13.01.2017

Freiwillige engagieren sich in der Emmaus-Übernachtungsstelle Quakenbrück

„Man darf nicht zu empfindlich sein"

Gemütlich und zweckmäßig präsentiert sich die Emmaus-Übernachtungsstelle in Quakenbrück. Wohnungslose können hier die Nacht verbringen. Ehrenamtliche aus einem Helferkreis schließen die Wohnung für sie auf. Eine von ihnen ist Marlene Schröder.

 

In der Emmaus-Wohnung können sich die Gäste heißé Getränke kochen, es stehen Mikrowelle, Kaffeemaschine und ein Wasserkocher zur Verfügung. Foto: Andrea Kolhoff

Im kleinen Wohnzimmer steht ein bunter Teller mit Leckereien auf dem Tisch. Marzipan und Plätzchen weisen darauf hin, dass vor kurzem Weihnachten war. Den Teller hat Marlene Schröder aufgestellt, damit der Glanz des Weihnachtsfestes auch in der Emmaus-Wohnung leuchtet. Die 75-Jährige gehört zum Helferkreis der zwölf Ehrenamtlichen, die den abendlichen Aufschließdienst für die Quakenbrücker Übernachtungsstelle übernehmen, immer eine Woche lang, von Sonntagabend bis zum folgenden Samstag. Von 18 bis 18.15 Uhr stehen sie dann vor dem Haus in der Friedrichstraße 56 und warten, ob Wohnungslose kommen, die übernachten wollen.

Marlene Schröder war jüngst in der Woche zwischen den Jahren eingeteilt. Drei Gäste fanden sich über die Feiertage ein, ein Pärchen und ein junger Mann. Die Emmaus-Unterkunft im Erdgeschoss des neu renovierten Hauses bietet Platz für mindestens drei Personen, denn im Schlafzimmer stehen drei Betten. Während der Umbau- und Renovierungsphase für das Haus Nr. 56 war die Übernachtungsstelle in einem Container auf dem Grundstück untergebracht. Anfang Dezember konnten die Ehrenamtlichen dann den Umzug in die umgebaute Wohnung absolvieren.

Hunde dürfen mitgebracht werden

Sie wurde beim Umbau neu aufgeteilt und mit Gebrauchtmöbeln ausgestattet. Im Wohnzimmer gibt es einen älteren Fernsehapparat, in der Küche stehen Herd, Mikrowelle, Kaffeemaschine und Wasserkocher zur Verfügung. Auch ein geräumiges Bad steht zur Verfügung, hierfür soll auf Dauer noch eine Waschmaschine angeschafft werden.

Obdachlose, die übernachten wollen, zeigen ihren Ausweis und unterschreiben ein Formular. So wird festgehalten, wer an welchen Tagen in Quakenbrück übernachtet hat. Wer mit dem Fahrrad anreist, kann es in den abschließbaren Schuppen stellen. Hunde dürfen mitgebracht werden, außerdem besteht für die Wohnungslosen die Möglichkeit, Lebensmittel bei der Quakenbrücker Tafel einzukaufen.

Manche Gäste bleiben drei Nächte, andere ziehen am nächsten Tag weiter nach Cloppenburg oder Bersenbrück, wo ebenfalls Übernachtungsstellen bestehen. Bis zehn Uhr müssen sie die Unterkunft verlassen haben.

In den 15 Jahren, in denen sie im Schließdienst der Emmaus-Unterkunft mitarbeitet, hat Marlene Schröder erst einmal erlebt, dass ein Wohnungsloser wieder sesshaft wurde. Viele hielten an ihrer nomadischen  Lebensweise fest. Die Gäste seien mit den Jahren immer schwieriger geworden, meint Schröder, manche hätten starke psychische Probleme. Die ehrenamtlichen Helfer  sollten gefestigt sein. „Man muss Menschen mögen, man darf nicht zu empfindlich sein und man darf keine Angst haben“, sagt Schröder.

Andrea Kolhoff

 

 

Zur Sache

Die Emmaus-Übernachtungsstelle wurde 2001 in Quakenbrück eingerichtet und von den Kirchengemeinden St. Marien und St. Paulus betrieben. Für die Wohnung musste damals keine Miete gezahlt werden, für die Kirchengemeinden fielen nur die Heizungs-, Wasser und Stromkosten an. Kleine Renovierungen erfolgten später durch den Einsatz der Rotarier und bei einer 72-Stunden-Aktion der Jugend.

Nach Eigentümerwechsel und Umbau kamen Mietzahlungen auf die Pfarreien zu. Also übernahm zum 1. Dezember 2016 der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück die Trägerschaft für die Übernachtungsstelle und betreibt sie in Kooperation mit der Pfarreiengemeinschaft Quakenbrück/Badbergen/Nortrup und der Samtgemeinde Artland. Der Caritasverband betreibt bereits in Bersenbrück eine Übernachtungsstelle für Wohnungslose und informiert in der Caritas-Beratungsstelle in der Bürgermeister-Kreke-Straße 3 über Hilfen für Wohnungslose. (kol)