30.08.2017

Stephanie berichtet über ihr Praktikum in Finnland 2017/18

Neues aus Helsinki

Erste Auslandserfahrungen hat Stephanie Jarvers bereits in Schweden gesammelt. Die 25-Jährige, gebürtig aus Georgsmarienhütte, studiert englische und skandinavische Philologie in Göttingen. Nun geht sie für ein halbes Jahr nach Finnland. Während ihres Praktikums im Auftrag des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken wird sie in Helsinki an drei Stellen mitarbeiten: in einer katholischen Gemeinde, bei der Caritas und im Katechetischen Zentrum.

Mai
Bei Elchen und Rentieren im Stadtpark

Nachdem Valborg und auch der 1. Mai ein furioser Auftakt in einen neuen Monat waren, folgt auch gleich das nächste Erlebnis. Kurz möchte ich auch noch von unserem Ausflug in die Stockholmer Staatsoper berichten. Die Oper Tosca von Giacomo Puccini war das kulturelle Programm des Abends und ich kann ganz offen sagen, dass nicht nur das Opernhaus von innen wie von außen beeindruckt, sondern auch die Inszenierung ausgezeichnet war. In der Pause konnten wir auch ein wenig rundsehen. Es waren einige Kostüme der Opernsängerin Birgit Nilsson ausgestellt , da dieses Jahr ihr 100. Geburtstag gefeiert worden wäre.

An Christi Himmelfahrt habe ich einen weiteren Ausflug unternommen. Dieses Mal geht es ganz in den Westen von Schweden nach Göteborg. Hier habe ich eine Freundin besucht, die nun dort studiert. Mit dem Bus geht es aus dem Osten einmal quer durch Schweden. Nicht die schnellste Art der Fortbewegung, aber dafür ziemlich günstig. Eine Fahrt kostet mich hier 99 Kronen und so ungefähr acht Stunden meiner Zeit. Doch ich darf schon vorwegnehmen, dass es sich gelohnt hat, denn es war schön, meine Freundin zu treffen und die Stadt Göteborg kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Eine schöne Stadt, die für einen Städtetrip aber auch für einen Familienurlaub wunderbar geeignet ist und auch tolle Naturreservate z.B auf den Schären zu bieten hat. Es gibt eine Menge zu entdecken. Mein Tag ist dort jedenfalls mit einem gemütlichen Abend geendet und das Wochenende gestartet. Am nächsten Tag haben wir uns die Stadt angeschaut und einen Ausflug zu einem der nahegelegenen Seen gemacht. Samstag ging es dann durch den Stadtpark, der mit seinen Tieren (Enten, Pinguine, Elche, Rentiere,…) auch an einen Zoo erinnert, für den man allerdings keinen Eintritt zahlen muss. Hier kann man sich ebenso lange aufhalten wie im Botanischen Garten, der zu dieser Jahreszeit und mit dem fantastischen Wetter, wie wir es hatten, bestens zu genießen ist. Auch diesen Tag schließen wir mit einem Aufenthalt am See ab und bestaunen den Sonnenuntergang. Sonntag war es dann an der Zeit, noch einmal auf eine Schäreninsel vor Göteborg zu fahren. Wieder einmal ist eine Direktfähre unsere Rettung. Wohlbemerkt auf dem Hinweg UND dem Rückweg. Aus dem Vorhaben, die Insel zu bewandern, ist dann aber doch Dank des sonnigen und warmen Wetters ein Badeausflug mit späterem Grillen im Studentenwohnheim geworden. So war es ein sehr gelungenes und schönes Wochenende.

