06.09.2022

Saisonware einkaufen

Birnen statt Mangos

Heimisches Obst und Gemüse hat eine bessere CO2-Bilanz als Früchte, die aus Übersee kommen. Man kann das ganze Jahr über auf Produkte aus Deutschland zurückgreifen, sagt Ulrike Kornhage, Hauswirtschaftsleitung der Katholischen Landvolkhochschule (KLVHS) Oesede im Interview.




Wenn mein Vorsatz ist, für meinen Haushalt möglichst regional und saisonal einzukaufen und zu kochen, worauf muss ich achten?

Die beste und erste Richtschnur ist nach wie vor der Saisonkalender, dieser ist im Internet einzusehen unter „www.regional-saisonal.de“. Das ist eine Zusammenstellung darüber, welches Gemüse und welches Obst bei uns zu welcher Jahreszeit Saison hat, also zu welcher Jahreszeit es heimische Erdbeeren gibt, wann die Erbsen reif sind und wann es frischen Spinat aus Deutschland gibt.

Das heißt, ich kann das dort nachschauen und entsprechend beim Einkaufen darauf achten.

Ja.

Wenn ich mich danach richte, lasse ich mich auch auf Einschränkungen ein?

Ja, zumindest zeitweise, aber das heißt nicht, dass Sie auf leckere Speisen verzichten müssen. Es ist nicht immer alles jederzeit als Frischware verfügbar, aber es gibt trotzdem ein großes Angebot; und vieles kann auch als Lagerware oder Tiefkühlkost gekauft werden. Einige Gemüse sind auch ganzjährig aus der Region verfügbar wie zum Beispiel Champignons oder Möhren.

Und frisches Gemüse aus Deutschland gibt es dann nur im Sommer?

Also, von Mai bis Oktober ist das Angebot an heimischem Gemüse sehr groß. Bohnen, Gurken, Tomaten, Salate, Kohlrabi und Brokkoli – das wächst alles in Deutschland und man kann es als saisonales Gemüse einkaufen. Das ist nicht teurer, aber auch nicht günstiger als die Importe, dafür aber aus der Region.

Nach Oktober wird es schwieriger?

Nicht wirklich, Sie haben bis in den Winter hinein Kohlsorten wie Wirsing und Spitzkohl, auch Feldsalat und später Grünkohl, außerdem Pastinaken und Steckrüben Rote Beete…. Viele Kohlsorten kann man ja auch gut lagern, wenn man einen kühlen und trockenen Raum hat, zum Beispiel Rotkohl, der hält sich mehrere Monate ebenso Möhren, Porree und Rote Beete, wenn ich sie kühl und am besten in der Erde lagern.

Und wenn ich keinen Lagerplatz habe?

Sie können Rotkohl, Rosenkohl oder Grünkohl aus Deutschland natürlich auch als Tiefkühlware kaufen. Am besten noch nicht verarbeitet, also nur zerkleinert, lässt sich gut dosieren, Sie entnehmen dem Packet nur so viel wie benötigt wird. Dann muss es nicht der fertig zubereitete Rotkohl oder Spinat sein.

Und wenn mein Gefrierfach für die Tiefkühleinkäufe nicht ausreicht?

Sie können auch auf Konserven zurückgreifen, zum Beispiel Gläser oder Dosen mit Rotkohl oder mit Sauerkraut; am besten auch möglichst pur, ohne weitere Zusätze.

Also kann ich das ganze Jahr über heimisches Gemüse essen?

Ja, Zwiebeln, Porree, Möhren, Sellerie, Chinakohl und Champignons sind ganzjährig verfügbar, und auch Rote Bete, das ist ein wunderbares Gemüse, dafür gibt es sehr schöne Rezepte.

Muss ich beim Obst auf Vieles verzichten, wenn alles aus Deutschland sein soll?

Das kommt darauf an, was Sie zu welcher Zeit essen möchten. Die Vielfalt an Obst ist in Deutschland groß. Es gibt Kirschen, Johannisbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Mirabellen, Äpfel, Zwetschen und Birnen, natürlich nicht alle zur selben Zeit. Sie sollten sich darauf einstellen, das Obst dann zu genießen, wenn die Früchte bei uns reif sind. Wenn ich von regionalen Lebensmitteln spreche, kann ich nur das nehmen, was die Natur zur gegebenen Jahreszeit bei uns wachsen lässt.

Heimisches Obst hat eine bessere CO2-Bilanz als Mangos und Ananas. Foto: Andrea Kolhoff

Also keine Erdbeeren aus Marokko im Januar?

Nein. Dann warte ich, bis bei uns die Erdbeeren reif sind. Wir müssen vielleicht wieder lernen, ein Lebensmittel dann zu genießen, wenn es bei uns Saison hat. Und ansonsten auf eingefrorenes oder eingekochtes Obst zurückgreifen, zum Beispiel Pflaumen, die können Sie gut einfrieren. Früher war es selbstverständlich, dass wir Obst und Gemüse bevorratet haben.

Da hatten die Hausfrauen aber auch Zeit fürs Einkochen.

Ja, und das Fachwissen und Lagermöglichkeiten. Viele junge Menschen entdecken das gerade wieder, Einkochen ist ein neuer Trend. Genauso die Einsicht, das wir Lebensmittel retten und auch nicht perfekte Früchte essen, auch mal die Paprika zu kaufen, die schon etwas faltiger aussieht, wenn ich weiß, dass  ich sie direkt verarbeiten kann, zum Beispiel für Gulasch oder Pfannengemüse. Früher war man eher bereit, aus dem Apfel auch mal eine Stelle herauszuschneiden.

Ich habe vor einiger Zeit gehört, dass es im Sommer besser ist, Äpfel aus Neuseeland zu kaufen, die mit dem Schiff kommen, weil das deren frische Ernte ist, statt Äpfel aus Deutschland zu kaufen, weil diese bei uns in Kühlhäusern aufwendig gelagert und gekühlt werden müssen.

Das hat vielleicht für einen gewissen Zeitraum im Jahr gestimmt, wenn ich diesen Sachverhalt heute beurteilen würde, stimmt es bei den gestiegenen Frachtkosten und Energiepreisen für Schiffstransporte sicher nicht mehr. Es wäre natürlich gut, wenn die Verbraucher umfassend informiert würden und zum Beispiel beim Einkaufen am Obststand ein Hinweisschild steht mit dem Text: „Ich bin ein Apfel aus Deutschland und ich habe die und die CO2-Bilanz.“

Was ist mit Ananas und Kiwis?

Ja, die kommen eben nicht aus Deutschland. Wenn Sie Südfrüchte essen wollen, die ja auch viel Vitamin C enthalten, könnten Sie sich auf einige Sorten beschränken, zum Beispiel Apfelsinen, die im Winter Saison haben, oder Zitronen und Kiwis aus Italien, die kommen aus der EU, sind dann aber nicht ganzjährig erhältlich. Kiwis aus Neuseeland kommen eben vom anderen Ende der Welt und haben eine schlechte CO2-Bilanz.

Und wenn ich doch mal Lust auf Mangos und Bananen habe?

Dann versuchen Sie, Früchte zu kaufen, die fair gehandelt wurden oder innerhalb eines CrowdFarming-Projekts angeboten werden. Beim CrowdFarming können Sie zum Beispiel auch Avocados von biologisch bewirtschafteten Obstfarmen aus der Europäischen Union beziehen.

Interview: Andrea Kolhoff