06.10.2021

Für neues Gremium bewerben

Betroffenenrat soll mithelfen

Die drei norddeutschen Bistümer rufen Betroffene von sexualisierter Gewalt auf, in einem Betroffenenrat künftig an der Aufarbeitung des Missbrauchs mitzuwirken. Diese Mitwirkung ist den Bischöfen ein großes Anliegen.

Der Betroffenenrat des Erzbistums Hamburg sowie der Bistümer Osnabrück und Hildesheim wird aus bis zu neun Personen bestehen und zum Thema sexualisierte Gewalt als Expertengremium tätig sein. Drei der stimmberechtigten Mitglieder sollen aus dem Kreis der Betroffenen kommen. Betroffene, Angehörige von Betroffenen oder Betreuerinnen und Betreuer von Betroffenen können  sich jetzt bewerben. Ein unabhängiges Auswahlgremium, das für diesen Zweck gebildet wird, entscheidet über die Mitgliedschaft. Das Auswahlgremium bilden die Sozialarbeiterin Sylvia Egelkamp, die Rechtsanwältin Elif Gencay, der Sprecher der Initiative Missbrauch in Ahrensburg, Anselm Kohn, die Systemische Beraterin Karin Niebergall-Sippel sowie der Geschäftsführer der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen, Hanspeter Teetzmann.

„Viel zu sehr haben wir in der Vergangenheit – auch ich selber – vom Täter und vom Schutz der Institution Kirche her gedacht. Ich bin dankbar, dass wir seit einigen Jahren immer mehr lernen, von den Betroffenen her zu denken und zu handeln“, betont  Bischof Franz-Josef Bode. Auch sein Amtskollege Heiner Wilmer aus Hildesheim stellt selbstkritisch fest, dass transparente Aufarbeitungsvorhaben durch externe Fachleute innerhalb der Kirche in vielen Fällen auf Betroffene zurückgingen, die sich an die Öffentlichkeit gewandt hätten. „Ich bin den Betroffenen sehr dankbar für diesen enormen Mut.“ Ihm sei es ein großes Anliegen, Betroffene in transparente Aufarbeitungsprozesse einzubeziehen.

Beteiligung von Betroffenen soll gewährleistet sein

Der Betroffenenrat entsendet drei Personen als Mitglieder in die gemeinsame Kommission zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt auf Ebene der norddeutschen Metropolie. Die gemeinsame Aufarbeitungskommission und der Betroffenenrat sollen gewährleisten, dass die externe Expertise und die Beteiligung von Betroffenen in der unabhängigen Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in den drei beteiligten Bistümer jederzeit garantiert sind. Die Berufung dieser Gremien basiert auf der von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs verabschiedeten „Gemeinsamen Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“.

Das Erzbistum Hamburg ist 1995 aus Gebieten der Bistümer Hildesheim und Osnabrück hervorgegangen. Deshalb wurde die Bildung einer gemeinsamen Aufarbeitungskommission und die Berufung eines gemeinsamen Betroffenenrates vereinbart. Insgesamt wird die Kommission neun Mitglieder  haben, drei von ihnen werden aus dem Betroffenenrat entsandt und als Expertinnen oder Experten mitwirken. Die diözesanen Ansprechpersonen für Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt sowie die Präventions- bzw. Interventionsbeauftragten der Diözesen werden als Gäste an den Sitzungen der Kommission teilnehmen. (kb)

Hinweis:

Bewerbungen zum Betroffenenbeirat sind bis zum 30. November 2021 möglich. Ein Aufruf zur Mitwirkung in dem Gremium, dessen Statut sowie Informationen über die Personen, die das Auswahlgremium bilden, sind hier abrufbar.