12.11.2020

Angebot "Alles sagen dürfen"

Ermutigung zum Gespräch

„Alles sagen dürfen“: So heißt ein neues Angebot in der Osnabrücker Pfarrei St. Johann. An drei Nachmittagen in der Woche können Besucher in der Innenstadtkirche mit einem Priester sprechen.

Eine Informationstafel weist den Weg in die Taufkapelle zu dem neuen Gesprächsangebot in St. Johann. Foto: Andrea Kolhoff

Es geht um Aussprache – um die Gelegenheit, sich vieles von der Seele zu reden. Am Ende eines solchen Gesprächs könne durchaus der Wunsch nach Absolution wie bei einem Beichtgespräch stehen, zwingend sei dies aber nicht, sagt Pfarrer Gerd Robben. Er ist einer der drei Priester, die diese Zeit zur Aussprache anbieten. Auch Pfarrer Martin Schomaker und Pastor Thomas Stühlmeyer machen mit.

So steht jeweils dienstags, freitags und samstags von 17 bis 18 Uhr eine Informationstafel vor der Kirchentür und macht darauf aufmerksam, dass ein Priester in der Taufkapelle von St. Johann für ein Gespräch zur Verfügung steht. Die Gäste können von allen Dingen berichten, die sie bewegen: von Ängsten, Trennung oder einer alten Schuld, die ihnen als wiederkehrendes Problem im Weg steht. Alles kann benannt und im Gespräch reflektiert werden. Gerd Robben vergleicht das ein bisschen mit seiner früheren Arbeit als Krankenhausseelsorger, wenn er in existenziellen Situationen am Krankenbett Gespräche mit den Patienten führte. 

Auch eine Beichte ist möglich

Er hat die Erfahrung gemacht, dass das neue priesterliche Angebot vor allem von Menschen angenommen wird, die in Not sind und das Gespräch suchen. So sei einmal eine junge Frau gekommen, die den Aufsteller „Alles sagen dürfen“ vor der Tür gesehen hatte, und dann fragte: „Was ist Beichte?“ Sie kannte sich mit der katholischen Beichte nicht aus, hatte aber dennoch ein seelsorgliches Anliegen. „Wir möchten als Kirche offen sein und Gespräche anbieten“, sagt Robben. Daraus könne sich auch eine geistliche Begleitung ergeben. 

Wenn solch eine Aussprache dann in ein Beichtgespräch mit dem Wunsch nach Absolution münde, ist dies nach seinen Worten auch möglich. Die Nachfrage nach der klassischen Beichte habe abgenommen. Aber: „Es ist ja nicht so, dass die Menschen keine Schuldgefühle mehr haben“, sagt Robben. 

Bei „Alles sagen dürfen“ könne es auch zu einem Beichtgespräch kommen, in dessen Verlauf die Menschen Ursachen erkennen. Als Priester müsse man sich dabei selbst zurücknehmen. Er frage manchmal: „Möchten Sie, dass ich etwas dazu sage?“ Dann könne man mit dem Gesprächspartner nach tieferen Gründen für das Verhalten forschen und Dinge bewusst werden lassen.  „Von einem Beichtgespräch kann eine große Ermutigung ausgehen“, sagt Robben. „In der Beichte richten wir uns auf Gott hin aus. Wir können darauf vertrauen, dass Gottes Kraft alle Wege mit uns geht.“ 

Andrea Kolhoff