Auf das Wochenende in Göteborg folgt auch bereits das nächste Ereignis. Das Abenteuer heißt, mit der Fähre nach Helsinki zu fahren. Dienstagnachmittag geht es mit Gabriella (der Fähre) und Ursula (Praktikantin aus Stockholm, der ich diesen Ausflug zu verdanken habe) von Stockholm los Richtung Helsinki. Auf dem Sonnendeck, das an diesem Tag seinem Namen alle Ehre macht, schaue ich mir die Ausfahrt aus dem Hafen an – der Blick auf die Stadt ist tatsächlich atemberaubend.  Nach einer Nacht auf der Fähre haben wir am Mittwoch Zeit, Helsinki zu erkunden. Um 16.30 Uhr finnischer Zeit muss sich dann aber die ganze Gesellschaft wieder eingefunden haben, damit die Rückreise angetreten werden kann. Es war schön, Helsinki einmal mit Sonnenschein, Wärme, ohne Regen und im Grünen zu sehen. Ich habe auch ein paar Freunde wiedersehen können und auch noch ein wenig die Stadt besichtigen können. So sind die sechs Stunden, die wir in der Stadt hatten, doch sehr schnell vergangen.

Ende Mai haben wir dann auch noch die Semesterabschlussfeier des Newman Institutes gehabt und Mitarbeiter sowie Studenten nach einem ereignisreichen Semester in den Sommer entlassen. Eine schöne Feier mit toller Unterhaltung, leckerem Essen und guter Gesellschaft. Stichwörter sind Popcornmaschine, Schokoladenfontäne, Burger, Fotoecke und Live Musik. Ich meine, das sagt doch eigentlich alles, oder?!

 

April:
Ein Ausflug nach Vadstena

Als es dann doch endlich genug war, konnte ich auch wieder an Ausflüge denken. Am 6. April haben wir Praktikanten und Anna uns gegen Mittag zum Flughafen Stockholm Arlanda aufgemacht, um Irina, die neue Praktikantin, in Vadstena abzuholen und sie gemeinsam dorthin zu bringen. Zu fünft, mit guter Laune und auch ein paar Süßigkeiten im Gepäck vergingen auch die vier Stunden Fahrt wie im Flug. In Vadstena wurden wir herzlich von Schwester Monika willkommen geheißen, haben noch einen Happen zu Abend gegessen und einen kleinen Spaziergang am Vätternsee gemacht.

Am Samstag haben wir erst einmal zusammen gefrühstückt und dann ein wenig Vadstena ausgekundschaftet. Nachmittags haben wir sehr wagemutig schon den Sommer begrüßt, indem wir zusammen Kupp gespielt haben. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg gekrönt haben wir die gegnerischen Holzklötze umwerfen können, aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. Nach der Abendmesse haben wir, die wir aus Uppsala angereist waren, uns dann wieder auf den Rückweg begeben. Auch hier verging die Zeit, Dank „ABBA – The Greatest Hits” und ein wenig Zucker, schnell. Auch wenn unser Aufenthalt in Vadstena dieses Mal etwas kürzer ausgefallen ist, so war es doch ein sehr schönes Erlebnis und ich habe mich gefreut, dort alle wieder einmal zu treffen. Denn ich habe in Vadstena schon einmal (2015) einen Sommer verbracht und es war toll, nach doch etwas längerer Zeit viele Gesichter wiederzusehen.

Im April, mit langsam immer besser werdendem Wetter, haben Maria, Magdalena und ich (alles Bonifatiuspraktikanten) den ein oder anderen Ausflug nach Stockholm und Umgebung gemacht. Einer dieser Ausflüge ging auf die Schäreninsel Vaxholm. Nach einem Picknick mit Blick auf Stockholm sind wir mit einer Direktfähre dorthin gefahren. Dank des „Direkt“ in Direktfähre ging es auch ziemlich flott. So sind wir dort ein wenig flaniert und haben die Aussicht und Natur genossen. Den Rückweg mussten wir dann ohne die heißgeliebte Direktfähre und dafür mit einer Fähre bestreiten, die gefühlt überall angelegt hat, wo das Wasser auch nur ausreichend tief genug sein könnte ohne dabei direkt auf Grund zu laufen. Ja, richtig, das hat sehr viel länger gedauert. Doch um das Positive daran zu nennen: Wir konnten auch die wunderschönen Schären vor Stockholm ausgiebig betrachten.

Wieder einmal ein rundum toller Ausflug mit bester Gesellschaft und auch ein weiterer wunderbarer Monat in Schweden.

 

 

März
Sie werfen sich in jeden Sonnenstrahl

Im März hat die Sonne noch nicht genug Kraft, um den Schnee zu schmelzen.

