08.03.2018

Weihbischof Johannes Wübbe über Papst Franziskus

„Wir fühlen uns bestätigt"

Auf die Menschen zugehen, Schranken abbauen – für solche Wege steht Papst Franziskus. Die Osnabrücker Bistumsleitung fühlt sich durch sein Beispiel auf ihrem Weg ermutigt, erläutert Weihbischof Johannes Wübbe im Interview.

Weihbischof Johannes Wübbe (l.) und Bischof Franz-Josef Bode im Gespräch mit Papst Franziskus. Der Weihbischof äußert sich im Interview über die Ermutigungen, die er vom Papst bekommen hat. | Foto: kna

Weihbischof Wübbe, Sie haben Papst Franziskus schon mehrfach getroffen. Wie waren die Begegnungen?

Ich bin ihm kurz nach meiner Bischofsweihe im September 2013 begegnet, als ich mit anderen neuen Bischöfen in Rom war. Das zweite Mal war zusammen mit unserem Bischof bei der offiziellen Mittwochsaudienz während des Ad-Limina-Besuches.  Der Papst war immer sehr zugewandt, aufmerksam, freundlich und immer für einen Scherz zu haben.

In welcher Sprache unterhält man sich mit ihm?

Eigentlich müsste man Italienisch sprechen. Das kann ich aber nicht. Wenn man langsam spricht, kann er auch Deutsch gut verstehen. Er antwortet dann ebenfalls auf Deutsch – wenn auch etwas gebrochen.

Manche bezeichnen Franziskus als Revolutionär. Ist er das?

Ich bin mit solchen Begriffen sehr vorsichtig. Er würde sich selbst sicher nicht so bezeichnen. Er setzt neue Akzente und will einen Strukturwandel in der Kirche. Sein Anliegen ist, die Kirche unruhig zu machen. Papst Franziskus möchte deutlich machen, dass Kirche nicht einfach nur irgendein Verwaltungsapparat ist. Wir alle sollen uns fragen: Was wollen wir als Kirche? Was ist unser ureigener Auftrag? Sind wir eine Kirche Jesu Christi, die den Menschen, die allen Menschen nahe ist? Und er fordert uns alle auf, uns entsprechend zu verändern. Das provoziert und mag einigen wie eine Revolution vorkommen.

Was ist für Sie das wichtigste Kennzeichen des Pontifikates?

Der Papst ist unkonventionell und geht auf Menschen zu. Wie er am Abend nach seiner Wahl die Menschen begrüßt hat, war ja schon unkonventionell, sehr angenehm und menschlich. Das wirkt aber erst einmal irritierend, weil wir das von solchen Würdenträgern anders gewohnt sind. Franziskus ist sich sicher seines Amtes bewusst, möchte aber ein Papst sein, der sich den Menschen zuwendet.

Der Papst in Rom ist weit weg – hat das Pontifikat auch Auswirkungen auf das Bistum Osnabrück?

Wir fühlen uns auf dem Weg bestätigt, den wir mit unserem Bischof Franz-Josef schon einige Jahre gehen, ein Weg, auf dem uns Franz-Josef ermutigt, aus der Gottesbeziehung heraus die Menschen in ihren ganz unterschiedlichen Lebenssituationen wahrzunehmen und anzunehmen. Der Bischof spricht hier ja gerne von einer Kirche, die Tiefe und Weite verbindet. Der Papst unterstützt uns in diesem Ansatz, und er zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das macht Mut.

Was lernen Sie persönlich als Bischof, wenn Sie dem Papst zuhören?

Dass ich mich selbst immer wieder kritisch hinterfragen muss: Wie lebe ich? Können die Menschen an mir ablesen, dass ich für sie da bin, vor allem die Armen und an den Rand Gedrängten?

Franziskus ist nicht unumstritten. Wie stehen Sie zu der Kritik, die geäußert wird – spontane, missverständliche Äußerungen; Verwirrung über vermeintlich unklare Haltungen der Kirche; autoritärer Führungsstil?

Wie schon gesagt: Franziskus irritiert natürlich manches Mal. Allein schon durch die Art und Weise, wie er Dinge – zum Teil auch spontan – kommentiert. Die Interviews, die er gibt: Das ist man von einem Papst so nicht gewohnt. Gleichzeitig tut uns diese Sprache doch auch oft gut. Es kann passieren, dass die Wortwahl mal nicht ganz so glücklich ausfällt, aber auch so was regt zum kritischen Nachdenken an. Und: Der Papst hat doch auch Stärke, wenn er Fehler eingestanden hat, ja sogar schon um Entschuldigung gebeten, wie das noch jüngst geschehen ist.

... und die unklare Haltung der Kirche?

Sein Kurs für die Kirche ist für mich in den Grundzügen alles andere als unklar. Ich kann mich nur wiederholen: Er will, dass die Kirche da ist, wo die Menschen sind, dass wir Probleme ernst nehmen, dass wir konkret helfen, ohne Berührungsängste. Was manchmal scheinbar zu Unklarheiten führen mag, ist doch, dass Franziskus den Menschen zumutet, eine eigene, fundierte Entscheidung in vielen Fragen zu treffen, die dann eben teilweise auch nur für bestimmte Situationen passt. Darin liegt für mich ein großes Zutrauen in Freiheit – und Verantwortung der Einzelnen.

Was wünschen Sie sich von ihm, was soll er noch anpacken?

Ich wünsche ihm erst einmal ganz viel Gesundheit und Gottes Segen und hoffe, dass sein Pontifikat noch lange währt. Ich wünsche ihm, dass er weiter um Gottes und der Menschen Willen alle Themen anpackt, die das Leben berühren. Den Menschen tut gut, dass ein Papst da ist, der sich für ihr Leben interessiert. Ein anderer Punkt: Papst Franziskus hat mehrfach betont, dass Rom nicht alles allein entscheiden muss. Er setzt auf das Prinzip der Synodalität und traut den Ortskirchen zu, Entscheidungen zu treffen. Ich wünsche ihm, dass er da weitergeht und gleichzeitig konkretisiert, was die Ortskirchen entscheiden sollen. Wir müssen dann auch den Mut haben, diesen Raum zu nutzen, den er uns gibt.

Interview: Ulrich Waschki