19.08.2021

Was bedeutet Corona für die Kindertagesstätten?

Ständiges Auf und Ab

Ständiges Auf und Ab, immer wieder neue Regeln, Angst um die Gesundheit der Kinder und des Teams: Die Corona-Krise war und ist für Kindertagesstätten ein großes Problem. Davon erzählt Caritas-Fachberaterin Monika Kleine-Kuhlmann

Die Corona-Krise hat die Kindertagesstätten im Bistum vor große Herausforderungen gestellt. 

Wie ist die Situation gerade in den Kindertagesstätten?
Nach den Lockdowns sind die Kitas und wir als Fachberatung beim Caritasverband einfach froh, dass wieder alle Kinder kommen können. Derzeit gibt es mit den Hygieneregeln einen relativ normalen Betrieb. Zudem sind die allermeisten Erzieherinnen und Erzieher geimpft. Sie mussten zwar länger als gedacht auf die Impfungen warten, aber als die Priorisierung klar war, ging es schnell los. Da muss ich den Landkreisen ein Lob aussprechen.  

Ein Rückblick auf eineinhalb Jahre Corona – wie war das für die Kitas ?
Zu Beginn wussten wir überhaupt nicht, wo es lang ging. Es gab große Unsicherheiten, weil wir keine Erfahrungen mit so einer fundamentalen Krise hatten. Zudem war die Situation von Kita zu Kita sehr unterschiedlich.

Können Sie das näher erklären? 
Das hing damit zusammen, dass die Landkreise, Kommunen und vor allem die Kirchengemeinden als Träger unserer Kitas sehr unterschiedlich reagiert haben. Die meisten Kirchengemeinden waren sehr eng an den Kitas dran, andere haben sich leider wenig gekümmert. Das muss man im Rückblick leider so sagen. Außerdem war die Personaldecke recht unterschiedlich – durch Krankheitsfälle, durch Freistellung zum Beispiel der Risikogruppen und durch die unterschiedliche Inanspruchnahme der Notbetreuungsplätze.  

Was waren anfangs die Hauptprobleme? 
Das ständige Auf und ab. Freitagmittags wurden neue Regeln verkündet und Montagmorgens sollten die Kitas alles umgesetzt haben. Zudem mussten die Leiterinnen gerade während der Lockdowns die Arbeit anders organisieren.

Sicher gab es in den Lockdowns auch Kontakte zu Familien ...
Natürlich. Die Teams haben schnell Angebote für die Kinder und Eltern zusammengestellt. Einige haben kleine Taschen gepackt und an die Haustüren gehängt, andere haben regelmäßig angerufen oder kleine Videokonferenzen mit den Kindern organisiert. Ich erinnere mich, dass Erzieherinnen Dorfrallyes erarbeitet haben, an der jede Familie alleine teilnehmen  konnte. Und umgekehrt haben sie die Kinder gebeten, etwas von sich zum Kindergarten zu bringen. Damit sind Fenster, Außenwände oder Hecken gestaltet worden. Das waren wirklich tolle Bilder. 

Wie ging es den Kita-Leitungen in dieser Zeit?
Die hatten ein unglaubliches Management zu leisten. Man hat erwartet, dass sie 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche zu erreichen waren. Das ist klar so formuliert worden. Sie mussten bei den Gesundheitsämtern ihre Privatnummer hinterlegen. Die Frauen sind wirklich durch einen Scheuersack gegangen, weil sie alles im Blick behalten mussten: die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Kinder, der Eltern und der öffentlichen Gesundheit. Und dann hatten sie ihre Familie im Hintergrund. Das hat an Leib und Seele gezehrt

Monika Kleine Kuhlmann leitet
den Fachbereich Tageseinrichtungen
für Kinder bei der Caritas.
Foto: privat

Wie geht es jetzt weiter? Macht Ihnen der bevorstehende Herbst und Winter Angst? 
Nein, wir gehen ganz ruhig in diese Zeit. Wir wissen, dass wir mit dem Leitfaden und den Hygieneregeln gut umgehen können. Wir können jetzt Corona – leider. Und die Kitas sind es ohnehin gewohnt, mit Krankheitswellen im Winter umzugehen.

Aber es gibt sicher Wünsche ...
Sicher. Es hat sich durch Corona wieder einmal bestätigt, wie wichtig ein gutes Miteinander mit der Kirchengemeinde ist. Dann sind solche Krisen einfach besser zu bewältigen und daran müssen wir künftig noch mehr arbeiten. Da dürfen sich auch manche Träger angesprochen fühlen. Und wir haben außer Corona noch andere Baustellen. 

Was meinen Sie damit?
Die Umsetzung des novellierten Kindertagesstättengesetzes, das erwartet die Kitaleitungen ohne jegliche Vorbereitung nach den Sommerferien. Wir warten seit 25 Jahren auf Qualitätsverbesserungen. Wir brauchen einen anderen Personal-Kind-Schlüssel, mehr Verfügungszeiten für pädagogische Mitarbeiter, mehr Freistellungsstunden für die Leitungen und feste Regelungen für die Fachberatung. Beim letzten Punkt sind wir hier im Bistum zwar gut aufgestellt, aber das gilt eben nicht landesweit. Leider finden sich all diese Punkte im neuen Kita-Gesetz nicht wieder.

Interview: Petra Diek-Münchow

Das Interview in voller Länge und weitere Infos lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Kirchenboten vom 22. August.