20.06.2019

Weihbischof Anton Losinger im Gespräch

Globale Regeln für Künstliche Intelligenz

Weihbischof und Ethik-Experte Anton Losinger sagt, dass einer Künstlichen Intelligenz nie die Entscheidung überlassen werden darf.

Foto: kna/Harald Oppitz
Anton Losinger ist Weihbischof in Augsburg.
Foto: kna/Harald Oppitz

Der Augsburger katholische Weihbischof und Ethik-Experte Anton Losinger fordert weltweite Regeln für Künstliche Intelligenz. "Wir müssen dringen festlegen, wie wir mit all den neuartigen technischen Möglichkeiten umgehen", sagte er den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Dabei müsse es in erster Linie darum gehen, ihren Missbrauch zu verhindern. "Wir müssen die digitale Welt in die Prinzipien einpassen, die wir im Menschenrechtskatalog definiert haben".

Niemals dürfe es Künstlicher Intelligenz zum Beispiel in Form von Kriegsdrohnen erlaubt werden, Menschen nach eigenen Berechnungen zu töten, so Losinger, der dem Deutschen Ethikrat angehörte und derzeit in der von Bundesregierung einberufenen Ethikkommission "Automatisiertes und Vernetztes Fahren" sitzt. In der Strategie etwa bei der Nato sei geregelt, dass der Schussbefehl zur Verletzung oder Tötung von Menschen immer von einem Menschen freigegeben werden müsse. Das sei alternativlos. "Denn sonst wäre ja die Tötung von Menschen durch Maschinen legitimiert und jede Ethik entkräftet."

Ähnliches gelte für das autonome Fahren im Straßenverkehr. Nie dürfe einem Algorithmus in der gedachten Dilemma-Situation die Entscheidung überlassen werden, entweder eine Mutter mit Kind oder einen alten Mann überfahren zu müssen. Die Ethikkommission für das autonome und vernetzte Fahren habe festgeschrieben, dass Menschen niemals nach ihrer Anzahl oder nach persönlichen Merkmalen oder Veranlagungen gegenüber anderen aufgewogen werden dürften.

Auch beim Einsatz von Robotern etwa in der Pflege zieht Losinger klare Grenzen. Künstlich intelligente Spracherkennungssysteme könnten in der Medizin zwar gute Dienste leisten. Aber niemals dürften menschliche Zuwendung und Kommunikation durch hoch entwickelte technische Systeme ersetzt werden. Wenn jemand auf eine Pflegestation gebracht werde, dann komme er nicht nur als Patient, sondern als Mensch "mit seinen Ängsten, Sorgen und Fragen", sagte Losinger. "Er hat ein Recht darauf, dass ihm ein Mensch gegenübertritt, der darauf reagiert."

Maschinen machten in der Medizin sicher manches besser, etwa in der Diagnostik, erläuterte Losinger. "Letztendlich müssen auf der Basis dieser Diagnosen aber auch Entscheidungen gefällt werden", so der Weihbischof. Das müssten Menschen machen. 

Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten Ausgabe Ihrer Kirchenzeitung.

kna