Anfang März haben wir in Uppsala die Praktikanten des Bonifatiuswerkes in Deutschland zu Besuch gehabt. Sie haben eine Bildungsreise durch Dänemark und Schweden unternommen, um zu sehen, wie wir Praktikanten des „Praktikums im Norden“ so leben und was zu unseren Aufgaben und Einsatzbereichen gehört. Auch die Praktikanten aus Bergen, Vadstena und Stockholm sind zu diesem Anlass extra angereist. Es war sehr schön, so zahlreich versammelt zu sein und sich gegenseitig besser kennenzulernen. Spannend war auch zu erleben, in welchen unterschiedlichen Einrichtungen die Praktikanten in Deutschland arbeiten. Nach Ankunft aller Beteiligten am Morgen haben wir uns zusammengetan, um den Dom von Uppsala zu besichtigen und darauf den Pilgerweg nach Gamla Uppsala (den Pilgerweg des Heiligen Erik) zu gehen. In einer Kirche auf der Hälfte des Weges haben wir einen kleinen Gebetsimpuls bekommen. Danach sind wir dann in Stille den weiteren Pilgerweg gegangen und haben die Zeit genutzt, um z.B über unser Praktikum und unseren eigenen persönlichen Weg nachzudenken.

Kurz vor dem Ziel in Gamla Uppsala haben wir noch einen Stopp eingelegt, eine Fika-Pause (eine typisch schwedische Kaffeepause mit Kaffee und Zimtschnecken) eingelegt und haben auch den dortigen Gebetskreis aufgesucht, der nach dem Konzept des Gebetsperlenarmbands aufgebaut ist. Hier sind wir die Perlen abgeschritten und konnten uns selbst die Frage stellen, an welcher Perle wir uns derzeit befinden. Der letzte Halt war dann die Kirche in Gamla Uppsala. Nachmittags haben alle ein wenig Zeit für sich gehabt. Das Abendprogramm bestand dann aus einem Gottesdienst in der Kapelle des Newman Instituts und einem gemütlichen Abend mit typisch schwedischem Essen. Es war ein langer aber sehr schöner Tag mit allen zusammen, an den ich mich gerne zurückerinnern werde.

Zu Ostern blickte die Sonne
hinter den Wolken hervor.

Nach einem langen Winter wurde zu Ostern dann das Wetter auch etwas besser und man konnte die Sonne deutlich hinter den Wolken hervorblicken sehen. Der Schnee hat sich zwar weiterhin verweigert, den Sonnenstrahlen zu weichen, aber es war sehr schön nach so viel dunkler Zeit und Grautönen auch einmal das Licht der Sonne zu erblicken und ich kann jeden Skandinavier verstehen, der sich bei einem einzelnen Strahl direkt in den Lichtkegel wirft und einen kurzen, aber intensiven Moment innehält und es einfach genießt. Sonst war mein Ostern eher ruhig, denn ich war ordentlich erkältet und habe mich auskuriert. Ja, der skandinavische Winter bringt doch so einige Tücken mit sich. Doch trotz aller Tücken ist er mit dem Schnee und den zugefrorenen Seen doch auch sehr schön. Nur definitiv ein wenig zu lang für meinen Geschmack.

 

Februar
Uppsala – Schweden und nicht Finnland?!

Nach der Ankunft in Uppsala, dem neuen Praktikumsort von Stephanie Jarvers (Mitte)

Nach drei Monaten in Finnland ist mein Abenteuer dort vorzeitig zu Ende gegangen. Ich durfte viel über die Diaspora, Helsinki und die finnische Geschichte und Gesellschaft lernen, doch es war an der Zeit, noch etwas Neues auszuprobieren. Der Weg führte mich dann nach Uppsala in Schweden. Auch hier werde ich weiterhin als Praktikantin für das Bonifatiuswerk tätig sein und die restliche Zeit bis zum Sommer verbringen.

