28.12.2018

Silversterpredigt 2018

Bischof Bode: Grenzen setzen

Bischof Franz-Josef Bode hat zum Zusammenhalt in Politik, Gesellschaft und Kirche aufgerufen. In seiner Silvesterpredigt im Dom wies er auf eine „Entsolidarisierung der Weltgemeinschaft“ und auf die „politischen Gräben in Europa“ hin. „Wir brauchen für unser Ringen mit der Wirklichkeit tiefe Formen des Zusammenhalts, des Miteinanders, der Einheit“, sagte Bode.

Nach über zehnmonatiger krankheitsbedingter Abwesenheit infolge einer Bandscheibenoperation ging Bode in seiner Predigt auf Grenzerfahrungen ein, die er im zu Ende gehenden Jahr gemacht habe. Für ihn persönlich seien sie geprägt von Schmerzen, „vielen Rückschlägen und Enttäuschungen“. Über seine persönlichen Erfahrungen hinaus habe das Jahr 2018 aber auch gezeigt, welche Grenzen, Verfehlungen und Verbrechen es in der Kirche gebe: „Menschliche Grenzüberschreitungen haben unsere Kirche mitgeprägt, auch dort, wo Kirche immer schon wusste, was für alle gut und richtig ist“, sagte Bode. Er verwies dabei auf eine Sexualmoral, die „Menschen krank gemacht“ habe und die sich auch heute noch schwer tue „mit den Zeichen und Erkenntnissen der Zeit“.

Auch in Gesellschaft und Politik gebe es Frustration und Ohnmacht angesichts von Populismus, Hass, Verleumdung, Ausgrenzung und Gewalt, betonte Bode. Angesichts der Entsolidarisierung der Weltgemeinschaft und der politischen Gräben in Europa werde uns klar, „dass wir an die Grenzen im Umgang mit den Grenzen kommen“. Für die Zukunft sei es wichtig, Antworten zu wagen, Haltungen einzuüben und Maßnahmen zu ergreifen, „die den Machtmissbrauch in der Welt und ganz besonders in unserer Kirche bis in die Strukturen hinein überwinden helfen“.

Der Bischof bezog sich in seiner Predigt auf eine Geschichte aus dem Alten Testament (Genesis 32,25), in der Jakob mit dem Namenlosen ringt und nicht ohne Blessuren aus dem Kampf hervorgeht. „Auch wir werden aus der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die Gott uns zumutet, nicht als strahlende Sieger hervorgehen, sondern als Menschen, die verletzt und verwundet sind, berührt und nachdenklich, aber auch lernbereiter, barmherziger und demütiger als vorher“, so der Bischof.

(kb/bpo)

Den Wortlaut der Predigt können Sie hier als pdf herunterladen. In der Ausgabe des Kirchenboten vom 13. Januar 2019 lesen Sie den ganzen Text, ergänzt um einige Zusatzstücke. 

Ein Interview mit dem Bischof lesen Sie in der Ausgabe des Kirchenboten vom 6. Januar 2019.