22.10.2021

Dialog mit Gott

Beten heißt auch danken

Viele Menschen nutzen das Gebet für einen Dialog mit Gott und um ihm Danke zu sagen. Kleine Kinder können mit einfachen Worten beten, viele Seniorenkreise pflegen das Beten in Gemeinschaft. Einige Bücher machen Vorschläge dazu.

Das Buch für Kinder findet klare Worte: „Ich bin verletzt und werde getröstet. Danke, lieber Gott, dass du mir durch andere Menschen hilfst“ (links). – „Ich decke den Tisch und esse zu Abend. Gott danke, dass du auch bei uns bist.“ (rechts)

Klar, das Vaterunser kennen viele Christen und beten es auswendig mit, wenn es gemeinsam gesprochen wird. Es verbindet Messdiener und Lektoren, Jung und Alt gleichermaßen. Darüber hinaus gibt es Gebete, die für ein bestimmtes Lebensalter besonders passend sind, zum Beispiel für kleine Kinder, die gerade lernen, dass sie mit Gott sprechen können wie mit einem Freund, für Jugendliche oder Senioren. Im österreichischen Tyrolia Verlag finden sich gute Bücher mit passenden Gebeten für diese Gruppen.

Eins davon ist von dem Theologen Hanns Sauter, der in seinem Werk „Ich komme zu dir, Herr“ Gebete für ältere Menschen zusammengestellt hat. Immer, wenn ihm viele Dinge durch den Kopf gehen, nutzt Sauter das Beten, um die Gedanken zu klären. Er tritt ein in ein Gespräch mit Gott, wie der 70-Jährige  im Vorwort zu seinem Buch schreibt. „Für mich ist es selbstverständlich geworden, mit ihm zusammen über mein Leben nachzudenken, mich bei ihm auszusprechen über alle Dinge, die mich bewegen, und die nächsten Schritte zu überlegen“, schreibt der Theologe. 

Das Buch von Hanns Sauter versammelt Gebete unter den Kapiteln „In eigener Sache“, „Für andere“ und „In Gemeinschaft“, die für verschiedene Lebenslagen passend sind; man muss kein Seniorenalter haben, um sich von einem Gebet für den verstorbenen Partner, für Trauernde, für ein Enkelkind, für junge Menschen oder „Für alle, die mich um etwas bitten“ angesprochen zu fühlen.

Darüber hinaus gibt Sauter, der in Österreich in der Seniorenpastoral tätig ist, Tipps für ein lebendiges Gebetsleben in einer Gemeinde. Die Vorschläge eignen sich für viele Pfarrgemeinden und ihre Seniorenkreise:


Fürbittgebet
Senioren treffen sich wöchentlich zum Gebet in der Kirche. Die Anliegen werden dem ausliegenden Fürbittbuch entnommen. Im Anschluss bleibt die Gruppe noch zum Austausch zusammen.


Allein und doch gemeinsam
Eine Gruppe, die nicht zusammentreffen kann, legt einen bestimmten Zeitpunkt zum gemeinsamen Gebet fest. Jeder und jede betet dann für sich und doch in gemeinsamer Verbundenheit.


Rosenkranz
Nachbarn kommen regelmäßig zum gemeinsamen Rosenkranz zusammen. Jeder bringt auf einem Zettel seine Gebetsanliegen mit. Die Zettel werden vorgelesen, in einer Schachtel gesammelt und während des Gebets in die Mitte gestellt, nach dem Gebet bis zum nächsten Treffen aufgehoben und dann aktualisiert. Tipp: Auch Einzelpersonen können für ihr Gebet einen solchen Zettelkasten anlegen.


Kerze anzünden
Jederzeit zu Hause möglich: eine Kerze anzünden oder ein batteriebetriebenes LED-Licht nehmen und ins Fenster stellen. Dabei ein Bittgebet oder Dankgebet sprechen. Auch beim Besuch einer Kirche kann man eine Kerze anzünden und beten.