Am Samstag, 3. Februar, bin ich von Helsinki nach Stockholm, Arlanda, geflogen und wurde von Betreuerin Anna Nick und den zwei anderen Volontären in Uppsala vom Flughafen abgeholt. Als das Gepäck im Bulli verstaut war,  ging es dann weiter in Richtung Uppsala. Dort angekommen, habe ich dann das Newman Institut kennengelernt. Das Newman Institut ist eine Hochschule für Theologie, Philosophie und Kulturwissenschaft, die von Jesuiten geleitet wird. So habe ich also gleich einen ersten Einblick in meine neue Arbeitsstelle bekommen. Das Gepäck wurde dort für ein paar Stunden gelagert und wir haben, ganz schwedisch, erst einmal eine Fika (Kaffeepause) eingelegt. So ging es also in die Stadt zum Café Storken, wo wir uns bei Kaffee und Kuchen ein wenig unterhalten und es uns gemütlich gemacht haben.

Die neue Unterkunft ist ein typisches Schwedenhäuschen.

Gegen Abend fuhren wir dann zu meiner neuen Bleibe. Ich wohne ein wenig außerhalb von Uppsala auf dem Land in einem typischen, roten Schwedenhäuschen mit zwei weiteren Studenten zusammen.

In meiner ersten Woche habe ich viele neue Eindrücke bekommen, und alles war sehr aufregend. Anna und ich haben meinen „Einsatzplan“ erarbeitet und ich konnte schon kräftig mit anpacken.

Ganz schön schwer: Hühnerfutter

In Schweden ist meine Arbeitseinteilung jeden Tag anders, denn montags bin ich oft im Newman Institut oder schaue ein wenig in Länna – dort wohne ich – nach dem Rechten, denn dort wollen zwei Hühner und ein Hahn versorgt werden. Dienstags bin ich immer im Erikshjälpen. Das ist ein Second-Hand-Laden, der in ganz Schweden vertreten ist und einen guten Teil des Erlöses spendet. Mittwochs bin ich in Stockholm bei der Caritas. Dort gibt es den sogenannten „Mötesplats“ (Treffpunkt). Hier wird morgens gemeinsam gefrühstückt und danach ist Schwedischunterricht. Es kommen viele Einwanderer oder auch Flüchtlinge, und in der Zeit dort wird nicht nur eine neue Sprache gelernt, sondern es werden auch neue Freundschaften geschlossen, und man hilft sich gegenseitig.

Auch die katholische Buchhandlung in Stockholm
ist ein Einsatzort für die Praktikanten.

Donnerstags bin ich ebenfalls in Stockholm, aber nicht bei der Caritas, sondern im Katolsk Bokhandel. Hier unterstütze ich bei Bestellungen, beim Einräumen der Bücher oder fotgrafiere Verkaufsgegenstände für die Webseite.

Am Freitag bin ich dann wieder in Uppsala, denn dort ist morgens förskola – eine Art offener Kindergarten, bei dem auch die Eltern gerne mitkommen dürfen – und ich unterstütze Schwester Margot beim Zubereiten des Frühstücks oder Aufräumen. Aber an erster Stelle stehen natürlich die Kinder und wir spielen, malen oder lesen zusammen. Abends ist dann alle zwei Wochen noch eine Jugendgruppe, bei der ich ebenfalls mit dabei bin und organisiere.

Gestaltung eines Taizé-Abends in St. Lars in Uppsala

Es ist also tatsächlich jeder Tag anders. Anfangs war es eine Herausforderung, sich an so viele neue Arbeitsstellen und Aufgaben zu gewöhnen, aber mit jeder Woche habe ich mich etwas besser eingelebt und die Arbeit macht mir sehr viel Freude.

Ende Februar haben wir – das sind Anna, Christina, die Jugendsekretärin, Pater Mikael und die Volontäre des Bonifatiuswerkes, einen Taizé-Abend vorbereitet, der gut besucht war und auch sehr gut ankam. Weil die Nachfrage nach weiteren Taizé-Abenden so hoch war, werden wir auch in Zukunft diese Abende gestalten.

Der Februar war also ein Monat des Aufbruchs und Umbruchs, der für mich viele neue Erfahrungen und Erlebnisse bereithielt. Es war ein toller erster Monat, auch wenn ich Helsinki schon etwas vermisse.

