06.12.2018

Wie lassen sich Plastik und Abfall reduzieren? Eine Familie gibt Tipps

Besser leben ohne Müll

Kein Abfall mehr. Das hat sich Birgitta Bolte vorgenommen und hält mit ihrer Familie eine Müll-Diät. In kleinen Schritten arbeiten sich die Boltes seit zwei Jahren vorwärts und konnten schon in vielen Bereichen Abfall und Verschwendung vermeiden. Ein paar Tipps.

Glasbehälter, Holzzahnbürste, Stoffbeutel und umfangreiches Infomationsmaterial: Birgitta Bolte aus Rheine versucht, Müll und Verschwendung zu vermeiden. Foto: Christoph Brüwer

Auf Plastik verzichten und Abfall reduzieren – das ist nicht einfach. Birgitta Bolte versucht es mit ihrer Familie trotzdem. Begonnen haben sie ihren Zero-Waste-Lebensstil (auf deutsch: Kein-Abfall-Lebensstil) in der Fastenzeit 2017. Auch danach haben sie ihre Lebensweise beibehalten, als sie sich weiter über die Auswirkungen von Plastik auf Umwelt und Gesundheit informiert haben. „Man muss sich aus seiner Komfortzone herausbewegen und muss alle seine Gewohnheiten unter die Lupe nehmen, ob das wirklich so sein muss“, sagt Bolte. So gelinge es, festzustellen, auf was man verzichten könne. Wie kann es gelingen, Abfall und Plastik im Alltag zu reduzieren?


Start im Badezimmer
Mit den ersten Umstellungen hat Birgitta Bolte im Bad begonnen und sich angeschaut, was dort alles weggeworfen wird. Das seien vor allem Damenhygieneartikel sowie Utensilien zum Abschminken, Papiertaschentücher und leere Plastikflaschen, erzählt sie. Sie verwendet jetzt eine Menstruationstasse, Bambuszahnbürsten, kaubare Tabs statt Zahnpasta und selbst gemachtes Deodorant.
Beim Duschen benutzt die ganze Familie festes Shampoo. Dieses werde direkt in das nasse Haar eingerieben und sei dadurch besser zu dosieren als herkömmliches Shampoo aus Plastikflaschen. „Zero Waste heißt eben auch keine Verschwendung“, sagt Bolte. Sie empfiehlt daher, die bereits gekauften und angebrochenen Flaschen und Dosen erst aufzubrauchen oder zu verschenken, statt alles sofort zu entsorgen.


Einfache erste Schritte
„Das Einfachste ist, mal Stoffbeutel mitzunehmen zum Einkaufen“, sagt Bolte.  Auch ein Korb ist eine Alternative zu den Tüten im Supermarkt. Ein weiterer Schritt kann es sein, Getränke von Plastik- auf Glasflaschen umzustellen oder gleich Leitungswasser zu trinken. „Leitungswasser ist, das liest man immer wieder, das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Warum soll ich das dann nicht auch trinken?“, sagt Bolte. Mit Wassersprudlern könne man auch Kohlensäure zum Leitungswasser hinzufügen. Diese Geräte gibt es auch mit Glasflaschen.


Einkaufen nach Plan
Alle zwei Monate fährt Familie Bolte zum Unverpacktladen nach Münster. Dort können viele Produkte wie Nudeln, Reis oder Zucker in selbst mitgebrachte Behälter gefüllt und nach Gewicht bezahlt werden. Solche Unverpackt-Läden gibt es in vielen größeren Städten. Regionale und saisonale Produkte kauft die Familie auf dem Wochenmarkt, viele andere Lebensmittel im Bioladen. Auch im Supermarkt sei es aber möglich, beispielsweise beim Gemüsekauf auf die kleinen Plastikbeutel zu verzichten. Mit Essensplan und Einkaufsliste lässt sich der Einkauf außerdem auf das reduzieren, was wirklich gebraucht werde. Auch Kleidung kauft Familie Bolte nur dann, wenn sie wirklich benötigt wird. Kleidung und Spielzeug für die Kinder kauft die Familie gebraucht und verkauft oder verschenkt sie später wieder.


Wäsche waschen
Ihre Wäsche wäscht Familie Bolte mit Kastanien oder Efeu. Kastanien werden geschreddert und getrocknet. In einem Glas werden dann drei Esslöffel mit heißem Wasser aufgegossen und über Nacht ziehen gelassen. Aus den Stücken lösen sich dann waschmittelähnliche Stoffe, die als Flüssigwaschmittel verwendet werden können. Kastanienvorräte sammelt die Familie im Herbst. Das mache auch den Kindern Spaß, sagt Birgitta Bolte. Efeu gibt es das ganze Jahr über. Ätherische Öle können für den Duft hinzugemischt werden. Für den Urlaub füllt Bolte Waschmittel aus dem Unverpacktladen ab, da andere Alternativen zu umständlich sind.


Selbst machen und reparieren
„Vieles versuche ich selber zu machen, aber alles schafft man nicht“, sagt Bolte. Selbst gebackene Kekse oder Waffeln ersetzen in der Familie beispielsweise gekaufte Süßigkeiten in Tüten. Eine Grundlage des Zero-Waste-Lebens sei es auch, Dinge lange weiterzunutzen und kaputte Geräte nach Möglichkeit reparieren zu lassen, statt sie gleich zu ersetzen.


Manches ist nicht zu ändern
„Natürlich kann nicht jeder alles umsetzen“, sagt Birgitta Bolte. Die Umstellung auf ein plastik- und müllfreies Leben sei ein Prozess, der manchmal auch Jahre dauern könne. Aber allein für die Umwelt und die eigene Gesundheit sei es sinnvoll, auf Plastik zu verzichten und müllfrei zu leben, sagt Bolte.


Informieren im Internet
Birgitta Bolte informiert sich in Internetblogs, in YouTube-Videos oder Büchern über selbst gemachte Alternativen zu Produkten, die viel Abfall verursachen oder darüber, wie sie auf bestimmte Dinge verzichten kann. Für Einsteiger empfiehlt sie das Buch „Ein Leben ohne Müll. Mein Weg mit Zero Waste“ von Olga Witt, da das Buch umfassende Informationen zum Start anbietet.

Christoph Brüwer

Weitere Informationen und Tipps zum Thema:
www.einfachzerowasteleben.de
www.wastelandrebel.com