01.09.2019

Vorfall im emsländischen Brögbern

Bistum gibt Missbrauchsvorwurf bekannt

Das Bistum Osnabrück hat am Sonntag, 1. September, einen Missbrauchsvorwurf bekanntgegeben, der sich auf einen Vorfall vor rund 40 Jahren in Brögbern (Emsland) bezieht. Der beschuldigte Pfarrer ist inzwischen verstorben.

Eine Frau hatte sich Anfang dieses Jahres bei dem unabhängigen Beauftragten des Bistums für Opfer sexueller Gewalt gemeldet und von einem Übergriff durch den früheren Pfarrer Franz R. berichtet. Er habe sie als Mädchen missbraucht. Der Geistliche war nach seiner Priesterweihe von 1952 bis 1955 Vikar in Melle und danach bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1995 als Priester in der St.-Marien-Gemeinde in Brögbern tätig.

In einer Gemeindeversammlung nach dem Sonntagsgottesdienst in Brögbern berichtete der Personalreferent des Bistums, Domkapitular Ulrich Beckwermert, von dem Vorwurf und bittet eventuell weitere Betroffene, sich zu melden.

Als die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz Ende September 2018 veröffentlicht wurde, hatte das Bistum Osnabrück 35 beschuldigte Priester angegeben. Zu diesen Beschuldigten gehörte auch Pfarrer R. Der Grund dafür ist, dass er bereits im Jahr 2002 von einem Mann beschuldigt wurde, Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre übergriffig gewesen zu sein. Es handelte sich nach seinen Schilderungen dabei nicht um einen direkten sexuellen Missbrauch. Der Pfarrer habe "Strafmaßnahmen" unter den Messdienern angeordnet, vor allem durch Schläge auf das Gesäß. Der Pfarrer selbst habe die Taten nicht ausgeführt. 

Damals bat der Betroffene ausdrücklich darum, die Staatsanwaltschaft nicht einzubeziehen, zumal die Vorkommnisse bereits über 30 Jahre zurücklagen. Er wünschte auch kein Gespräch mit dem Beschuldigten. In Folge der Beschuldigungen wurde Pfarrer R. Anfang 2003, als er 83 Jahre alt war, vom Bistum ein öffentliches Zelebrationsverbot erteilt. Kurz darauf erkrankte er an Demenz, wurde pflegebedürftig und lebte bis zu seinem Tod 2007 in einem Altenheim. (kb)

Über die Missbrauchsvorwürfe in Brögbern berichten wir auch ausführlich in unserer nächsten Ausgabe.

 

Die unabhängigen Ansprechpersonen für Opfer von sexueller Gewalt im Bistum Osnabrück sind erreichbar unter folgenden kostenlosen Rufnummern und E-Mail-Adressen:

Antonius Fahnemann, Telefon 08 00/7 35 41 20, E-Mail: fahnemann@intervention-os.de
Irmgard Witschen-Hegge, Telefon 08 00/0 73 81 21, E-Mail: witschen-hegge@intervention-os.de