15.03.2018

Gremienwahlen im November 2018

Auf Talentsuche mit „Charismen-Karten"

Im November stehen wieder Wahlen an zum Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand. Damit die Suche nach Kandidaten nicht so mühsam wird, hat ein Team Hilfen entwickelt. Die „Charismen-Karten“ sollen dabei unterstützen.

Andrea Stuckenberg-Egbers und Bernd Overhoff gehören
zum Team, das die „Charismen-Karten“ für die Gremienwahl
im November entwickelt hat. | Foto: Matthias Petersen

Bernd Overhoff nimmt einen Stapel mit Karten und reicht sie über den Tisch an Andrea Stuckenberg-Egbers. Dann liest er vor: „Netzwerker*in“, steht auf der einen, „Talententdecker*in“ auf einer anderen. Auf der Rückseite jeweils einige Worte, die den Oberbegriff näher erläutern. Zusammen mit Stefan Bange und Birgit Lemper haben die beiden Seelsorger die „Charismen-Karten“ entwickelt, mit denen es in den Gemeinden leichter fallen soll, Kandidaten für die neuen Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände zu finden. Im November wird gewählt, bald nach Ostern dürfte in den meisten Gemeinden die Suche starten.

Das Team der vier Seelsorger wünscht sich, dass die üblicherweise komplizierte Suche in diesem Jahr leichter fällt. Dafür müsse ein Perspektivwechsel her, sagt Overhoff. Weg von der Mühseligkeit, ein viel zu großes Gremium füllen zu können, indem jene überredet werden, die ohnehin schon viel um die Ohren haben – oder die gar nicht auf die Idee kämen, sich zur Wahl zu stellen. Overhoff überspitzt bewusst, wenn er nach Beispielen sucht: „Der geht gerade in Rente, der muss doch Zeit haben.“ Oder: „Die ist in der Frauengemeinschaft, die macht bestimmt mit.“ Die Karten sollen die Gemeinden dazu bewegen, zunächst zu überlegen, welche Aufgaben überhaupt anstehen: „Wenn eine Gemeinde die Musik im Gottesdienst fördern möchte, muss sie natürlich nach Musikern suchen“, sagt Stuckenberg-Egbers. Und wenn sie keine finde, müsse sie sich vielleicht fragen, ob das die richtige Aufgabe ist. Eine Gemeinde, die in andere soziale Bereiche hineinwirken wolle, brauche wahrscheinlich „Netzwerker“, die Kontakte in die entsprechende Szene herstellen, die Glauben und Leben miteinander in Einklang bringen.

Leitungsverantwortung auf viele Köpfe verteilt

Beide stellen sich vor, dass die Karten helfen können, solche Menschen zu finden und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Wenn ich weiß, dass jemand bestimmte Gaben hat, kann ich ihm das auch einmal sagen“, sagt Overhoff. Das könne das Gegenüber bestärken, ihm Mut machen und ihn dazu bewegen, seine von Gott geschenkten Talente, die Charismen, zum Wohl der Gemeinde einzubringen. Beim Talententdecker steht dann „Du hast einen Blick für das, was andere gut können“, beim Netzwerker „Du kannst Menschen zusammenbringen“. „Wenn wir ihm sagen, dass seine Stärken gebraucht werden, ist das doch ein positives Zeichen“, sagt Overhoff. Auf diese Weise stehe nicht mehr die zwanghafte Suche nach Kandidaten im Mittelpunkt, sondern eher die Frage: „Wer kann eigentlich was?“

Overhoff und Stuckenberg-Egbers appellieren, sich mit dieser „Charismen­orientierung“, wie sie es nennen, ausgiebig zu beschäftigen. „Oft ist es doch so, dass diejenigen, die nicht mehr kandidieren wollen, verdonnert werden, Nachfolger zu bringen“, sagt Overhoff. Stelle sich der Pfarrgemeinderat aber zunächst einmal die Frage nach den zukünftigen Aufgaben, könne er diesen Prozess auch ganz anders angehen. Overhoff plädiert stark für den Prozess der „Kirche der Beteiligung“, bei dem die Leitungsverantwortung auf eine Vielzahl von Köpfen verteilt wird. So sei der Pfarrgemeinderat dann auch kein „Schnittchenschmiergremium“, wie er es schon gehört habe. „Die Wahlen werden in den Gemeinden immer als schweres Thema angesehen. Mit diesem Perspektivwechsel kann es aber gelingen, damit eine gewisse Leichtigkeit zu verbinden.“

Für die Gremienwahl 2018 ist ein neues Logo entwickelt worden: Ein Megafon und der Schriftzug „deine Stimme – deine Kirche“ sind zu sehen. „Das Megafon verstärkt die Stimme des Sprechenden und so ist es auch im Zusammenhang mit den Gremienwahlen gedacht“, erklärt Franz-Josef Tenambergen vom Katholikenrat. „Bring dich mit deiner Stimme in die Kirche ein, damit deren Anliegen Gehör finden“, ergänzt er. Zugleich klinge im Slogan die Verbindung zum Bistumsprozess „Kirche der Beteiligung“ an: „Verantwortung muss in der Kirche auf viele Schultern verteilt werden. Da spielen die Gremien eine wichtige Rolle.“

Gemeinden können Größe der Gremien in Zukunft selbst bestimmen

Erleichtert wird den Gemeinden in diesem Jahr die Arbeit durch eine neue Regelung: Die Größe des Pfarrgemeinderats (PGR) können sie ab sofort selber bestimmen. Der amtierende PGR entscheidet über die Größe des künftigen Gremiums innerhalb einer Spanne von fünf bis 18 Mitgliedern. 44 Gemeinden hatten vor vier Jahren einen Antrag auf Reduzierung der Sitze gestellt. Beim Kirchenvorstand ist die Lage etwas anders: Hier gab es eher Anträge, die Anzahl der Sitze zu erhöhen.  

Eine weitere Anregung: Es gibt zwar weiterhin einen festgelegten Wahltermin (10./11. November), aber die Möglichkeit der Briefwahl soll stärker beworben werden, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen. So können – neben dem Pfarrbüro – verschiedene Orte in den Mittelpunkt rücken, etwa das Altenheim oder die Kindertagesstätte.
Sind die Gremien dann gewählt, wartet noch eine Neuerung: Anders als bisher werden die Seelsorgeteams nicht mehr geschlossen Mitglieder des Pfarrgemeinderats sein. Neben dem Pfarrer sind jetzt noch zwei bzw. drei von ihnen stimmberechtigte Mitglieder. Der Rest kann beratend (mit Rede- und Antragsrecht) dabeibleiben.

Matthias Petersen

Weitere Informationen: www.deinestimme-deinekirche.de