18.07.2019

Urlauberseelsorge im Norden

Mehr Zeit für Seelenthemen

Auftanken, Kraft schöpfen, Entdeckungen machen: Dafür sind die Ferien da. Die Urlauberseelsorge des Bistums Osnabrück geht mit ihrem Programm mitten hinein in diese Zeit – zum Beispiel mit dem „Kirchenstrandkorb“ in Norddeich.

Willkommen am ökumenischen Kirchenstrandkorb sagen Katharina
Westphal und Karlheinz Böhmer in Norddeich. Foto: Petra Diek-Münchow

Eine kräftige Brise weht heute über den Strand in Norddeich. Gar nicht so einfach, dabei die Fahne der „Seelsorge am Meer“ zu entrollen, damit sie ordentlich über dem ökumenischen „Kirchenstrandkorb“ flattern kann. Mehrere Touristen sitzen ringsherum im Sand und schauen zu, wie Katharina Westphal und Karlheinz Böhmer sich mühen, das Banner zu befestigen. Wer sind die denn? Und was wollen die hier? Diese Fragen stehen den Gästen ins Gesicht geschrieben.

Und solche Fragen finden die Seelsorger gut – denn sie könnten die Menschen direkt zu ihnen führen. Katharina Westphal arbeitet seit Juni als Pastorale Mitarbeiterin für die „Seelsorge am Meer“– so heißt die Urlauberseelsorge des Bistums Osnabrück an der Küste. Und Karlheinz Böhmer kommt von der evangelischen Kirche, für einige Wochen ist der Österreicher als Kurpastor in Ostfriesland im Einsatz. Mit anderen Kolleginnen und Kollegen beider Konfessionen werden sie bis 31. August den „Kirchenstrandkorb“ in Norddeich besetzen – montags, mittwochs und freitags von 15.30 bis 17 Uhr. Genau da, wo andere Leute in die Nordsee springen, spazieren gehen, Krimis lesen oder Sandburgen bauen.

„Wir müssen überall da sein, wo Menschen sind“

„Mitten hinein eben“, sagt Katharina Westphal, „Kirche muss zu den Menschen gehen und nicht umgekehrt.“ Das findet auch Karlheinz Böhmer – und geht noch weiter. „Wir müssen überall da sein, wo Menschen sind.“ Nicht nur in schönen Ferienzeiten, sondern mehr noch an Orten, wo die Not bedrückend offenbar wird. Wie im Arbeitsamt, „da müssten wir eigentlich auch sitzen“, sagt der Wiener Pfarrer.

Wer möchte, kann den katholischen und evangelischen Seelsorgern im „Kirchenstrandkorb“ auch von solchen Problemen erzählen. Dafür hätten sie Zeit, dafür hätten sie ein offenes Ohr. Aber Westphal und Böhmer berichten, dass am Strand eher kurze Gespräche oder freundliche Nachfragen die Regel sind. Über die Kirche, über ihre Angebote, manchmal auch ganz einfach über den Weg zur Kurverwaltung. „Da ist ein Opener“, sagt Böhmer – ein Türöffner zu weiteren Veranstaltungen der Urlauberseelsorge. Denn am „Kirchenstrandkorb“ findet viel Programm für Familien statt, hier startet ein meditativer Spaziergang entlang der Nordsee.

Ruhe und Stille im sonst durchgetakteten Alltag

Katharina Westphal freut sich darauf, die 28-Jährige bildet jetzt mit Natalia Löster das Team der „Seelsorge am Meer“. Sie stammt aus Ostercappeln, hat in Osnabrück katholische Theologie und Kunstgeschichte studiert und gerade ihren Master in „Theologie und Kultur“ gemacht. „Die Urlauberseelsorge ist mein erster richtiger Job – und genau meins“, sagt die junge Frau. Nicht nur, weil sie Ostfriesland als ihre „Herzensheimat“ empfindet. Sondern auch, weil sie die Tourismuspastoral als große Chance sieht, die Menschen für eine gewisse Zeit zu begleiten und auf ihre Geschichten zu hören. „Ich freue mich auf eine Zeit mit Wind, Meer, Tee, unglaublich verschiedenen Leuten und spannenden Begegnungen. Und wenn die Leute hier nach der Kirche fragen, ist ihnen die Konfession meist egal.“

Sie weiß, dass sie oft auf Menschen treffen wird, die nur noch wenig oder gar nichts mehr mit der Kirche zu tun haben (wollen). Die vielleicht ein Gotteshaus nur betreten, weil sie sich für die Kunstwerke und den Baustil interessieren – und dann am Ende doch eine Kerze anstecken. „Viele Menschen suchen im Urlaub Ruhe und Stille und sie haben dann Zeit für Seelenthemen“, sagt Westphal. Für vieles, wofür im durchgetakteten Alltag zwischen Beruf und Haushalt kein Raum bleibt, „können wir in den Ferien einen Ort bieten“. Bei Vorträgen im Pfarrheim, bei Konzerten, bei Aktionen am Strand, beim Gespräch an der Kirchentür nach der Messe. „Denn bei uns sind die Gottesdienste voll.“

Petra Diek-Münchow


Zur Sache

Für Touristen und Einheimische bietet die Urlauberseelsorge des Bistums an der ostfriesischen Küste und auf den Inseln ein Programm mit Vorträgen, Konzerten, Aktionen und spirituellen Veranstaltungen an. Zum Beispiel:

Unter freiem Himmel: Am 21. Juli und 28. August beginnen jeweils um 10 Uhr ökumenische Gottesdienste an der „Luther-Eiche“ vor der Seehundaufzuchtstation in Norddeich.

Kinderkirche: Jeden Montag und Freitag gibt es bis zum 31. August um 17 Uhr am Kirchenstrandkorb am Sandstrand in Norddeich Lieder, Geschichten, Gebete und Aktionen.

Nacht der offenen Kirche: Am 15. August beginnt mit einem Gottesdienst zum Fest Mariä Himmelfahrt um 19 Uhr in St. Ludgerus in Norden ein Programm mit Impulsen und Stationen zum Stillwerden. Ein ähnliches Angebot gibt es in St. Willehad in Esens am 23. August ab 17 Uhr.

Taizégebet: Mehrfach in der Woche sind Gäste zum Taizé-Abendgebet in die katholische Kirche St. Nikolaus auf der Insel Langeoog eingeladen – das nächste Mal am 30. Juli um 22 Uhr. Ein ähnliches Angebot gibt es auf Spiekeroog in der katholischen St.-Peter-Kirche: „Singen zur Nacht“ um 21.30 Uhr am 29. Juli.

Alle Infos unter www.seelsorge-am-meer.de