. "Das deutsche Rabbinat ist sich in seiner Kritik am umstrittenen Aufsatz von Benedikt XVI. einig."

Der umstrittene Beitrag war in der Juli-Ausgabe der theologischen Fachzeitschrift "Communio" unter dem Namen "Joseph Ratzinger - Benedikt XVI." erschienen. Darin setzte sich der emeritierte Papst mit der Frage auseinander, ob die Kirche an die Stelle des alttestamentlichen Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel getreten sei, sowie mit der Aussage vom "nicht gekündigten Bund Gottes mit Israel".

 

Koch: Benedikt will Probleme im Dialog "spezifizieren"

In dem Text diskutiere Benedikt die "Grundüberzeugungen im jüdisch-christlichen Dialog", so Koch, "freilich nicht um sie zu problematisieren oder zu relativieren oder gar 'auszuhöhlen', sondern um sie zu spezifizieren und zu differenzieren und auf diesem Weg theologisch zu vertiefen". Insofern handele es sich bei den Überlegungen Benedikts, die ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, "um eine innerchristliche Verständigung, die den jüdisch-christlichen Dialog fördern soll, aber nicht um ein jüdisch-christliches Dialogdokument selbst".

Ausdrücklich hebt Kardinal Koch hervor: "Es ist mir wichtig, dass vor allem auf jüdischer Seite nicht Verunsicherung ausgelöst, sondern die Klarheit der katholischen Position verdeutlicht wird und dass auf christlicher Seite niemand auf den Gedanken kommen kann, Antisemitismus und Antijudaismus seien in irgendeiner Weise doch begründet und christliche Judenmission müsse oder solle doch betrieben werden."

Weil in dem Aufsatz des emeritierten Papstes viele Perspektiven enthalten seien, die im jüdisch-christlichen Dialog zu vertiefen seien, habe er, Koch, sich für eine Veröffentlichung eingesetzt. Damit werde 2nichts im jüdisch-katholischen Dialog zurückgenommen". Zu einem echten Dialog gehöre es aber, "dass die beiden Partner transparent Auskunft über ihr theologisches Selbstverständnis und Rechenschaft darüber geben, mit welchen Glaubensüberzeugungen sie sich im Dialog engagieren, ohne einander missionieren zu wollen".

Die liberal ausgerichtete Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands (ARK) bezeichnete die Entgegnung Kochs als "unzureichend, ja befremdlich". Sie bestärkten "noch die Darstellung des Altpapstes, wonach das Judentum defizitär sei", gibt Brandt zu bedenken. "Kardinal Kochs Ausführungen lassen fürchten, dass der Dialog unter falschen Voraussetzungen geführt wird." Auf jüdischer Seite wecke Koch Misstrauen gegenüber seiner Person und der katholischen Kirche.

kna