14.08.2014

Wanderausstellung „Katholikinnen und Konzil"

„Die Zeit arbeitet für uns"

„Katholikinnen und Konzil“ heißt eine Ausstellung, die zunächst in Bremen gezeigt wird. Seit der großen Kirchenversammlung vor 50 Jahren wurde viel erreicht – auch für Frauen. Aber noch nicht genug, meinen zwei Bremerinnen, die in ihrer Stadt den Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) leiten.

 

Sie wünschen sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Frauen und Männern in der Kirche: Maria Wedewer-Steffen (links) und Monika Schmidt vom Bremer Frauenbund. Foto: Anja Sabel

Kein Gespräch mit Maria Wedewer-Steffen ohne theologische Literatur. Auf ihrem Gartentisch verteilt liegen Ordner, Broschüren und Bücher. Und als erstes greift sie nach einem Buch der Osnabrücker Theologieprofessorin Margit Eckholt mit dem Titel „Die Tür ist geöffnet“ – zentrale Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, betrachtet aus Frauenperspektive. „Ein mutmachendes Buch“, findet Wedewer-Steffen, die selbst Theologie studiert hat. Zurzeit bereitet die Vorsitzende des KDFB-Zweigvereins Bremen eine besondere Ausstellung vor: „Katholikinnen und Konzil“ (siehe „Zur Sache“).

Kurze Texte, Bilder und Zitate erinnern an die weiblichen Konzilsteilnehmer, die ausschließlich Zuhörerinnen waren; an ihre Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche für spürbare Veränderungen in der Kirche. Die Ausstellung, sagt Wedewer-Steffen, solle zum Nachdenken anregen und auch einladen, über die Situation der Frauen in der Kirche heute zu sprechen.

50 Jahre nach dem Konzil sei schon viel erreicht worden, betont Monika Schmidt, zweite Vorsitzende des Bremer Frauenbundes. Es gibt Frauen im liturgischen Dienst und zunehmend geistliche Begleiterinnen; Frauen übernehmen Führungsrollen in Gremien, leiten pädagogische und kirchliche Einrichtungen, sind Lehrstuhlinhaberinnen. Aber die bereits geöffneten Türen sollten sich nach Meinung der beiden Bremer KDFB-Mitglieder noch weiter öffnen.

Schwieriger Bereich: kirchliche Weiheämter

Berufstätige, gebildete und selbstbewusste (junge) Frauen geben sich nicht mehr nur mit Ehrenämtern zufrieden. „Sie wollen das kirchliche Leben verantwortlich und aktiv mitgestalten“, sagt Monika Schmidt. „Als Verband setzen wir uns für ein partnerschaftliches Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche ein.“

Die Beteiligung der Frauen erweist sich als nach wie vor dort schwierig, wo geltendes Kirchenrecht und dogmatische Fragen diese nicht zulassen – vor allem im Bereich der kirchlichen Weiheämter. Doch Maria Wedewer-Steffen ist zuversichtlich. „Wir hoffen, dass auch Frauen eines Tages geistliche Ämter bekleiden dürfen.“ Damit meint sie in erster Linie den Diakonat der Frau. „Seitdem ich den Vorsitz im Bremer Frauenbund übernommen habe, bin ich diesem Thema wieder nähergerückt“, sagt sie.

Seit 1998 setzt sich der Frauenbund an einem jährlichen „Tag der Diakonin“ für den Diakonat der Frau ein. Frauen, die einen tiefen Ruf als Diakonin zum Dienst in der Gemeinde verspüren und die Begabung für pastorales und seelsorgliches Wirken besitzen, sollen wie männliche Diakone dieser Berufung folgen können. „Ein solches Amt wäre ein gutes Zeichen auf dem Weg zu einer partnerschaftlichen Kirche“, sagt Monika Schmidt, weiß aber auch um die Widerstände. Mut machen ihr und Maria Wedewer Steffen Geistliche, die sich für mehr Mitbestimmung von Frauen in der katholischen „Männerkirche“ einsetzen – die keinen theologischen Grund finden für einen Ausschluss von Frauen vom sakramentalen Leitungsamt.

Der Diakonat sei nicht so sehr eine Frage der Gleichberechtigung, sondern eine Frage des Berufenseins. „Vor Gott sind alle gleich“, betont Monika Schmidt und fügt selbstbewusst hinzu: „Die Zeit arbeitet für uns.“

Anja Sabel

 

 

Zur Sache

Die Wanderausstellung „Katholikinnen und Konzil“ des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) ist im norddeutschen Raum an zwei Orten zu sehen: vom 10. bis 20. September in Bremen und vom 22. bis 28. September in Osnabrück.

In Bremen wird sie am 10. September um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der St.-Ursula-Kirche, Schwachhauser Heerstraße 166, eröffnet. Anschließend gibt es einen Vortrag von Propst Martin Schomaker. Gezeigt wird die Ausstellung dann im Altarraum der Propsteikirche St. Johann, Hohe Straße 2.

In Osnabrück ist die Ausstellung im Forum am Dom zu sehen. Sie wird am 22. September um 17 Uhr unter dem Motto „Fertig sind wir noch lange nicht!“ eröffnet. Gabriele Zinkl, Vizepräsidentin des KDFB, spricht über Frauen, Konzil und kirchliches Amt.

Weitere Infos beim KDFB