Gebetsruf
Eine Gruppe trifft sich zu einem bestimmten Zeitpunkt, was zuvor bekanntgegeben wird: im Pfarrbrief, per Aushang, mit Handzetteln oder auf Facebook und Instagram. Die Gruppe ist während des Treffens telefonisch erreichbar. Wer möchte, dass in seinem bestimmten Anliegen gebetet wird, ruft an.


Anbetung
Der Seniorennachmittag beginnt oder endet mit einer Viertelstunde vor dem Allerheiligsten. Das ist eine Gelegenheit zur stillen Anbetung.


Gebetbuch gestalten
Die Frauen und Männer des Seniorenkreises gestalten für die Erstkommunionkinder oder die Firmkandidaten der Gemeinde ein Gebetbuch. Jeder und jede kann sich beteiligen, schreibt ein Gebet, ein Segenswort, einen Bibelvers auf ein Blatt Papier, diese Blätter werden kopiert und gebunden, so dass für jedes Kind und jeden Jugendlichen ein Heft entsteht.
 

Sonntagsmesse gestalten
Mehrmals im Jahr kümmert sich der Seniorenkreis um die Gestaltung der Sonntagsmesse, setzt sich mit dem Liturgiekreis zusammen, sucht Lieder aus und Gebete. 


Gebetbuch für Seniorenkreis
Der Seniorenkreis stellt sich sein eigenes Gebetbuch zusammen. Dazu gibt es ein Ringbuch, für das jemand verantwortlich ist. Wer ein Gebet mit anderen teilen möchte, gibt es der verantwortlichen Person, die es einheftet. Die Gebete sind nach Thema geordnet und können zu verschiedenen Anlässen gebetet werden.


Gebetsbiografie erstellen
Eine Gebetsbiografie erstellen kann in der Gruppe geschehen, aber auch von Einzelnen durchgeführt werden. Dazu fragen sich die Gläubigen, welche Gebete sie im Laufe des Lebens gebetet haben, welche ihnen besonders lieb waren oder welche oft gebetet wurden. Welche Kindergebete sind dabei, Tischgebete oder Gebete im Gottesdienst? Was haben wir mit unseren Kindern gebetet, was beten wir mit den Enkeln, was beteten wir, als Not das Beten lehrte? Zu welchen Anlässen wurde in der Familie gebetet? Gibt es einen roten Faden im Gebetsleben? Woran möchten wir festhalten? Am Dank?


Stichwort Firmkandidaten
Viele der Vorschläge, die für die Seniorenkreise gemacht werden, eignen sich auch für Frauengruppen oder Familienkreise. Der Vorschlag, ein Gebetbuch zu erstellen, kann auch gut für die Gruppe der Firmbewerber abgewandelt werden.

Die Firmkandidaten können als Gruppe zusammen mit den Katecheten ein Gebetbuch erstellen. Dabei könnten sie zunächst überlegen, warum sie beten, wofür sie beten, weshalb sie das Beten vergessen haben, für welche Person sie gerne beten würden und ob sie sich selbst etwas von Gott erbitten würden. Diese Anregungen werden als „FAQ“-Fragen (frequently asked questions, wie auf vielen Internetseiten) gesammelt und in einen Zettelkasten geworfen. Wenn der Kasten später geöffnet und die Fragen vorgelesen werden, darf jeder für sich eine Antwort auf eine der Fragen notieren. Diese Zettel müssen nicht öffentlich vorgelesen werden. 

Um mit jungen Menschen übers Beten ins Gespräch zu kommen, eignet sich das Buch „Echtzeit“ von Stephan Sigg. Der Schweizer Theologe (Jahrgang 1983) versammelt darin Gebete zu einem fiktiven Tagesablauf. Nicht jeder wird sich in jedem Gebet wiederfinden, aber die verschiedenen Texte betreffen ganz unterschiedliche Facetten des Lebens und  sprechen viele Jugendliche an.

Andrea Kolhoff