30.09.2021

Bienenfreundliche Gräber auf Friedhöfen

Blüten locken Wildbienen an

Kirchengemeinden können sich dafür einsetzen, dass Gräber auf den Friedhöfen bienenfreundlich bepflanzt werden. Dabei sollten sie sich fachlich beraten lassen. Das Ergebnis sieht nicht nur schön aus, sondern nutzt auch den Insekten und der Umwelt. 

Mustergrab auf dem Neuen Friedhof Lingen: Blühende Pflanzen bieten bis in den Herbst hinein Nahrung für Wildbienen. Foto: Holger Berentzen

Die Honigbiene kennt jeder, zu den wichtigen Bestäubern zählen aber auch verschiedene Wildbienen. Über 560 verschiedene Wildbienenarten gibt es in Deutschland und diese finden oft nur noch wenig Nistmöglichkeiten und immer weniger Futter, denn eine aufgeräumte Kulturlandschaft trägt zum Rückgang der Pflanzenvielfalt bei. Besonders betroffen sind Wildbienen, wenn sie auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind. Kirchengemeinden können aktiv werden und Freiflächen mit bienenfreundlichen Stauden bepflanzen. Das funktioniert auch auf Friedhöfen, wie ein Beispiel aus Lingen (Emsland) zeigt.

 

Sich vernetzen
In der Stadt Lingen haben Vertreter der katholischen Kirchengemeinde vorgeschlagen, auf dem größten Friedhof der Stadt, dem Neuen Friedhof, bienenfreundliche Pflanzen zu etablieren. Wie Holger Berentzen, Gemeindereferent für die Stadtpastoral in Lingen, berichtet, habe man die Verwaltung des Friedhofs angesprochen und sich mit Friedhofsgärtnern und Steinmetzen zusammen- getan, damit diese Mustergräber bepflanzen, die im Eingangsbereich liegen. So können Friedhofsbesucher sich ansehen, wie gut eine bienenfreundliche Grabgestaltung aussehen kann.

Der Neue Friedhof Lingen wird von der Friedhofskommission verwaltet, in der Mitglieder von katholischer, evangelisch-lutherischer und evangelisch-reformierter Kirche vertreten sind. Geschäftsführer ist Florian Heinen. Wie Heinen berichtet, wurden fünf Doppelgrabstellen und ein Einzelgrab als bienenfreundlich bepflanzte Mustergräber gestaltet. Das könne aber nur eine Anregung sein. Letztendlich müssten die Nutzungsberechtigten ihre Grabstellen selbst ebenfalls bienenfreundlich bepflanzen. 

 

Stichwort Wildbienen
Faltblätter, die auf dem Friedhof erhältlich sind, informieren über das Projekt. „Die Emsländer schützen Wildbienen“ heißt es im Flyer. Darin sind einige der Bienengattungen, um die es geht, mit Fotos aufgeführt: Blattschneiderbiene, Goldwespe, Grabwespe, Hosenbiene, Kuckucksbiene, Mauerbiene, Rostrote Mauerbiene und Schlupfwespe.

 

Bienenfutter
Der Flyer listet auch die Pflanzen auf, die für Wildbienen gute Nahrungsquellen sind, und zeigt sie mit einem kleinen Foto: Aster, Distel, Eisenkraut, Fingerhut, Flockenblume, Gewöhnliche Braunelle, Gilbweiderich, Glockenblume, Goldrute, Hornklee, Johanniskraut, Kamille, Katzenminze, Königskerze, Kriechender Günsel, Lavendel, Leinkraut, Mädesüß, Margerite, Nachtkerze, Natternkopf, Oregano, Pfefferminze, Rainfarn, Rote Lichtnelke, Rotklee, Salbei, Schafgarbe, Seifenkraut, Storchschnabel, Veilchen, Wasserdost, Wegwarte, Wicken und Wilde Möhre. Viele davon können für eine farblich spannende Grabgestaltung  genutzt werden; blühender Lavendel, Salbei und Astern sehen nicht nur schön aus, sondern locken auch Schmetterlinge und Bienen an. Darüber hinaus lassen sich diese Pflanzen auch in Beeten auf Kirchengrundstücken ansiedeln. 

 

Alle Flächen nutzen
Die Idee, den Wildbienen mehr Nahrung zu bieten, beschränkt sich auf dem Neuen Friedhof in Lingen nicht auf Grabstellen. Es wurde laut Heinen auch eine etwa 150 Quadratmeter große Blühwiese angelegt, die mit einer Buchenhecke eingefasst wurde. Holztafeln informieren dort über die vorhandenen Pflanzen. Außerdem wird die Rasenfläche rund um die Kapelle nicht mehr so oft wie früher gemäht, damit Blümchen, die sich dort ausgebreitet haben, von den Bienen angeflogen werden können.

 

Fachwissen einholen
Alle Maßnahmen wurden in Absprache mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Naturschutzstiftung Emsland durchgeführt. Das sei von Vorteil, denn dadurch könne man von deren Sachkenntnis profitieren, sagt Holger Berentzen. So wurden für die Insekten Wasserstellen geschaffen und Nisthilfen angebracht. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Nisthilfen an einem sonnigen Ort mit südlicher Ausrichtung platziert werden und die Löcher von innen glatt und vor Nässe geschützt sind. Die Nisthilfen sollten aus geeignetem Material – hohle Stängel, altes Holz oder Lehm – sein. Nicht geeignet seien Zapfen, Stroh, Hohlziegel, Ytongstein, Rindenstücke und Plastikröhrchen. 

 

Besucher informieren
Den Flyer können Friedhofsbesucher mit nach Hause nehmen und als Inspiration für ihre Gärten nutzen. Denn die bienenfreundlichen Pflanzen lassen sich auch im heimischen Garten im Staudenbeet unterbringen. Dass weder Kiesgräber noch Kiesbeete in Vorgärten insektenfreundlich sind, habe sich inzwischen wohl herumgesprochen, meint Berentzen. Und pflegeleicht seien sie auch nicht: Irgendwann sprießen zwischen den Kieselsteinen Unkrauthalme hervor und die weißen Steine werden von grünem Moos überwachsen.

Andrea Kolhoff