 

Januar
Ausflug in die finnisch-russisch-schwedische Vergangenheit

Blick auf Helsinki von der Fähre zur Suomenlinna

Gemütlich und ruhig bin ich ins Jahr 2018 gestartet, und weil Anfang Januar noch Weihnachtsferien waren, bot es sich an, einen kleinen Ausflug zu machen. Doch im Januar heißt es, sich warm anzuziehen, besonders, wenn das Ausflugsziel nicht das nächstgelegene Museum ist, sondern eine kleine Insel vor Helsinki. Also: Winterboots, Wintermäntel, Mützen, Handschuhe und alles andere, was noch warm hält, überstreifen, den Proviant in den Rucksack packen und raus in die Kälte und den Wind.

Die Wetterumstände haben dann doch dazu geführt, dass wir nur zu fünft den Weg zur Suomenlinna (übersetzt in etwa: finnische Burg) auf uns nahmen. Von Helsinkis Hafen fährt man ungefähr 15 Minuten mit einer Fähre zu dieser Festung auf der kleinen Insel. Es dauert also nicht lange, aber nach dieser kurzen Zeit befindet man sich plötzlich an einem geschichtsträchtigen Ort, an dem man auch der Natur sehr nahe ist, obwohl man noch kurz zuvor in Finnlands lebhafter Hauptstadt unterwegs war.

Die Suomenlinna ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel bei Touristen, doch im verschneiten Januar sind es nur wenige Menschen, die auf der Insel wandern und mehr über die finnisch-russisch-schwedischen Vergangenheit erfahren wollen. Folglich waren wir so ziemlich unter uns. Nur noch ein paar andere hatten sich auch auf den Weg gemacht.

Schnell sind alle in unterschiedliche Richtungen gegangen und wir haben kaum andere Menschen gesehen. Trotz der Kälte haben wir uns ziemlich lange dort aufgehalten und uns mit der Geschichte, der Festung und der Insel vertraut gemacht. Das Angebot für Besucher ist in der Hauptsaison, im Sommer, natürlich viel größer, aber mir hat es auch so sehr gut gefallen. Die Stunden sind vergangen wie im Flug, denn es gab viel zu entdecken, und die Natur ließ mich sehr schnell den Alltag vergessen. Wie ein Urlaubstag eben.

Ein Nachmittag im Wohnheim für Kinder mit Behinderung

Einmal im Monat gehen einige der Studentinnen mit denen ich im Wohnheim bin, in ein Heim für körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder und verbringen dort ein paar Stunden mit ihnen. Zur Begrüßung haben wir ein paar Lieder gesungen, und es war schön zu sehen, wie sich alle gefreut haben. Danach haben wir dann zusammen bunte Sterne gebastelt und aufgehängt.

Zum Abschluss wurden noch einmal ein paar Lieder gesungen, und so war der Nachmittag sehr kurzweilig. Als wir wieder nach Hause gegangen sind, war Helsinki noch weißer als ohnehin schon, denn es hatte bereits länger stark geschneit und wir konnten es uns nun wirklich nicht verkneifen, in die riesigen Schneeberge zu springen, einen überdimensionalen Schneemann zu bauen und eine Schneeballschlacht zu zelebrieren. Fazit: Es gibt nun einmal Dinge im Leben für die man nicht zu alt sein kann!

Mit Freundinnen auf einer kleinen Insel vor Helsinki
Wanderung auf der Insel
Wanderung auf der Insel

 

Dezember
Unabhängigkeitstag und finnische Weihnacht

Am finnischen Unabhängigkeitstag werden wichtige Gebäude blau angestrahlt.

Der Januar ist verstrichen und die Weihnachtszeit scheint lange zurück, dennoch möchte ich Euch noch einmal in Helsinkis Dezember entführen und vom 100. Unabhängigkeitstag in Finnland und auch Weihnachten berichten.

