12.02.2014

Wertvolle Elfenbeinschnitzerei wieder in Osnabrück

„Karls Kamm" im Visier des Zolls

Der Elefant ist zwar schon über 1000 Jahre tot, doch die kunstvoll zum „Kamm Karls des Großen“ verarbeiteten Überreste seines Stoßzahns fallen heute unter das „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen“ (CITES). Damit wurde das gute Stück ein Fall für den deutschen Zoll sowie das Züricher Veterinäramt.

 

Karls Kamm nach dem Transport und jetzt wieder sicher in der
angestammten Vitrine. Fotos: Hermann Pentermann/
Diözesanmuseum Osnabrück

Als vermeintliches Geschenk Karls des Großen brachte es die kostbare Elfenbeinschnitzerei seit dem 17. Jahrhundert in Osnabrück und darüber hinaus zu einiger Berühmtheit. Zwar hat der Kaiser sie nie selbst in Händen gehalten, weil sie erst über ein Jahrhundert nach seinem Tod entstand. Doch das Osnabrücker Domkapitel gab das eindrucksvolle Werk zusammen mit seltenen Schachspielsteinen aus dem 10. und 12. Jahrhundert  sowie einem alten Bischofsstab spätestens seit 1613 als Geschenke Karls für die Kathedrale aus, um so im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzungen und vor allem in Konkurrenz mit dem evangelischen Stadtrat um den Nachweis besonderer Gunst Karls zu punkten.

Kulturtouristen wie der französische Abbé Claude Joly im Jahr 1646 bestaunten die vermeintlichen Karlsgeschenke, und eine Vielzahl jährlicher Leihanfragen von Museen aus dem In- und Ausland macht sowohl den Kamm als auch das Schachspiel zu einem kulturellen Exportschlager Osnabrücks. Lehnt das Diözesanmuseum die meisten dieser Wünsche ab, so gab es 2013 dem Schweizer Nationalmuseums in Zürich für die Sonderausstellung „Karl der Große und die Schweiz“ eine Zusage.

Wenn der „Karlskamm“ auf Reisen geht, transportiert ihn eine fachlich versierte Spedition – begleitet vom Restaurator Uwe Schuchardt aus Hildesheim als verantwortlichem Kurier. Bei Ausstellungen im Ausland kommt zusätzlich der Zoll ins Spiel: Das wertvolle Stück wird in seiner Transportkiste verplombt und mit Fracht- und Zolldokumenten ausgestattet, die gemäß der sogenannten CITES-Regeln ausgestellt werden.
 

Unter Aufsicht von Zoll-Einfuhrleiter André Pfob (2.v.r.) und Museums-
direktor Hermann Queckenstedt (2.v.l.) entnimmt Restaurator Uwe
Schuchardt den liturgischen Kamm der Transportkiste. Mit im Bild Zoll-
beamter Johann Senkleider (l.) und Praktikant Nils Voltermann.

Bei seiner Ankunft in Zürich im September 2013 sowie unlängst bei seiner dortigen Abreise war es indes nicht der Zoll, der Uwe Schuchardt abfertigte, sondern die in der Schweiz dafür zuständigen staatlichen Tierärzte. Diese verplombten den Kamm für den Rücktransport, den zunächst der deutsche Zoll in Singen beim Grenzübertritt im Blick auf den Artenschutz überwachte.

André Pfob, Einfuhrleiter und zugleich stellvertretender Chef des Osnabrücker Zollamtes, prüfte schließlich im Diözesanmuseum, ob „Karls Kamm“ auch tatsächlich vorschriftsmäßig in Osnabrück angekommen war. Uwe Schuchardt installierte ihn sodann fachgerecht in seiner angestammten Vitrine, wo er inzwischen zu einem begehrten Blickfang der aktuellen Ausstellung „Karl der Große und Osnabrück“ wurde.
 

 

Für Schulklassen sowie Kinder- und Jugendgruppen bietet das Diözesanmuseum ein umfangreiches museumpädagogisches Programm zur Karlsausstellung, das einen spannenden Einblick in die Zeit des Kaisers sowie seine Bezüge zu Osnabrück gewährt. Am Sonntag, 16. Februar, um 16.15 Uhr sowie donnerstags, um 18 Uhr finden öffentliche Führungen statt. Infos unter Telefon 0541/318-481.