26.11.2019

Bischof Stephan Ackermann muss Pläne in Rom erklären

Vatikan stoppt Pfarreireform

Das Bistum Trier plant eine umfassende Strukturreform: 887 Gemeinden sollen zu 35 Pfarreien gebündelt werden. Der Vatikan hat die Pläne nun vorerst gestoppt. 

Foto: kna/Harald Oppitz
Muss nach Rom: Der Trierer Bischof Stephan Ackermann muss im Vatikan seine Strukturreform erläutern. Foto: kna/Harald Oppitz


Der Vatikan hat sich in die im Bistum Trier geplanten Strukturreformen eingeschaltet und will Beschwerden gegen die Neuordnung der Pfarreien prüfen. Daher sei es nötig, die Neuorganisation vorerst auszusetzen, heißt es in einem Brief der Römischen Kleruskongregation an Bischof Stephan Ackermann. Zunächst müsse die Kritik einer Gruppe von Priestern sowie von Laienkatholiken sorgfältig geprüft werden. Zugleich bat der Vatikan Ackermann um eine Stellungnahme zu den Beschwerden.

Eine Bistumssprecherin erklärte, weitere Konsequenzen der Aussetzung würden derzeit geprüft. In einem ersten Schritt sagte Ackermann die geplanten Wahlen zum "Rat der Pfarrei" ab. Das neue Gremium hätte in den geplanten Großpfarreien Neuwied, Völklingen, Sankt Wendel und Idar-Oberstein gewählt werden sollen.

Die Planung für eine Neuorganisation der Pfarreien im Bistum Trier laufen seit 2013 und waren auch Thema einer Diözesansynode. Dabei geht es um neue Strukturen und inhaltliche Schwerpunkte von Seelsorge und religiösem Leben. Ackermann hatte im Oktober ein Gesetz erlassen, das die Basis für die Neugliederung der Pfarreien legt.

Die Reform sieht vor, die bisher 887 Pfarreien im Bistum, die bereits 172 Gemeinschaften bilden, künftig zu 35 Großpfarreien zusammenzulegen. Am 1. Januar 2020 sollten die ersten 15 Großpfarreien starten. Die anderen 20 "Pfarreien der Zukunft" sollen ein Jahr später errichtet werden. Ob die neue Struktur nun wie geplant umgesetzt wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Die Kleruskongregation erklärte in ihrem Bescheid zur Aussetzung der Trierer Neuorganisation, dass "die geplante Reform erhebliche Konsequenzen für das kirchliche Leben" haben werde. Es müsse sichergestellt sein, dass "das Heil der Seelen keinen Schaden leide".


Priester und Laien hatten sich in Rom beschwert

Anlass für die Intervention des Vatikan war die Beschwerde einer Gruppe von Priestern um den Trierer Pfarrer Joachim Waldorf. Zudem waren in Rom Beschwerden von katholischen Laien aus dem Bistum eingegangen.

Die reformkritische "Initiative Kirchengemeinde vor Ort" sieht sich nun durch das Schreiben aus dem Vatikan bestätigt. Initiativensprecher Harald Cronauer sagte dem "Trierischen Volksfreund", er sei "sehr erfreut darüber, dass unsere Argumente in Rom auf fruchtbaren Boden gefallen sind". Er halte es für ausgeschlossen, dass die Reform im Januar in Kraft treten könne und hoffe nun auf eine Lösung, die alle Christen im Bistum mittragen könnten.

Dagegen reagierte der Katholikenrat im Bistum mit "Erschrecken und Unverständnis" auf die Nachricht. "Die Aussetzung kommt zum absolut falschen Zeitpunkt", so das Laiengremium. Der Rat bezeichnete die Reform als "zukunftsfähigen Weg" der Kirche. Viele Menschen hätten sich darauf eingestellt, im Januar mit der Arbeit starten zu können. 

kna