Anfangen möchte ich mit dem 6. Dezember. Hier in Finnland ein ganz besonderer Tag, denn die Finnen feiern an diesem Tag ihre Unabhängigkeit. Gerade 2017 war es ein ganz einmaliges Ereignis, denn es jährte sich zum 100. Mal. An diesem Tag im Dezember ziehen Studenten andächtig singend und mit Fackeln durch die Stadt, bis sich alle auf dem Senaatintori vor der Tuomiokirkko versammeln, der Rede des Präsidenten zuhören und mit dem Universitätschor einige Lieder und natürlich die Hymne singen.

Weihnachten im Wohnheim

Es ist eine eigenartige Atmosphäre, getragen von Stolz und Bedrückung im Hinblick auf die Zeit des Krieges. Bewegend auch die Rede des Präsidenten, der betont, dass Finnland ein freies Land sein soll, in dem ein jeder, egal welcher Herkunft, ein Zuhause finden möge. Daraufhin Applaus von einer riesigen Menschenmenge auf dem Platz. Der Applaus wirkt stark und bestätigend und durch die Handschuhe, die alle tragen, wie rollender Donner. Eine besondere Erfahrung deshalb, weil es mich Finnland und seiner Geschichte nähergebracht und mich zudem sehr bewegt hat.

Doch nicht nur der Umzug und die anschließende Rede sind Zeichen des Unabhängigkeitstages. Die ganze Stadt ist in Weiß und Blau getaucht. Wichtige Gebäude der Stadt werden blau angeleuchtet, vor jedem Haus ist die finnische Flagge gehisst und am Hafen stehen 100 Flaggen in Reih‘ und Glied. Am Abend, nachdem der offizielle Teil für die meisten Finnen vorüber ist, zieht man sich in die heimischen vier Wände zurück und schaut mit Freunden und Familie dem offiziellen Teil des Präsidenten und seiner geladenen Gästen zu.

Auch das habe ich miterlebt. „Ganz Finnland“ schaut also, wie der Präsident wichtige Persönlichkeiten aus Finnland in seinem Palast begrüßt. Ja, sehr richtig. Das bedeutet, zwei Stunden lang zuzuschauen, wie der Präsident Hände schüttelt und welcher Dame möglicherweise auf's Kleid getreten wird. Zum Glück hatte ich leckeres Essen und gute Gesellschaft. Da habe ich auch zwei Stunden Händeschütteln und anschließendes „Tanzen“ auf zu engem Raum mit anschauen können. Den Abschluss krönt dann ein Feuerwerk, das im Hafen von Helsinki gezündet und auch live übertragen wurde. Ich habe es mir also ganz gemütlich im Warmen angesehen.

Eine Pfefferkuchenstadt, selbst gebacken

Auf den 6. Dezember folgte erstaunlich schnell Weihnachten. Alles begann damit, dass einige hier im Studentenwohnheim zu ihren Familien aufgebrochen sind, um die Feiertage mit ihnen zu verbringen. Trotzdem waren wir zu Weihnachten noch zehn Leute und haben auch Besuch von lieben Menschen aus Nah und Fern bekommen, und es wurde nicht langweilig. Vor Weihnachten haben wir noch eine verlockende Pfefferkuchenstadt gebacken und dekoriert, die zwischen den Tagen langsam vernichtet wurde.

Weihnachten war dann anders und irgendwie doch sehr ähnlich. Es waren ruhige, besinnliche aber gleichzeitig auch gesellige Tage. Wie es nur so sein kann, wenn man mindestens zehn Mädels um sich herum hat. Wir haben wie die meisten zu viel gegessen. Das Essen war „typisch Finnisch“. Es gab kinkku (den Schweinebraten an Weihnachten), Fisch eingelegt in Senfsoße, perunalaatikko (Kartoffelauflauf), Porkkanallaatikko (Möhrenauflauf) und vieles mehr.

Schneemann

An Heiligabend bin ich um 10 Uhr in die Messe in der Kapelle des Studentenwohnheims gegangen und habe dort mit allen anderen den Abend ausklingen lassen, nachdem wir im Wohnzimmer unter dem Tannenbaum Weihnachtslieder gesungen haben und jeder seine Geschenke ausgepackt hatte.

