23.05.2019

Ein Musikprojekt bringt Menschen zusammen

Konzerte im Wohnzimmer

Wie bringt man Menschen zusammen? Zum Beispiel durch Musik, sagt Reinhard Wilkens. Der angehende Diakon aus Heede hat eine Band gegründet, die private Hauskonzerte gibt.

Zur „Rent a Band“ gehören (v.l.): Markus Haverkorn, Kathrin Brockmann, Martin Haverkorn, Reinhard Wilkens, Axel Rindler, Anna Bruns, Maike Terhorst. Foto: Petra Diek-Münchow

Hübsch gedeckt haben die Ordensschwestern in Heede den Tisch, es gibt Kekse und Knabbersachen. Die Thuiner Franziskanerinnen haben ihre Nachbarn zu einem kleinen Konzert eingeladen. Allerdings werden die Gäste keine frommen Kirchenlieder oder geistlichen Choräle hören, sondern 90 Minuten lang Pop und Rock – live gespielt von der Gruppe „Rent a Band“, mit Songs von Neil Young, Shawn Mendes und Sportfreunde Stiller.

Reinhard Wilkens hat die Musikband mit Freunden und Bekannten gegründet. Der selbstständige Tischler möchte nebenberuflich Diakon werden, im nächsten Jahr wird er geweiht. Zu seiner Ausbildung gehört ein sozial-diakonales Projekt in der Kirchengemeinde. Und dafür hat sich der 42-Jährige die „Rent a Band“ ausgedacht, übersetzt heißt das „Mieten Sie eine Band“. Sieben Musiker aus Heede gehören dazu: Schüler und Studenten, Angestellte, Lehrer und der Pastor der Freikirche. Sieben Konzerte gibt die Gruppe in diesen Monaten. Nicht auf öffentlichen Bühnen, sondern in kleinerer Runde privat: bei Familien zu Hause im Wohnzimmer, in einer Wohngruppe im St.-Lukas-Heim, im Schwesternkonvent.

Wer Gastgeber werden wollte, konnte sich bei Reinhard Wilkens dafür bewerben. Dabei hat er aber nicht an Frauenkreise oder Kegelvereine gedacht, die sich ohnehin oft treffen. Sondern an Menschen, die sonst vielleicht nicht so viel miteinander zu tun haben. Wer ein Konzert möchte, muss dazu auch Leute einladen, die er noch nicht so gut kennt. „Das ist die Voraussetzung“, sagt Wilkens.

„Glaube verschenkt sich in der Begegnung"

Denn mit seinem musikalischen Projekt will der Tischler Begegnung ermöglichen. „Das ist in unseren Gemeinden ein wenig abhandengekommen“, sagt er. Der 42-Jährige ist schon lange aktiv in Heede: im Kirchenvorstand, bei Kolping, in der Begleitung der Pilgergruppen. Aber immer öfter stellt er fest, dass sich Menschen vereinzeln und keine Zeit mehr füreinander haben. „Die Leute schaffen es, sonntags zur Kirche zu gehen und nicht miteinander zu reden“, sagt er. „Aber wenn Menschen sich nicht mehr anschauen und nicht mehr miteinander sprechen, dann haben wir ein großes Problem. Glauben verschenkt sich in der Begegnung.“

Wilkens weiß, dass er mit seinem Projekt das Problem nicht von heute auf morgen ändern kann. Aber die Idee kann Anstöße geben, kann vielleicht Kreise ziehen. „Musik bringt Menschen zusammen“, sagt er. „Und außerdem hatte ich richtig Lust darauf.“ Schon als Jugendlicher hat Wilkens in einer Band Schlagzeug gespielt: Rock und Heavy Metal, mit eigenen Songs: „Musik gehört zu meinem Leben dazu.“

Ist es schwer, Menschen zum Reden zu bewegen? „Das klappt oft besser als vorher gedacht“, sagt er. Sicher auch, weil jeder Musiker, jede Musikerin zu Beginn etwas über ein Lied sagt. Wilkens zum Beispiel spricht über den kanadischen Singer-Songwriter Neil Young und sein „Heart of Gold“ – ein melancholisches Stück über die Suche nach einem Herz aus Gold. „Diese Sehnsucht gibt es in vielen Liedern“, erzählt der angehende Diakon und es dauert meist nicht lange, bis die Besucher bei den „Wohnzimmer-Konzerten“ anfangen, darüber zu reden. Manchmal nur über die Musik, manchmal über ihren Glauben und ihr Leben, manchmal auch über die Kirche und was sie darin vermissen. „Für alles ist Platz“, sagt Reinhard Wilkens.

„Was, wenn Gott einer von uns wäre?"

Im Heeder Schwesternhaus hören die Gäste aufmerksam zu und lesen mit, denn die Texte gibt es auch in Deutsch. „Man kennt die Lieder ja aus dem Radio“, sagt eine der jüngeren Ordensschwestern. „Aber mit der Übersetzung versteht man sie besser und sie bekommen einen neuen Wert.“ In allen Songs geht es um das Leben, um Liebe und Sehnsucht, um Schmerz und Heilung. „Was wäre, wenn Gott einer von uns wäre?“ heißt es in dem Hit „One of us“ der US-amerikanischen Sängerin Joan Osborne. Eine gute Vorlage für intensive Gespräche – die Franziskanerinnen und ihre Nachbarn lernen sich an diesem Abend wirklich neu kennen.

Menschen begegnen und Räume öffnen – das hat sich Reinhard Wilkens für seine Tätigkeit als ständiger Diakon vorgenommen. Er hofft, dass er Menschen ermutigen und begleiten kann. Seinen Beruf will er auf keinen Fall aufgeben – diese Koppelung empfindet er sogar als wichtig. „Ich bin so näher an der Lebenswirklichkeit der Menschen dran. Für mich passt das gut zusammen.“

Petra Diek-Münchow

 

„Rent a Band“

Weitere Konzerte kann die „Rent a Band“ derzeit nicht vereinbaren, aber wer sich über das Projekt informieren will, kann am 23. Juni um 19 Uhr zum Abschlussabend in das St.-Josef-Haus in Heede kommen oder Reinhard Wilkens eine E-Mail schreiben: mail@tischler-wilkens.de