30.07.2020

Aktionswoche in der Grafschaft Bentheim

Mit Sprühdosen gegen Rassismus

Alltagsrassismus passiert überall. Darauf macht eine Aktionswoche im Dekanat Grafschaft Bentheim aufmerksam. Die Idee dazu hatten Ehrenamtliche aus dem katholischen Jugendbüro.

Die Schablone ist schon fertig: Mit bunter Kreide wollen die jungen Leute
das Motto „#lautundbuntgegenrassismus“ auf Straßen und Plätze sprühen.
Foto: privat

Wer in Nordhorn, Schüttorf oder Wietmarschen ab dem 3. August junge Leute mit Sprühdosen in der Hand sieht, sollte nicht gleich meckern, sondern sich am besten dazustellen und mitmachen. Denn die Gruppenleiter, Messdiener oder Pfadfinder aus dem ganzen Dekanat Grafschaft Bentheim wollen nicht einfach nur Graffitis an Wände malen, sondern ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Alltagsrassismus setzen. 

Mit abwaschbarer Kreide werden sie eine Woche lang auf öffentlichen Marktplätzen, Kreisstraßen und Einrichtungen mit einer Schablone das Stichwort „#lautundbuntgegenrassismus“ aufsprühen. Und sie hoffen, dass Passanten sie ansprechen und darüber reden wollen. „Alltagsrassismus ist ein Riesenthema“, sagt Sarah Schulte, Referentin im Katholischen Jugendbüro in Nordhorn. „Aber wir sprechen und streiten darüber viel zu wenig.“

Das finden auch die ehrenamtlichen Schulungsteamer aus dem Jugendbüro, die mit Sarah Schulte die Idee zu der Aktionswoche hatten. Sie verweisen auf die „Black Lives Matter“-Bewegung (englisch für: Schwarze Leben zählen), die sich gegen Gewalt an und Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe einsetzt. „Aber deshalb nur mal einen schwarzen Bildschirm bei Instagram zu posten – das reicht nicht“, sagt Schulte und meint damit eine Aktion, die im Juni in den sozialen Medien Aufmerksamkeit erregt hatte. Die jungen Leute aus der Grafschaft finden es auch wichtig, sich öffentlich in ihren Heimatorten zu positionieren und für Gesprächsstoff zu sorgen.

20 Gruppen und Jugendzentren machen ab 3. August mit 

Eine Demonstration zu organisieren, erschien ihnen wegen der Corona-Pandemie aber als zu riskant. Daher entschieden sie sich dafür, mit Sprühkreide ein Motto an vielen Orten im ganzen Dekanat aufzubringen und die Aktion mit Fotos über soziale Medien wie Instagram zu verbreiten. Über den Kreisjugendring in der Grafschaft Bentheim mobilisierte Sarah Schulte weitere Mitstreiter. „Bei unserem Vorschlag waren alle gleich Feuer und Flamme und auch der Landkreis unterstützt uns mit einem finanziellen Zuschuss.“ 

20 Gruppen machen jetzt bei der Aktionswoche mit: zum Beispiel die Katholische Jugend und die Pfadfinder aus St. Marien, die katholische Landjugend aus Wietmarschen, Jugendliche aus evangelischen Gemeinden und aus Sportvereinen sowie mehrere Jugendzentren aus Bad Bentheim, Schüttorf, Emlichheim oder Uelsen. Zuvor hatten sich die Initiatoren die Genehmigung für ihr Vorhaben von den jeweiligen Ordnungsämtern eingeholt. Sarah Schulte betont auch, dass sich die Kreide nach einigen Regengüssen von selbst von der besprühten Oberfläche wieder abwäscht. Auf private Häuser oder Zufahrten werden die jungen Leute nach ihren Worten das Stichwort nicht anbringen – es sei denn, die Eigentümer bitten die Gruppen darum. 

Auch die Kirche muss das Thema angehen

Solche Aufmerksamkeit wünschen sich die Jugendreferentin und die Schulungsteamer aber. „Das ist unser Hauptziel – wir wollen mit den Leuten diskutieren“, sagt Schulte. Ihr ist wichtig, dass das Thema Rassismus präsenter wird – dass es mehr Räume gibt, darüber offen und ehrlich zu sprechen. „Jeder von uns ist irgendwann irgendwo mal alltagsrassistisch, davon kann sich keiner freisprechen. Dessen müssen wir uns aber mehr bewusst werden und da muss jeder bei sich selbst anfangen.“

Auch die Kirche muss das Thema ihrer Ansicht nach mehr angehen. Aber das darf sich nicht nur auf lange Vorträge oder den nächsten Arbeitskreis beschränken. „Wir brauchen manchmal zu lange, bis wir handeln“, findet die Jugendreferentin. „Wir müssen mehr rausgehen damit auf die Straße.“ Und damit meint sie dann wieder nicht nur die Kirche: „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir alle für das Gleiche stehen: Vielfalt und Toleranz.“

Petra Diek-Münchow

Weitere Informationen zur Aktion gibt es im Katholischen Jugendbüro unter Telefon 0 59 21/1 54 20, www.kjb-grafschaft.de


Zur Sache

Die Aktion gegen Alltagsrassismus läuft vom 3. bis 9. August im Dekanat Grafschaft Bentheim. Am Samstag, 8. August, startet eine Gruppe um 10 Uhr am Katholischen Jugendbüro am Gildehauser Weg 72 in Nordhorn – interessierte Gäste können dazu kommen. Auch außerhalb der Grafschaft ist laut Jugendreferentin Sarah Schulte jeder eingeladen, bei der Aktionswoche mitzumachen: Dafür könnte man zu Hause zum Beispiel auf eine Wand oder auf die Terrasse das Motto „lautundbuntgegenrassismus“ selbst mit Kreide aufmalen und davon ein Foto auf Instagram mit dem entsprechendem Stichwort/Hashtag (#lautundbuntgegenrassismus) hochladen.