Ich habe aber nicht nur finnische Weihnachten erlebt, sondern auch ein bisschen „deutsche Tradition“ nach Finnland gebracht. Auf meinen Wunsch hin wurde mein Bitten erhört, und wir haben alle gemeinsam „Der kleine Lord“ geguckt und noch Tage danach „O dem golden slippers“ gesungen und frei den kleinen Ceddie zitiert.

Nach Weihnachten ging es vielen hier, und auch mir, wie den meisten: Eine Grippe hat unser Studentenwohnheim in ein halbes Krankenlager verwandelt und die Zeit zwischen den Feiertagen ruhiger werden lassen.

 

 

November
Warum Helsinki gar nicht so düster ist

Stephanie Jarvers (links) und Freundinnen aus dem Wohnheim beim Plätzchen-Wettbewerb. Die Kekse sollten zu den Themen finnische Unabhängigkeit und Weihnachten dekoriert werden. Das Ganze entstand bei einer kleinen Weihnachtsfeier (pikkujoulu) des Wohnheims.

Am Donnerstag, 9. November, war es endlich soweit. Mein Flug nach Helsinki startete mittags um 12.40 Uhr. Schon im Voraus wurde mir mitgeteilt, welche Aufgaben mich als Praktikantin des Bonifatiuswerkes erwarteten. Dennoch war ich spürbar aufgeregt und fragte mich, was denn tatsächlich in Finnland auf mich zukommen würde. Meine Arbeitszeit im kommenden Jahr wird aufgeteilt auf drei „Institutionen“: das Katechetische Zentrum in Helsinki, die Caritas und die Pfarrei St. Mary. In der Kirche St. Mary helfe ich zum Beispiel bei dem Blumenschmuck oder auch dabei, Messgewänder und Bücher zu sortieren. Außerdem erwartet mich die Herausforderung, die unterschiedlichsten Sachen zu nähen, zum Beispiel Taschen zum Schutz der Kelche.

Einmal im Monat, meistens an einem Samstag, finden der Unterricht der Kommunionkinder oder andere katechetische Kurse statt. Dort unterstütze ich, wo Hilfe benötigt wird, wie unter anderem beim Vorbereiten des Essens und Abräumen oder bei der Kinderbetreuung in den Pausen.

Die Kirche St. Mary in Helsinki

Im Katechetischen Zentrum besteht ein Teil der Arbeit darin, dass ich Materialien vorbereite, die dann im Bistum Helsinki verteilt werden, damit Religionslehrer vor Ort mit neuen Materialien ihr Wissen weitergeben können. Der Begriff Religionslehrer ist in Finnland aber deutlich weiter gefasst als in Deutschland. Katholische Religion ist hier kein selbstverständliches Unterrichtsfach, und auch die Lehrer müssen nicht den langen Ausbildungsweg gehen, wie er in Deutschland vonnöten ist. Zudem gehören die Lehrer meistens auch nicht dem katholischen Glauben an.

Kaum in Finnland angekommen, stoße ich auch schon auf helle Lichterketten in den Straßen und geschmückte Schaufenster. Ja, dafür bin ich äußerst dankbar, denn der November zeigt sich von seiner unverwechselbaren Seite. Schwarze Nacht, dunkelgrauer Tag, starker Wind, Regen und ein bisschen Schnee lassen wohl die meisten Finnen und auch mich nach einem Funken Helligkeit lechzen. Die Weihnachtsstimmung steigt mit jedem kürzer werdenden Tag. Da sind natürlich die Weihnachtsbasare und Märkte nicht wegzudenken.

In der Vorweihnachtszeit ist die Caritas, die in Finnland noch sehr unbekannt und auch viel kleiner ist als in Deutschland, viel unterwegs, um für ihren Einsatz in aller Welt und natürlich ganz besonders auch in Finnland zu werben. Es werden die verschiedensten Produkte verkauft. Fantastische selbstgemachte Schokoladen aus einem Kloster in Spanien, Cremes, Seifen und Parfüm, ebenfalls von Nonnen handgefertigt, aber aus Frankreich stammend, oder Kerzen aus Deutschland. Die Mitarbeiter der Caritas und viele Freiwillige helfen hier beim Aufbau der Stände und dem Verkauf.

