21.05.2018

Anfrage

Bischofswahl: Welche Rolle spielt das Domkapitel?

Welche Bedeutung und Funktion hat ein Domkapitel bei einer Bischofswahl? Warum dauert es so lange, bis ein neuer Bischof ernannt ist? Welche Aufgaben haben ein Dompropst, ein Generalvikar und ein Weihbischof dabei? B. Q., Tönisvorst

Die Rolle der Domkapitel ist in Deutschland durch sogenannte Konkordate zwischen Kirche und Staat geregelt.

Es gibt dabei, grob gesagt, zwei grundlegende Unterscheidungen, wie die Domkapitel an der Bischofswahl beteiligt sind: Nach dem Bayerischen Konkordat benennt das Domkapitel drei mögliche Kandidaten, aus denen der Papst einen zum Bischof auswählt. Im Preußischen Konkordat hingegen – und im Badischen Konkordat mit leichten Abwandlungen – wählt das Domkapitel aus einer Dreierliste, die aus Rom kommt, einen Kandidaten aus, den der Papst dann zum Bischof ernennt.

Das dauert in erster Linie deshalb so lange, weil zuvor verschiedene Personenkreise – streng vertraulich – darüber befragt werden, ob und wie mögliche Kandidaten geeignet sind für das Bischofsamt. Abgefragt werden vor allem Kriterien wie Rechtgläubigkeit, Erfahrenheit, Klugheit des Kandidaten und Ähnliches.

Die Zusammensetzung der Domkapitel, die Anzahl und Aufgaben der Kapitulare und die damit verbundenen Titel – wie zum Beispiel Dompropst oder Domdekan – und Ähnliches werden in den Rahmenbedingungen, die die Konkordate vorgeben, dann in je eigenen Statuten sozusagen als Ausführungsbestimmungen festgelegt.

Unberührt davon sind die Aufgaben eines Weihbischofs und eines Generalvikars, die im Kirchenrecht geregelt sind. Ein Generalvikar ist der Stellvertreter des Bischofs in allen Verwaltungsfragen. Sein Amt hängt unmittelbar mit dem Bischof zusammen, so dass es in der Zeit der Sedisvakanz, wenn es keinen Bischof gibt, auch keinen Generalvikar gibt. Ein Weihbischof bleibt auch dann in seinem Amt.

Sofern Generalvikar und Weihbischof Domkapitulare sind, gelten für sie auch die Regeln und Beteiligungsrechte an der Bischofswahl, die für die anderen Domkapitulare gelten.

Von Michael Kinnen