05.06.2018

Rücktritt im Bistum Fulda

Bischof Algermissen tritt zurück

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen (75) ist nach fast siebzehn Jahren an der Spitze des Bistums aus dem Amt geschieden. Papst Franziskus nahm am Dienstag das Rücktrittsgesuch des Bischofs an, wie das Bistum mitteilte. Die Emeritierung Algermissens trat am Mittag um 12 Uhr in Kraft. Bis zur Wahl eines Diözesanadministrators werde zunächst Weihbischof Karlheinz Diez die Diözese leiten, hieß es.

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen ist aus dem Amt geschieden. Foto: kna

Am 15. Februar war Algermissen, der seit 2001 an der Spitze des osthessischen Bistums stand, 75 Jahre alt geworden. Er erreichte damit die Altersgrenze, bei der Bischöfe laut Kirchenrecht ihren Amtsverzicht anbieten müssen. Sein Rücktrittsgesuch hatte er nach eigenen Angaben schon Mitte September 2017 in Rom eingereicht. Algermissen sagte am Dienstag in Fulda, beim Abschied vom Bischofsamt habe er "ambivalente" Gefühle. Da sei einerseits eine "große Demut", weil er gerne Bischof gewesen sei, andererseits verspüre er Erleichterung. Sein Ziel sei es gewesen, das "Bistum zusammenzuhalten in einer Zeit, wo vieles an die Peripherie abdriftet". Zeitgleich mit dem Bischof schied nun auch der Fuldaer Generalvikar Gerhard Stanke aus dem Amt.

Algermissen, 1943 in Hermeskeil bei Trier geboren, wurde nach einem Theologie- und Philosophiestudium 1969 zum Priester und 1996 zum Bischof geweiht. Er war Paderborner Weihbischof, bevor er Bischof von Fulda wurde. Er war zudem Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi und stellvertretender Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Würdigung durch Franziskus und Marx

Papst Franziskus nahm nun am Hochfest des heiligen Bonifatius, des Fuldaer Bistumspatrons, das Rücktrittsgesuch Algermissens an. Dieser habe es mit "unermüdlichen Eifer" und in seiner "liebenswürdigen Art" vermocht, "Menschen für Christus zu gewinnen", erklärte der päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx betonte, Algermissen habe ein "besonderes Augenmerk für das ungeborene und sterbende Leben" bewiesen. "Das Leben vom Anfang bis zum Ende zu schützen" sei Algermissen auch in öffentlichen Debatten "immer ein Herzensanliegen gewesen", erklärte Marx.

Weihbischof Diez sagte, Bischof Algermissen habe "einen wachen Blick für die Zeichen der Zeit bewiesen". Diez leitet nun bis zur Wahl eines Diözesanadministrators, die binnen acht Tagen stattfinden soll, das Bistum. Dem Vernehmen nach hat er selbst gute Chancen, für dieses Übergangsamt gewählt zu werden.

393.000 Katholiken ohne Bischof

Der Diözesanadministrator wird dann in der Sedisvakanz - der Zeit im Bistum ohne Bischof - die laufenden Geschäfte führen. Diese Phase dauerte im Bistum Mainz beim Wechsel von Kardinal Lehmann zu Bischof Kohlgraf 15 Monate. Und so könnte es auch in Fulda bis 2019 dauern, denn die Wahl des Nachfolgers ist ein komplexes Verfahren. "Selten geht es schneller als in zehn bis zwölf Monaten", hatte Algermissen selbst im Februar gesagt.

Das Bistum Fulda gehört zum Erzbistum Paderborn. Es erstreckt sich über die Bundesländer Hessen, Thüringen und Bayern. Dort leben knapp 393.000 Katholiken, was einem Anteil von 23 Prozent in der Bevölkerung entspricht.

kna