In diesem Wohnheim ist Praktikantin Stephanie Jarvers untergebracht.

So viel zu meiner Arbeit, aber wie wohne ich in Helsinki? Während meiner Zeit in Finnland werde ich in einem Studentinnenwohnheim untergebracht sein. Es wohnen rund zwölf Studentinnen zusammen, die alle unterschiedliche Fächer studieren oder Ausbildungen machen und verschiedene kulturelle Hintergründe und Herkunftsländer haben. Ich wurde sehr herzlich empfangen, und wir unternahmen einiges zusammen. So ist der November in Helsinki dann auch gar nicht so düster.

So einiges habe ich also in meinen ersten beiden Wochen erlebt, und ich bin sicher, dass in den nächsten Wochen auch noch viele neue, unerwartete, weihnachtliche und aufregenden Dinge auf mich zukommen werden.

In Finnland leben ungefähr 5,5 Millionen Einwohner auf einer Fläche von etwa 390 000 Quadratkilometern. Die beiden als Volkskirche anerkannten Religionen sind die Orthodoxe Kirche und die Evangelisch-Lutherische Kirche. Der Anteil der Katholiken in Finnland macht nur etwa 0,25 Prozent der Bevölkerung aus und besteht zum größten Teil aus Einwanderern. Gläubige und Priester legen weite Strecken zurück, um ihren Glauben zu leben und zusammen Gottesdienst zu feiern. Auch wenn viele hundert Kilometer die Gemeindemitglieder trennen, sind sie eng miteinander vernetzt und helfen sich gegenseitig bei anliegenden Projekten. Ihr Umgang miteinander ist herzlich und jedes Wiedersehen gleicht einer Familienfeier.

Wer mehr über die Diaspora in Finnland oder in anderen skandinavischen Ländern erfahren möchte, kann einmal auf der Internetseite des Bonifatiuswerks vorbeischauen. Falls Ihr Interesse an einem Praktikum im Norden habt, findet ihr dort zusätzliche Informationen.

Kommentare

Moikka Stephanie,

Mitä kuuluu Suomessa?

Ich bin Theresa und studiere zur Zeit auch hier in Helsinki. Deine Berichte klingen toll, du erlebst bestimmt ähnlich viel wie ich hier jeden Tag aufs Neue.

Das Leben in der Diaspora ist für Katholiken ja manchmal sehr triste von den Angeboten her. Daher würde ich gerne wissen, ob du weißt, ob es von den beiden katholischen Gemeinden auch Angebote für junge Menschen / Studenten gibt. Spieleabende, Taizégebete, Andachten...

Viel Spaß noch in Winterwunderland Finnland ;)

Nähdään

Theresa

Moi Theresa,

entschuldige, dass ich erst jetzt auf deine Frage antworte. Leider habe ich die Nachricht erst jetzt gesehen.

Leider bin ich nicht mehr in Helsinki. Das wird auch bald auf dem Blog zu lesen sein. Trotzdem möchte ich dir gerne ein paar Tipps geben. Ich hoffe dir geht es gut in Helsinki und du erlebst viele neue und spannende Dinge.

Nun zu den Möglichkeiten. Leider gibt es nicht so viele Angebote wie wir es gewohnt sind, aber dennoch kann ich dir vielleicht ein bisschen was sagen. Es gibt einen "Catholic Students's Club Helsinki" (auch auf facebook zu finden), der sich in Abständen trifft und gemeinsame Abende, Gebete, etc. veranstaltet. Du kannst dich auch an die Caritas wenden. Dort sind sehr liebe Menschen, die dir ganz sicher noch weiterhelfen können und dort ist auch eine Mitarbeiterin (Sara), die in der Studentengruppe ist. Du kannst bei der Caritas immer gerne vorbeischauen, denn alle freuen sich über neue Gesichter, Geschichten und Interesse und wie schon gesagt, sie helfen gerne, sind super lieb und du bekommst Kontakt und Ideen.

Ich hoffe, dass ich dir so ein wenig weiterhelfen konnte.

Ganz liebe Grüße und weiter einen einzigartigen Aufenthalt in Helsinki.

Nähdään ;)

Steffi