01.08.2016

Osnabrücker Schüler betreuen ein Bienenvolk

„Imkern ist wie Meditation"

Bienen und Hektik – das passt nicht zusammen, sagt Hobby-Imker Ulrich Beckwermert. Im Garten seines Pfarrhauses stehen zwei Bienenstöcke. Auch die Jugendlichen der Osnabrücker Domschule wissen: Wer imkert, muss ruhig bleiben und hat die Verantwortung für das Bienenvolk.

 

Die Schüler holen ein Rähmchen heraus und schauen nach, ob es schon gefüllt ist. Foto: Thomas Osterfeld

„Ihr seid ja wirklich ganz tapfere Imker“, sagt Pfarrer Ulrich Beckwermert und lächelt. Denn die zwei Jugendlichen, die gleich nach ihrem Bienenvolk sehen wollen, tragen zwar das weiße Imkeroberteil und den Hut mit Gesichtsschutz, haben aber kurze Hosen an. Ihre Beine sind unbedeckt. Die anderen drei Schüler sind ganz ohne Schutzkleidung, sie halten ein bisschen Abstand.

Beckwermert, der seit drei Jahren imkert, gesellt sich zu ihnen und nutzt die Gelegenheit, Anekdoten zum Besten zu geben. Er erzählt die Geschichte, wie er einmal in Eile nach seinen Bienen sehen wollte, dummerweise ohne Kopfschutz, und in die Stirn gestochen wurde. „Das war um elf Uhr und um 17 Uhr hatte ich eine Goldene Hochzeit. Die haben gedacht: Was ist bloß mit unserem Pastor los?“, erzählt Beckwermert. Denn als er mit dem Goldpaar und seinen Gästen den Gottesdienst feierte, stand er mit dicken Beulen auf der Stirn da, „die Augen fast zugeschwollen.“ Bienenstiche seien eigentlich nicht schlimm, meint er, aber fatal, wenn sie Kopf und Hals träfen, vor allem, wenn die Atemwege zuschwellten.

Davor haben die Jugendlichen aus der Arbeitsgemeinschaft offenkundig keine Angst. Die fünf kommen an diesem Vormittag auch nicht zum ersten Mal mit Bienen in Kontakt, sie sind schon seit Wochen in der Imker-AG der Osnabrücker Domschule aktiv. Ein Berufsimker hat sie gründlich eingewiesen.

Ihr Bienenvolk steht auf einer großen Wiese hinter dem Garten des Osnabrücker Priesterseminars, direkt daneben finden die Bienen Nektar auf einer großen Blumenwiese. Den Kasten, in dem die Bienen wohnen, haben die Schüler selbst zusammengebaut, gestrichen und mit Rähmchen eingerichtet.

Das ist ein ganz friedliches Volk“

Das Bienenvolk haben sie von einem Imker geschenkt bekommen. „Das ist ein ganz friedliches Volk“, stellt Max fest. Der 15-Jährige möchte künftig auch zu Hause imkern und spart schon auf ein eigenes Volk. Zwischen 100 und 150 Euro muss er dafür ausgeben. Die Schutzkleidung besorgten die Jugendlichen in einem Fachgeschäft für Imkereibedarf:  Oberteile, Hut und Handschuhe, aber eben keine Imkerhosen. Ach, die Imkerpfeife, fehlt.

„Wir geben den Kindern natürlich keine Pfeife“, sagt der betreuende Lehrer Michael Wallusch. Trotzdem müssen die Jugendlichen Rauch machen können, um den Bienen einen Waldbrand vorzutäuschen: Das unterdrücke den Stechreflex der Tiere und erlaube es den Imkern, den Kasten zu öffnen und die Rähmchen herauszuziehen, um zu schauen, wie viele Waben schon mit Honig gefüllt sind, erklärt Wallusch. „Wir erzeugen den Rauch mit einem Smoker“, sagt der Lehrer.

Es klappt. Der Smoker hat seine Aufgabe erfüllt, viele Bienen fliegen den Kasten an. Vor dem Eingang sammeln sie sich. Wie  sie sich dort bewegen, „tänzeln“, heißt es in der Fachsprache, lässt für erfahrene Imker Rückschlüsse auf ihren Zustand zu.

Die Schüler in Schutzkleidung nehmen eins der Rähmchen heraus. Die Bienen waren fleißig. Sie haben schon einiges an Nektar gesammelt und viele der mit Honig gefüllten Waben bereits mit Wachs verschlossen. Die Jugendlichen und Lehrer Wallusch freuen sich: Am Ende der Sommerferien wollen sie den ersten Honig schleudern. Etwa zehn bis 15 Kilo Ertrag könnten es werden, schätzt Beckwermert. Er wird den Schülern beim Schleudern helfen.

Imkern als Ausgleich zum hektischen Alltag

Für Beckwermert, Pfarrer der Domgemeinde St. Petrus und demnächst Personalreferent, ist das Imkern als Hobby ein Ausgleich zum betriebsamen Alltag. Es zwinge zur Ruhe und Bedachtsamkeit. „Imkern ist wie Meditation“, sagt er augenzwinkernd. Im Umgang mit Bienen sei Hektik verboten. Man müsse die Bienen auch mal in Ruhe lassen können. „Neugier stört die Bienen.“ Im Grunde gehe es wie im echten Leben um die Balance zwischen Nähe und Distanz.

Pfarrer Beckwermert freut sich auch, dass seine beiden Bienenvölker inzwischen die „Gemeindebienen“ geworden sind. Ob Kindergartenkinder oder Senioren – jung und alt freuen sich, wenn es den Bienen gut geht. Zumal viele Gemeindemitglieder auch ein Gläschen Honig geschenkt bekommen, wenn der Pastor sie besucht. In diesem Jahr hat Beckwermert schon  hellen, klaren Frühjahrshonig abgefüllt.

Ulrich Beckwermert wurde von dem Imker Harald Emmerich eingewiesen. Er steht für Rückfragen zur Verfügung, kann Rat geben, wenn ein Bienenvolk von der Varroamilbe befallen wird. „Man hat eine große Verantwortung für ein Bienenvolk“, sagt Beckwermert. Das  gelte auch bei der Honigernte. „Der gute Imker achtet darauf, dass er nicht alles rausnimmt.“

Doch der Imker kann nicht beeinflussen, wie viel Nahrung die Bienen in der Natur noch finden – ob zu viel Pestizide gespritzt werden und ob Gartenbesitzer genügend heimische Blühpflanzen wachsen lassen. Rosen und Rhododenron sind für Bienen keine Nahrungsquellen. Günstig sind dagegen Phaceliapflanzen oder eine Bienenweide mit Mohn, Malven, Dill, Dost, Klee, Schafgarbe und Ringelblumen.

Andrea Kolhoff