28.11.2018

Fünf Jahres neues Gotteslob

"Ich bin zufrieden bis glücklich"

Seit fünf Jahren ist das neue Gotteslob in den Gemeinden. 5,6 Millionen Stück wurden inzwischen verkauft. Selten hat ein kirchliches Buch so schnell so viel Lob gefunden wie dieses. Weil „von abgehangen bis frisch“ alles drin ist, sagt Kirchenmusikdirektor Richard Mailänder.

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In jeder Kirche zu finden: Das neue Gotteslob ist ein Erfolgsmodell. Foto: kna


Knapp vier Millionen Bücher wurden in der Erstauflage gedruckt und an Tausende Gemeinden in 38 deutschsprachigen Diözesen ausgeliefert. Etwa gleich viel alte Gesangbücher wurden verschenkt, zu Weihnachtsbaumengeln gefaltet, zu Möbeln verbaut oder entsorgt. Das neue Gotteslob am ersten Advent 2013 einzuführen, war keine Kleinigkeit. Aber es hat sich gelohnt, sagt der Kölner Kirchenmusikdirektor Richard Mailänder. „Es ist schon fast beängstigend, wie positiv die Reaktionen waren.“ Zehn Jahre lang hat ihn das Werk beschäftigt. Mit dem Ergebnis ist er „zufrieden bis glücklich“. 

Obwohl ihm „dauernd neue Ideen kommen“, was man hätte hineinnehmen sollen. „Das kirchliche Musikrepertoire lebt, und der Prozess der Veränderung ist schnell“, sagt er. Dass es in einer österreichischen Diözese schon einen Ergänzungsband zum Gotteslob gibt, sieht er deshalb positiv. „Ich finde, das ist ein gutes Zeichen. Lebendigen Glauben erkennt man auch an immer neuen Liedern.“ Bewusst habe man in den Eigenteilen der Bistümer Nummern freigelassen. „Damit sie ergänzt werden können.“


Früher Jugendschlager, heute Gemeindelieder

Wobei „neu“ und „schnell“ bei Kirchenliedern relativ ist. „Wir haben 2003 eine Umfrage gestartet, welche Lieder unbedingt in ein neues Gotteslob hinein-
sollen“, sagt Mailänder. „Kaum ein vorgeschlagenes Lied war nach 1990 geschrieben.“ Wenn also heute Lieder wie „Da berühren sich Himmel und Erde“ oder „Ich lobe meinen Gott“ zu Gemeindeschlagern geworden sind, singen die in den 1980er Jahren Jugendbewegten nur ihre Lieder weiter. 

Aber auch an mehr traditionell verwurzelte Kirchgänger hat man gedacht. „Ich denke, es ist die Mischung aus abgehangenen und frischen Liedern, mit der wir fast alle erreichen konnten“, sagt Mailänder. „Neues Geistliches Lied, Gregorianik und deutschsprachige Klassiker – da ist alles dabei.“ Als gutes Zeichen wertet er, dass es immer weniger Sonderhefte für besondere Gottesdienste gibt. „Man kann jetzt auch eine Familienmesse, eine Erstkommunion oder ökumenische Gottesdienste gut mit Liedern aus dem Gotteslob gestalten.“

Doch das Gotteslob ist mehr als nur ein Liederbuch. „Gut angenommen werden Vorschläge für Andachten, zum Beispiel in der Familie“, sagt Mailänder. Auch die Rubrik „Was bedeutet ...?“ ganz vorne im Buch sei eine gute Neuerung. „Dass es im Gotteslob Basiswissen zum Nachschlagen gibt, wissen vielleicht noch zu wenige.“

Gab es denn gar keine Kritik? Naja, sagt Mailänder, ein paar Leute gebe es schon, denen jedes moderne Lied sus-pekt ist. Andere wollen Huub Oosterhuis nicht singen. Aber das sind wenige. Häufiger war die Kritik an den abstrakten Zeichungen im Inneren. Aber über Kunst lässt sich eben schwer streiten. 

Susanne Haverkamp